Leserbrief Sternsinger einst und heute

gus

Ganz herzlichen Dank meinerseits für den schönen Artikel samt Foto über den lobenswerten Einsatz der Sternsinger 2026 in Flörsheim und den Stadtteilen. Ich selbst war im Alter von 11 bis 17 Jahren (1956 bis 1962) mit den männlichen Gruppen der Katholischen Jugend an jeweils drei Abenden als Sternsinger unterwegs, an zwei Abenden in der Stadt und je einen Abend entweder auf der Keramag oder am Bad Weilbach.

An jeder Haustür wurde geklingelt und unsere Bitte wurde ausgesprochen : "Die Heiligen drei Könige bitten um eine milde Gabe für die Armen". Dieser Bitte wurde in der Mehrzahl entsprochen und nach einer Liedeinlage gab es auch oft etwas Süßes und unsererseits ein "Vergelt`s Gott". Es gab aber auch eine Menge unangenehmer Begegnungen in Form übler Worte und auch Rauswürfe. Und dies ausgerechnet auch in meinem Wohnviertel.

In einer Familie, die weder katholisch noch evangelisch war, wurden wir vom Familienoberhaupt belehrt: "Diese drei Männer aus dem Morgenland waren keine Könige, sondern Sterndeuter, Astrologen". Ein Kamerad aus meinem Trupp hatte sich als erster gefangen und dann unseren Bittspruch modifiziert : "Die Heiligen drei Astrologen bitten um eine milde Gabe für die Armen". Was folgte, war ein Wutausbruch des Familienoberhauptes und ein Rausschmiss aus der Wohnung.

Der Höhepunkt für pubertierende Sternsinger war der Besuch der Landfrauenschule im Bad Weilbach. Die Maiden standen auf der Treppe im Foyer, wir sangen alles was, wir an Sternsingerliedern draufhatten, danach gab´s jede Menge selbstgebackenes Weihnachtsgebäck von der Lehrerin und ihren Maiden.

Seit einigen Jahren kommen die Sternsinger nur in Haushalte, die den Sternsingerbesuch im Pfarrbüro angemeldet haben. So bleibt den jungen Aktiven einiges an Unerfreulichem erspart. Das Highlight in der Landfrauenschule im Bad Weilbach gibt es schon lange nicht mehr, in dem sanierten Gebäude der Schule befinden sich meines Wissens unter anderem Eigentumswohnungen.

Ein Foto aus diesen Sternsingerjahren möchte ich nicht beifügen, um mir und der Redaktion den Vorwurf des Rassismus und der kulturellen Aneignung zu ersparen.

Dr. Gerhard Schleidt

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