Nach Flörsheim, betont Forstamtsleiter Klaus Velbecker immer wieder, komme er stets besonders gerne, um den jährlichen Sachstandsbericht über den Zustand und die wirtschaftlichen Zahlen zum Waldbesitz der Kommunen in seinem südhessischen Forstbezirk abzugeben. Dabei muss er zu diesem Zwecke ungewöhnlicherweise den Main queren. Aber Flörsheim hält unbeirrt fest an der etwas kuriosen Situation, einen 176,2 Hektar umfassenden Baumbesitz in einem anderen Landkreis zu halten, von dem 75 Prozent (143,8 Hektar) als „Wald im regelmäßigen Betrieb“ bewirtschaftet wird.
Das ist eine rein emotional zu erklärende Bindung, das spürt Velbecker bei seinen Besuchen im Flörsheimer Haupt- und Finanzausschuss, während er sich in den anderen Kommunen als reiner Berichterstatter über die Bilanzzahlen fühlt. Es ist daher davon auszugehen, dass Politik und Verwaltung nicht zu erwägen beginnen, sich des Besitzes zu entledigen, zumal es auch einen ziemlich dünnen Markt für Waldflächen mit Bannwaldcharakter geben dürfte.
Überlegungen, sich von dem historisch begründeten Besitz zu trennen, wurden in den vergangenen Jahren in Flörsheim nicht mehr diskutiert. Es gab ja auch immer wieder Jahre, in denen die Forstwirtschaft sogar ein paar Euro Gewinn in die Kassen spülte. Zuletzt und ganz unerwartet im Jahr 2023, als der Hessen Forst-Bezirk Groß-Gerau für Flörsheim statt eines erwarteten leichten Minus (-682 Euro) einen dicken Überschuss von 23.860 Euro festhielt. Daraus wird in diesem Jahr vermutlich nichts, musste Velbecker den Flörsheimern mitteilen. Seine Prognose für 2026 geht von einem satten Defizit von 22.752 Euro aus.
Das setzt sich zusammen aus 20.425 Euro Einnahmen (Ergebnis 2024: 17.794 Euro) bei 43.177 Euro Ausgaben (Ergebnis 2024: 24.108 Euro). Den 16.755 Euro, die aus dem Holzverkauf selbst erwartet werden, stehen alleine 14.625 Euro an Kosten für die Holzernte entgegen. Man sieht: Was in einem Jahr an Erträgen aus den Holzverkäufen in die Kasse hineinkommt und an Ausgaben abgeht, unterliegt starken Schwankungen und ist nicht annähernd verlässlich vorherzusagen.
Das Plus aus 2023 etwa kam nur zustande, weil im Wald unvorhergesehen jede Menge Kalamitätsholz anfiel – das ist durch den Gesundheitszustand der Bäume oder nach Sturmereignissen gegen den Plan zu fällendes Holz. Davon betroffen war vor allem der Kiefernbestand, der zwischen 2015 und 2024 um 6.000 Festmeter reduziert werden musste (geplant: 3.972). Der „Hiebsatz“ ist in den Wäldern des Forstbezirks auch für 2026 daher reduziert, mit entsprechend verringerten Einnahmen. Er liegt aber im Bereich Flörsheimer Wald immer noch bei 46 Prozent des laufenden Zuwachses, während er im Gesamtgebiet bei 43 Prozent liegt.
Ein weiterer Faktor kann wie aktuell der Maikäferbefall sein, ein durch die konzertierten Lebenszyklen der Larven und Käfer ein im Flörsheimer Wald alle vier Jahre anstehendes Problem, das etwa Aufforstungen einschränkt, ein für dieses Jahr zu erwartendes Problem. Und dann gibt es in unserer Region seit einiger Zeit die bei Wildschweinen auftretende Afrikanische Schweinepest (ASP) als Faktor, die die Holzwirtschaft durch das zeitweise Betretungsverbot, aber vor allem die Jagd beeinträchtigte. Das Waldbetretungsverbot wegen der ASP hatte seit Juni 2024 auch die Wildbestandspflege eingeschränkt. Die Jäger konnten lange nichts tun, um den Dammwildbestand auszudünnen. „Der Zuwachs bei den Beständen im Jahr 2025 ist bisher noch nicht abgeschöpft“, berichtete Velbercker einen Nachholbedarf bei den Abschüssen.
Die Wirtschaftszahlen für 2025 konnte der Forstamtsleiter noch nicht vorlegen, wohl aber eine Aktualisierung der grundlegenden Zahlen. So machte der Austausch von Nadel- zu Laubbaumflächen Fortschritte, der Bestand hat sich zuletzt um neun Prozentpunkte mit nun 54 Prozent zugunsten der Laubbäume verschoben. Dies ging vor allem auf Kosten des Kiefernanteils, diese Baumart sei mit 46 Prozent Anteil aber immer noch das häufigste im Flörsheimer Wald entnommene Holz, gefolgt von der Eiche (27 Prozent) und der Buche (19 Prozent).
Wer dort umherwandert, wird vielleicht denken, dass der Flörsheimer Wald ziemlich licht wirkt, was die Zahlen belegen. Der „Holzvorrat“, den nicht etwa die gefällten, sondern die aufrecht stehenden Bäume darstellen, liegt im Flörsheimer Wald mit 184 Vorratsfestmetern pro Hektar deutlich unter den als Optimalwert angesehen 263 Festmetern. „Der Pflegezustand des Stadtwaldes Flörsheim ist gut“, konnte Velbecker jedoch verkünden. Intensive Pflegearbeiten, um den Bäumen zum guten Wachstum zu verhelfen, stehen für die kommenden drei Jahre auf rund acht Prozent der Flächen an.
Thorsten Press (FDP) fragte nach, inwieweit Hessen Fort für die kommenden Jahre im größeren Stile Aufforstungen vorzunehmen gedenkt. Velbecker erläuterte, dass sich im Flörsheimer Wald die abgestorbenen Bäume weniger in ganzen Gruppen fanden, sondern eher auf kleinen „Spots“. Der Wald dünnte durch die Kalamitätsfällungen also eher weiter aus. Nahe der Autobahn gebe es zwar so eine größere Stelle, wo eine Aufforstung angebracht sei, doch gerade hier fanden sich im sandigen Boden eingebuddelt große Populationen von Maikäferengerlingen. Jungbäume sind bevorzugte Opfer der aus dem Boden mit der Frühlingswärme aufsteigenden Käfer, erst nach so einem Maikäferflugjahr wie 2026 sei daher eine Aufforstung möglich.
Keine Hoffnungen machen konnte Velbecker dem Ausschuss, dass der diesmal vergleichsweise winterliche Winter die Maikäferpopulation in Grenzen halten wird. „Die Engerlinge überstehen so einen Winter, wie wir ihn hatten, locker“, zerstörte er die Hoffnungen von Markus Ochs (SPD). Und die Maikäfer selbst, die sich in 60 bis 80 Zentimetern enorm tief einzugraben pflegen, sowieso.
Der Haupt- und Finanzausschuss akzeptierte den vorgelegten Waldwirtschaftsplan samt Einschlagsplanung für 2026 und reichte ihn damit an die am heutigen Donnerstagabend tagende Stadtverordnetenversammlung weiter. Die dürfte ihn ohne weitere Diskussion durchwinken.

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