Der Beginn der Feierlichkeiten zum 35. Jubiläum des Naturschutzhauses Weilbacher Kiesgruben war am Sonntagvormittag zunächst geprägt von wolkenverhangenem Himmel, teils heftigen Regengüssen und sogar dem ein oder anderen Donnerhall. Doch glücklicherweise entspannte sich die Lage am Himmel über dem Feierort in den nächsten Stunden ein wenig, so dass auch wirklich der Grund der Festivitäten und die einzelnen Attraktionen im Mittelpunkt stehen konnten.
Zur Jubiläumsfeier in Flörsheim-Weilbach hatte man sich so einiges überlegt: Ein abwechslungsreiches Programm sollte die Besucherinnen und Besucher aller Altersklasse gut unterhalten. Einen Flohmarkt mit Büchern, Haushaltsgegenständen, Pflanzen und besonderen Fundstücken aus 35 Jahren Naturschutzhaus hatte man vorbereitet, und Mitmachangebote und Führungen, beispielsweise durch den Bauerngarten, luden zum Entdecken und Ausprobieren ein. Die regionale Outdoor-Ferienbetreuung ecokids bot Bastelaktionen zum Thema Streuobstwiese für Kinder an, der Imkerverein Hofheim hatte jede Menge Informationen über die wunderbare Welt der Bienen im Gepäck, und schließlich waren alle Gäste herzlich eingeladen, bei einer „fairen“ Kaffeetafel mit geretteten Backwaren gemeinsam den halbrunden Geburtstag des Naturschutzhauses zu feiern.
Umweltbildung und Beratung seit 1991
Grund zum Feiern gab es freilich genug, denn seit seiner Eröffnung im Jahre 1991 hat sich das Naturschutzhaus Weilbacher Kiesgruben längst zu einem leistungsfähigen Umweltzentrum mit überaus breit gefächertem Themenangebot gemausert. An die 450 Veranstaltungen pro Jahr locken mittlerweile über 15.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, die dort die Natur unmittelbar erleben und verstehen lernen können. Alle Gäste können im Naturschutzhaus, welches auch, zusammen mit dem umliegenden Gelände, Teil des Naherholungskonzeptes Regionalpark RheinMain ist, ihr Wissen über ökologische Themen aller Art vertiefen.
Das große Areal am Weilbacher Ortsrand war vor 1991 eine Kiesgrubenlandschaft, die teilweise auch als Mülldeponie diente. Es war seinerzeit enorm viel Fantasie gefragt, um sich vorstellen zu können, dass hier einmal ein Haus für Natur- und Umweltbildung sowie Beratung beheimatet sein soll. Die 1980 gegründete Gesellschaft zur Rekultivierung der Kiesgrubenlandschaft Weilbach mbH (GRKW) hatte sich zum Ziel gesetzt, die dortige Landschaft zu schützen und den Kiesabbau zu regulieren. Dies machte die Einrichtung des Naturschutzhauses dort überhaupt erst möglich - einst in den vorherigen Büros und Umkleiden der zuvor dort beheimateten Mülldeponie.
Dass in den geschützten Lebensräumen rund um das Naturschutzhaus eine erfolgreiche Ansiedlung von vielfältigen Pflanzenarten und Tierspezies stattgefunden hat, war nur möglich, weil man bewusst einen Teil der Kiesgruben erhalten hat und eben nicht wieder auffüllte. Bei möglichst geringen regulierenden Eingriffen durch die GRKW, überließ man die Gefilde dort weitgehend sich selbst.
Heute steht das Haus am Eingang zu einer rekultivierten Kiesgrubenlandschaft, die man fröhlich erkunden und erforschen kann und die ideale Voraussetzungen für eine praxisorientierte Umweltbildung bietet. Nicht zuletzt deshalb ist das Naturschutzhaus auch ein sehr beliebter außerschulischer Lernort für Schulklassen und Kindergartengruppen, ebenso wie ein attraktives Ausflugsziel für Familien, Besuchergruppen und Einzelbesucher. Dort werden Schulen und Kindertagesstätten beraten, Unterrichtsmaterialien werden angeboten, Kurse sowie Fachtagungen, Ausstellungen und große Aktionstage organisiert, wie etwa Jahr für Jahr der "Tag der Erde". Ziel ist stets die Vermittlung grundlegender Kenntnisse zu Natur und Artenvielfalt sowie zu einem nachhaltigen Umgang mit der Umwelt.
Seit 2021 leitet die Volkshochschule Main-Taunus-Kreis das Naturschutzhaus und hat seitdem das Angebot des beliebten außerschulischen Lernorts noch zusätzlich ausgeweitet. Das Haus selbst wurde in diesem Zuge an die Volkshochschule verpachtet und befindet sich nach wie vor im Eigentum der Regionalpark MainPortal gGmbH. Und seit 2025 ist das Naturschutzhaus auch als "BNE-Netzwerk Main-Taunus-Kreis" anerkannt. "BNE" steht hierbei für "Bildung für nachhaltige Entwicklung", und bis zum Jahr 2029 wird dieses Netzwerk vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat gefördert.
35 Jahre Geschichte
Zum Jubiläum konnten die Gäste im Naturschutzhaus eine Ausstellung über dessen 35-jährige Geschichte bewundern. Dort wurde der Weg vom Deponiegebäude zum Naturschutzhaus nachgezeichnet. Aus dem einst arg funktionalen Betriebsgebäude der Mülldeponie wurde 1990 via Umbau so langsam ein schmuckes und einladend wirkendes Haus mit viel Holz und gemütlich und natürlich wirkendem Dach, das heute auch nicht mehr direkt an einer Straße liegt und passend eingerahmt ist von vielen Bäumen und Hecken sowie einer romantischen Steinmauer.
Zahlreiche Zeitungsberichte zu Projekten, die im Naturschutzhaus durchgeführt wurden, waren ebenfalls ausgehängt, wie beispielsweise zum "Tatort Obstwiese", einem Schulprojekt in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband Main-Taunus e.V., das seit 1998 läuft. Viele junge Menschen haben auch seit 1995 ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Naturschutzhaus Weilbacher Kiesgruben absolviert.
In weiteren Teilen der Ausstellung ließ man die Bildungsangebote, Veranstaltungen und Öffentlichkeitstage der vergangenen 35 Jahre Revue passieren, vom Tag der Erde über den Regionalparksommer bis hin zum Apfel-Markt. Die Besucherinnen und Besucher konnten auch in alten Programmheften des Naturschutzhauses schmökern und so in vielen Fällen sicher auch eigene Erinnerungen an schöne Erlebnisse vor Ort wiedererwecken.


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