Der 1. Mai war in der Kirche St. Josef weit mehr als nur ein Datum im Kalender: In der katholischen Kirche ist er auch der Gedenktag des heiligen Josef, des Arbeiters. Für die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Flörsheim (KAB) bot das den passenden Rahmen, um ihr 120-jähriges Bestehen zu feiern. Der Festgottesdienst wurde so zu einem Vormittag, an dem Arbeit, Glaube, Musik, Ehrenamt und persönliche Lebensgeschichten zusammenkamen.
Schon die Musik machte deutlich: Hier blieb niemand unter sich. Der Flörsheimer Musikverein begleitete die Messe unter der Leitung von Bernhard Frank, an der Orgel spielte Hans Kaiser. In St. Josef liefen viele Linien des Flörsheimer Vereinslebens zusammen. Vertreter aus Kirche, Politik, Vereinen und Stadtgesellschaft zeigten, wie eng in Flörsheim religiöse Tradition, kulturelles Engagement und ehrenamtliche Arbeit miteinander verbunden sind.
Geleitet wurde die Messe von Pfarrer Friedhelm Meudt, Kolpingpräses Pfarrer Christian Preis und Hans-Jürgen Wagner, dem geistlichen Leiter der KAB Flörsheim. Der Gottesdienst folgte der klassischen Liturgie, erhielt durch mehrere persönliche Anlässe aber eine besondere Note. Langjährige Mitglieder wurden geehrt und Engelbert Kohl, mehr als fünf Jahrzehnte Vorsitzender der Flörsheimer KAB, wurde zum Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzenden ernannt.
Damit wurde der Vormittag auch zu einem Blick auf das, was Stadtgesellschaft im Alltag trägt. Vereine, kirchliche Gruppen und engagierte Einzelne übernehmen Aufgaben, die selten im Rampenlicht stehen, aber über Jahre Verlässlichkeit schaffen. Genau darum ging es an diesem Tag: um Verantwortung, Treue und die Bereitschaft, sich einzubringen.
Ein besonders persönlicher Moment war der Segen für Ursula und Heinz-Josef Diehl. Das Ehepaar feiert Diamantene Hochzeit, also sechs Jahrzehnte gemeinsamen Lebenswegs. Engelbert Kohl gratulierte beiden im Namen der KAB mit warmen Worten. „Ihr beide seid Vereinsmenschen“, sagte er. Ursula Diehl sei beruflich lange in die Organisationsabläufe der Frankfurter Eintracht eingebunden gewesen, Heinz-Josef Diehl gehöre seit der Gründungsversammlung des Flörsheimer Fanfarenzugs und später des Musikvereins zum festen Kreis der Aktiven. Dass beide zugleich Mitglieder der KAB seien, mache ihre Ehrung an diesem Tag besonders passend.
Auch die politischen Grußworte stellten das Jubiläum in einen größeren Zusammenhang. Brigitte Wagner-Christmann überbrachte die Grüße von Landrat Michael Cyriax und dem Kreisausschuss. Sie würdigte 120 Jahre KAB Flörsheim als „ein Stück Flörsheimer Stadtgeschichte, ein Stück katholischer Sozialgeschichte und ein starkes Zeichen dafür, was Menschen bewegen können, wenn sie aus Überzeugung Verantwortung übernehmen“.
Stadtverordnetenvorsteher Michael Kröhle lenkte den Blick stärker auf die Bedeutung dieses Engagements für Flörsheim. Eine Stadt lebe nicht allein von Strukturen, Gremien und Beschlüssen, sondern von Menschen, die andere zusammenbrächten. Mit Blick auf Engelbert Kohl sagte er sinngemäß, hier stehe jemand, der deutliche Spuren hinterlassen habe. Menschen wie er hielten Flörsheim zusammen. „Das sind die Menschen, die unsere Stadt braucht“, machte Kröhle deutlich.
Auch aus Sicht des Vereins wurde dieser Gedanke bei Kohls Ehrung deutlich. KAB.-Sitzungspräsident Daniel Schleidt würdigte ihn als jemanden, der dem Verein Richtung gab, Kontakte pflegte und auch schwierige Diskussionen aushielt. Vor allem habe Kohl die KAB in Flörsheim über Jahrzehnte geprägt und zusammengehalten.
Die Ernennung zum Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzenden war deshalb mehr als eine formale Auszeichnung. Sie war der Dank für eine Lebensleistung im Ehrenamt. Brigitte Wagner-Christmann brachte es auf den Punkt: Wer ein halbes Jahrhundert Verantwortung trage, tue das aus Glauben, Treue, Liebe zur Gemeinschaft und aus dem Bewusstsein heraus, dass Führung im Ehrenamt immer auch Dienst sei.
Kohl selbst verzichtete auf eine lange Rückschau. Eine große Festrede über 120 Jahre KAB wolle er nicht halten, sagte er gleich zu Beginn. „Über die ersten hundert Jahre kann jeder in der Festschrift nachlesen“, erklärte er. Die vergangenen 20 Jahre hätten viele der Anwesenden selbst miterlebt. „Ein Verein steht und fällt mit seinen Mitgliedern, deren Engagement, Durchhaltevermögen und nicht zuletzt ihrem Beitrag“, sagte Kohl. Daher richtete er den Blick auf jene, ohne die kein Verein bestehen kann: die Mitglieder.
Geehrt wurden Mitglieder, die der KAB über Jahrzehnte verbunden geblieben sind. Engelbert Hammer gehört seit 25 Jahren dazu, Ruth und Martin Leister seit 50 Jahren. Obwohl sie längst im Rheingau leben, sei die Verbindung zur Flörsheimer KAB nie abgerissen, würdigte Kohl ihre Treue. Eine besondere Auszeichnung erhielt Richard Lauck, der dem Verein seit 70 Jahren angehört. Kohl dankte ihm nicht nur für diese außergewöhnliche Loyalität, sondern auch dafür, dass er sich immer wieder eingebracht habe.
Zum Schluss wurde Kohl persönlich. Zunächst dankte er Gisela und Albert Schleidt für ihren jahrzehntelangen Einsatz für die KAB. Dann wandte er sich an seine Frau Gerda. Ohne ihren Rückhalt, ohne ihren Verzicht auf viele gemeinsame Stunden wäre sein Engagement in diesem Umfang nicht möglich gewesen – nicht in Flörsheim, nicht im Bezirk Rhein-Main, nicht im Diözesanverband Limburg und auch nicht im Bundesverband. Gerade an diesem Punkt wurde spürbar, dass Ehrenamt nicht nur von denen getragen wird, die vorne stehen, sondern auch von denen, die im Hintergrund mitgehen.
Nach dem Gottesdienst verlagerte sich die Feier in den Innenhof der Kirche. Das Fastnachtsteam der KAB hatte den Empfang vorbereitet; bei Sekt, Kaltgetränken und Knabbereien standen die Gäste noch lange zusammen. Es wurde gratuliert, erinnert und erzählt – manches offiziell, vieles im persönlichen Gespräch.
Gerade dort zeigte sich noch einmal, was diesen Vormittag geprägt hatte: Er machte sichtbar, wie eng Kirche, Vereine, Musik und Ehrenamt in der Stadt miteinander verwoben sind. Aus dem Jubiläum wurde ein Treffen derer, die Flörsheim seit vielen Jahren mittragen – mit Zeit, Einsatz und Verbundenheit.




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