Tomaten für den guten Zweck bringen 1350 Euro ein

Kelkheimerin Irmgard Dannhäuser spendete rund 300 Pflanzen für das Hospiz Lebensbrücke

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Mit einem solchen Andrang hatte im Hospiz Lebensbrücke wohl niemand gerechnet. Was als kleiner Pflanzenverkauf vor dem Haus geplant war, entwickelte sich am Freitagvormittag zu einer gut besuchten Spendenaktion. Auf dem Parkplatz herrschte reger Betrieb: Besucherinnen und Besucher blieben an den Tischen stehen, verglichen Sorten, stellten Fragen zur Pflege und gingen selten nur mit einer einzigen Tomatenpflanze nach Hause.

Rund 300 selbst gezogene Pflanzen hatte die Kelkheimerin Irmgard Dannhäuser dem Hospiz gespendet. Verkauft wurden sie für vier Euro pro Stück. Am Ende kamen durch den Verkauf und zusätzliche Spenden 1350 Euro zusammen. Ursprünglich habe man eher mit 300 bis 400 Euro gerechnet, teilte Hospizleiterin Cynthia Dönges mit. Dass die Summe mehr als dreimal so hoch ausfiel, habe das Team überwältigt.

Auch Dannhäuser zeigte sich begeistert vom Zuspruch: „Ich hätte nie gedacht, dass das so gut angenommen wird.“ Die Idee entstand aus persönlicher Erfahrung. „Ich habe im vergangenen Jahr regelmäßig einen Bekannten hier besucht“, erzählte sie. Daraus sei der Kontakt entstanden und schließlich der Wunsch, das Hospiz zu unterstützen.

Für Dannhäuser war das eine naheliegende Verbindung von Hobby und Hilfe. Seit Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Tomaten, inzwischen zieht sie rund 100 verschiedene Sorten. Auf den Tischen vor dem Hospiz standen deshalb nicht nur klassische Cocktailtomaten, sondern auch besondere Sorten wie Berner Rose, Japanische Trüffel, Zuckerbusch, schwarzrote Cherrytomaten, gelb-grün gestreifte und gelb-schwarze Tigertomaten. Auch Sorten wie „Heinz 1439“, benannt nach der bekannten Ketchup-Marke, fanden Interessenten.

Wer genauer hinsah, merkte schnell: Hier ging es nicht um Massenware, sondern um Pflanzen mit Geschichte, Farbe und Geschmack. Dannhäuser erklärte, welche Sorten sich für Balkon oder Garten eignen, worauf beim Einpflanzen zu achten ist und wie die Pflanzen am besten gedeihen. Wichtig sei vor allem ausreichend Abstand: Etwa ein halber Meter sollte zwischen den Pflanzen liegen. Im Sommer müssten Tomaten regelmäßig gegossen werden, allerdings ohne Staunässe. Bei Stabtomaten empfahl sie, überflüssige Seitentriebe zu entfernen, damit die Pflanze ihre Kraft in die Früchte steckt. Außerdem riet sie zu Pflanzenerde statt Blumenerde.

Viele Kundinnen und Kunden nahmen diese Hinweise gerne mit. Auch der günstige Preis trug zum Erfolg bei. Zahlreiche Käufer rundeten den Betrag auf oder legten zusätzlich eine Spende dazu. Für Dannhäuser stand dabei nicht der eigene Nutzen im Vordergrund. „Ich will daran nichts verdienen“, sagte sie. Es gehe ihr darum, dem Hospiz zu helfen und anderen Menschen eine Freude zu machen.

Hospizleiterin Dönges zeigte sich offen für eine Wiederholung. Zwar hätten erste Rückmeldungen nach der Ankündigung bereits erkennen lassen, dass Interesse besteht. Mit einem solchen Andrang habe man aber nicht gerechnet. Dass die Pflanzenaktion gleich bei ihrer ersten Auflage so gut angenommen wurde, macht eine Fortsetzung wahrscheinlich.

Für das Hospiz Lebensbrücke ist Unterstützung aus der Region weiterhin wichtig. Zwar gehört die Einrichtung inzwischen zum Varisano-Verbund, bleibt nach Angaben von Dönges aber eigenständig und finanziell unabhängig. Die Zugehörigkeit bringe Vorteile im Alltag, etwa durch bessere Vernetzung, gemeinsame Strukturen und fachlichen Austausch mit anderen Einrichtungen. An der Finanzierung ändere sich dadurch jedoch nichts. Das Hospiz erhalte keine finanzielle Unterstützung aus dem Verbund; ebenso flössen keine Gelder oder Spendenmittel des Hospizes an varisano ab.

Wie alle stationären Hospize, ist auch die Lebensbrücke dauerhaft auf Spenden angewiesen. Die Krankenkassen übernehmen 95 Prozent der Kosten für die Gäste. Die übrigen fünf Prozent müssen vollständig über Spenden finanziert werden. Was zunächst nach einem kleinen Anteil klingt, bedeutet für das Haus einen stetigen Bedarf. Spendenaktionen, ehrenamtliches Engagement und die Unterstützung von Menschen aus der Region tragen dazu bei, die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen verlässlich zu ermöglichen.

Dass bei einem Tomatenverkauf 1350 Euro zusammenkamen, ist für das Hospiz deshalb nicht nur ein erfreulicher Betrag. Die Aktion zeigte auch, wie sehr die Lebensbrücke in Flörsheim und Umgebung fest verankert ist. Aus einer privaten Idee wurde ein Vormittag, an dem viele Menschen nicht nur Pflanzen kauften, sondern ihre Verbundenheit mit dem Hospiz zeigten.

Die nächste Veranstaltung im Hospiz Lebensbrücke ist bereits geplant: Am Donnerstag, 11. Juni, um 18 Uhr eröffnet in der Dalbergstraße 2a die Fotoausstellung von Norbert Neetz unter dem Titel „Das Kleine wird groß in der Makrofotografie – der kleine Moment wird kostbar im Hospiz“. Um Anmeldung per E-Mail an cynthia.doenges[at]varisano[dot]de wird gebeten.

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