Zutatenliste für Laborratten

gus

Heute gibt es ein tolles Rezept zum Nachbacken. Oder Nachkochen? Nachbrauen? Am ehesten würde wohl Nachzaubern passen, denn die folgenden, durchaus wohlbekannten Zutaten genau so zu dem zusammenzusetzen, was wir servieren wollen, dass es auch funktioniert, das ist das eigentliche und bisher nicht erreichte… ne, Ziel ist aus ethischen Gründen auch schwierig. Sagen wir, der bisher nicht erreichte Traum der dunkelsten Laborratten dieses Planeten.

Wer es mal versuchen möchte, besorge sich bitte folgende, auf dem Wochenmarkt allerdings kaum zu erhaltene Zutaten:

52 Kilogramm Sauerstoff, 14,8 Kilo Kohlenstoff, 7,6 Kilo Wasserstoff, 2,56 Kilo Stickstoff, 1,2 Kilo Calcium, 800 Gramm Kilo Phosphor, 320 Gramm Kalium, 240 Gramm Schwefel, 160 Gramm Natrium, 160 Gramm Chlor, 80 Gramm Magnesium. Dazu eine Spezialbestellung, ein Baukasten aus insgesamt 80 Gramm Spurenelementen wie Eisen, Zink, Kupfer, Jod, Selen, Mangan, Fluor, Silizium, Molybdän und Kobalt.

Was gibt es also heute zum Abendbrot? Nun, vor allem Luft, lassen die Top-Vier-Zutaten vermuten. Die sind allerdings mit anderen Elementen verbunden, vor allem, die wohl bekannteste aus Wasserstoff und Sauerstoff wird reichlich benötigt. Somit sieht es nun nach einer ordentlichen Portion Wassersuppe für die ganze Familie aus, und das für die nächsten Wochen.

Aber, das ist komplett falsch. Die Zutaten lassen sich schlicht zu 80 Kilogramm Mensch zusammenfügen, es fehlt zum Glück bisher nur am Koch, der wüsste, wie man das so anfängt, dass es auch einigermaßen funktioniert, also etwa so wackelig wie einst bei Frankensteins Monster.

Ein 80-Kilo-Mensch besteht tatsächlich aus gut 50 Kilogramm Wasser, schön verteilt, wo es hingehört, mit der Aufgabe, all die anderen Stoffe einzulagern oder zu transportieren. Damit etwa unsere Produkt auf seine elf Kilo Proteinanteil kommt, gilt es Aminosäureketten herzustellen, in dem wir die vier Hauptelemente sowie etwas Schwefel genau so zusammensetzen, wie es gebraucht wird. Was für eine Arbeit! Und man will gar nicht wissen, was passiert, wenn die Laborratte Calium und Kalzium verwechselt.

Es hat also seinen Grund, warum die Wissenschaftler, die in die Natur pfuschen wollen, den Ansatz ihrer Menschformung eher über Genetik wählen. Da kann dann immer noch alles so heranwachsen, wie es von der Natur vorgesehen ist – mit den gewollten Modifikationen, versteht sich. Dass es irgendwo auf der Welt solche geheimen Labore gibt, die mit dem nötigen wirtschaftlichen Erfolg genau daran arbeiten, bezweifelt allerdings entgegen entsprechender Verschwörungstheorien

Der Gickel vom Flerschemer Dom

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