So viel Latein hatte es im Forum der Weingartenschule wohl noch nie gegeben. Fast jede Ansprache enthielt ein lateinisches Zitat, einen Sinnspruch oder eine Lebensweisheit. Der Grund war der Abschied von der Lateinlehrerin und Leiterin des Gymnasialzweigs, Nicola van de Loo. Sie geht nach fast 40 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Zu ihren Ehren und für ihren Einsatz mit Herz, Humor und Hingabe hatte die Schule am 25. Juni einen besonderen Nachmittag vorbereitet. Inklusive Saxofonständchen von Ex-Kollegen Horst Debnar-Daumler und Henning Wiese.
Schulleiter Dr. Christoph Richter erinnerte in seiner Ansprache an van de Loos langjährige Wirkung an der WGS. Seit fast 40 Jahren habe sie die Schule geprägt. Sie sei bei Schülern, Kollegen und Eltern gleichermaßen beliebt. Zudem würdigte er ihren Einsatz für den Lateinunterricht, ihre Pressearbeit, ihre Verlässlichkeit und ihre spannende Vermittlung klassischer Inhalte.
Schon früh habe sie nach dem Abitur 1979 am humanistischen Lessing-Gymnasium in Frankfurt ihre Laufbahn begonnen. Nach dem Studium an der Goethe-Universität in Latein und Germanistik, einem Stipendium in England und dem zweiten Staatsexamen 1986 sei sie 1988 an die Weingartenschule gekommen — zunächst als junge Lehrerin, später als prägende Persönlichkeit der gesamten Schulgemeinschaft. Ihr „begeisternder Einsatz“ für Latein blieb auch der FAZ nicht verborgen: 2018 wurde van de Loo in der Rubrik „Leute der Woche“ gelobt.
Aus allen Wolken sicher gelandet
Van de Loo selbst blickte in ihrer Abschiedsrede mit Wärme und Humor auf ihren Weg zurück. Eigentlich habe ihre Karriere ganz anders beginnen sollen. Nach zwei Jahren als Stewardess bei der Lufthansa habe sie eines Morgens einen Brief aus Hessen gefunden: „Wir haben da eine Lehrerstelle. An der Weingartenschule. Gesamtschule in Kriftel.“ Sie habe damals weder genau gewusst, was eine Gesamtschule sei, noch wo Kriftel liege. Doch aus einem ersten Besuch sei schnell eine Lebensentscheidung geworden.
Mit viel Dankbarkeit sprach sie über die Schule, das Kollegium und die junge Generation, die nun Verantwortung übernehme. Zugleich machte sie deutlich, wie schwer ihr der Abschied falle: „…aber jetzt kommt halt der letzte ganz große Abschied, der Abschied von Euch – und der ist ganz sicher auch der schwerste, vor dem es mir schon auch ein bisschen gegraust hat.“
Auch Elternbeiratsvorsitzende Melanie Hirt fand bewegende Worte. „Lebendiger wurde Latein nie vermittelt“, sagte sie, und ergänzte schmunzelnd, van de Loo habe das Fach bei den Abschlussklassen sogar als ihre Muttersprache bezeichnet. Das große Interesse an Latein an der WGS habe viel mit ihrer Persönlichkeit zu tun gehabt. „Eine Legende verlässt das Gelände“, lautete Hirts Fazit.
Symbole für den Neubeginn
Van de Loo übergab ihren Nachfolgerinnen symbolische Geschenke: einen Gladiatorenhelm für die neue Lateinlehrerin Susanne Böhm mit den Worten: „Du sollst für das Fach weiterkämpfen!“, und ein Zepter für die neue Gymnasialzweigleiterin Cora Sauer. Dazu erklärte sie augenzwinkernd, die Leitung des Gymnasialzweiges sei „kein Problem, super easy“.
Ein Höhepunkt der Verabschiedung war der „Magia Nicolae“-Zaubertrank, in den die Rednerinnen und Redner aus dem Personalrat symbolisch passende Zutaten für van de Loos Persönlichkeit gossen: Herzlichkeit, Offenheit, Klarheit, Zuverlässigkeit, Begeisterungsfähigkeit, Mitgefühl, Eloquenz, Identifikation mit der Schule und Beharrlichkeit.
Zum Abschluss zeigte ein Bilderreigen ihre beruflichen Stationen, begleitet von „Forever Young“. Viele der Anwesenden waren langjährige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter. Auch Studiendirektorin Birgitt Inderfurth von der Main-Taunus-Schule und die ehemalige WGS-Direktorin Elke Wetterau-Bein würdigten ihre Arbeit. Kriftels Bürgermeister Christian Seitz überreichte im Namen der Gemeinde eine Anerkennung.
Zwischen Gläserklirren und Stimmenschwirren brachte Schulleiter Dr. Richter es auf den Punkt: „Nicola war die Seele der Schule — und sie wird uns allen fehlen“.


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