Der Internationale Frauentag steht weltweit für Gleichberechtigung, gesellschaftliche Teilhabe und die Rechte von Frauen. In Flörsheim nahm der Mehrgenerationentreff diesen Anlass auf und lud zu einem Austausch am Frühstückstisch ein. Am Sonntagmorgen, 8. März, kamen dort 15 Frauen zusammen, um bei Kaffee, Brötchen und Gesprächen über ein Thema zu sprechen, das viele aus dem Alltag kennen: die Schwierigkeit, „Nein“ zu sagen.
Organisiert wurde die Veranstaltung gemeinsam mit dem Büro für staatsbürgerliche Frauenarbeit e. V. Für die Kooperation vor Ort sprach Corinna Allendorff von der Flörsheimer Stadtverwaltung ein kurzes Grußwort. Der Internationale Frauentag erinnere daran, wie wichtig Austausch und gegenseitige Unterstützung seien. „Gerade solche Gespräche zeigen, dass viele Frauen ähnliche Erfahrungen machen“, sagte sie. „Wenn wir darüber sprechen, entsteht Mut, Dinge auch einmal anders zu machen.“
Unter dem Titel „Nein sagen – klar, respektvoll und ohne schlechtes Gewissen“ hielt die Wiesbadener Mentalcoachin Cornelia Möcke einen einstündigen Impulsvortrag. Ihre Ausgangsfrage war einfach und traf bei den Teilnehmerinnen sofort einen Nerv: Wann haben Sie zuletzt „Ja“ gesagt, obwohl Sie eigentlich „Nein“ meinten?
Die Antworten kamen schnell. Zu viele Aufgaben im Job, Verpflichtungen in der Familie, der Wunsch, niemanden zu enttäuschen. „Viele Frauen wissen sehr genau, dass sie häufiger Nein sagen sollten“, sagte Möcke. „Und tun es trotzdem nicht.“ Der Grund dafür liege oft tiefer als im konkreten Moment. Angst vor Ablehnung oder Konflikten spiele eine Rolle, ebenso der Wunsch nach Anerkennung. Hinzu kämen früh erlernte Muster. „Viele von uns haben als Kinder gelernt: Sei brav, mach es allen recht“, erklärte die Referentin. Solche Glaubenssätze wirkten bis ins Erwachsenenleben hinein.
Dabei sei ein Nein keineswegs ein Zeichen von Schwäche. Entscheidend sei die innere Haltung. „Wirkung entsteht nicht durch Lautstärke“, betonte Möcke. „Sie entsteht durch Klarheit.“ Wer sich seiner eigenen Bedürfnisse bewusst sei, könne Grenzen respektvoll und eindeutig formulieren.
Im Verlauf des Vormittags entwickelte sich ein lebendiger Austausch. Teilnehmerinnen berichteten von Situationen aus ihrem Alltag, etwa von Freundschaften, in denen mangelnde Pünktlichkeit als respektlos empfunden wird, oder von beruflichen Situationen, in denen zusätzliche Aufgaben kaum abgelehnt werden können.
Als mögliche Strategie stellte Möcke Elemente der gewaltfreien Kommunikation vor: Gefühle benennen, Bedürfnisse formulieren und Lösungen suchen, ohne Vorwürfe zu machen. „Ich fühle mich überfordert, wenn Termine ständig verschoben werden“, sei eine andere Botschaft als ein Vorwurf, erklärte sie.
Immer wieder ging es dabei um Selbstbewusstsein, im wörtlichen Sinn: sich seiner selbst bewusst zu sein. Wer eigene Stärken und Grenzen kenne, könne auch klarer auftreten. „Man muss nicht alles tun“, sagte Möcke. „Und oft passiert gar nichts Schlimmes, wenn man einmal Nein sagt.“
Am Ende blieb nicht nur ein voller Frühstückstisch, sondern auch reichlich Gesprächsstoff. Der Vormittag zeigte: Über Grenzen zu sprechen fällt vielen Frauen leichter, wenn sie merken, dass andere ähnliche Erfahrungen machen. Genau dafür bot das Frauenfrühstück zum Internationalen Frauentag den passenden Rahmen.


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