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Reinhold Mohr†

FLÖRSHEIM (noe) – Nur wenigen ist es vergönnt, ein bewegtes und ereignisreiches Leben zu führen, das seine Krönung in einem aktiven und unbekümmerten Ruhestand findet. Reinhold Mohr zählte zu diesen beneidenswerten Menschen.

 

Reinhold Mohr wurde am 6. September 1927 in Flörsheim geboren und blieb seiner Heimat trotz oder gerade wegen seiner teils erzwungenen, teils freiwilligen Auslandsaufenthalte stets verbunden. Seine besondere Zuneigung galt dem Main, der von ihm liebevoll einfach nur „der Fluss“ genannt wurde. Rudern, das war Reinhold Mohrs große Leidenschaft. 1941, gerade 14 Jahre alt geworden, wurde er Mitglied im Flörsheimer Ruderverein. Als Steuermann nahm er an Regatten teil, ruderte selbst in einem Vierer.
Der Krieg unterbrach die vielversprechende Sportlerkarriere und sorgte dafür, dass Reinhold Mohr zum ersten Mal die Heimat verlassen musste. Am 6. Januar 1945 folgte die Einberufung zum Militär. Zunächst in Brandenburg stationiert, kam Reinhold Mohr nach Jugoslawien und anschließend nach Österreich an die bereits nah herangerückte Ostfront. Der Hölle des Krieges entronnen und aus der nicht minder harten sowjetischen Kriegsgefangenschaft entlassen, kehrte er am 24. Dezember 1949 nach Hause zurück. Reinhold Mohr bezeichnete die Freiheit, die ihm dieser Heiligabend nach fünf langen entbehrungsreichen Jahren endlich brachte, einmal als das schönste Weihnachtsgeschenk seines Lebens.
Mit 22 Jahren fing Reinhold Mohr, wie so viele seiner Generation, bei Null an. Er krempelte die Ärmel hoch. 1950 begann er eine Lehre als Maschinenschlosser in Frankfurt und absolvierte danach die Ingenieurschule in Frankenthal. Ab 1959 arbeitete er als Maschinenbau-Ingenieur bei der Firma Brumme in Raunheim, bis er 1977 den Arbeitgeber wechselte. Nun war Reinhold Mohr zunehmend im Ausland tätig, er bereiste aus beruflichen Gründen verschiedenste Länder in Amerika und Asien. Er war hierbei oft monatelang unterwegs, niemals jedoch vergaß er seine Heimatstadt Flörsheim – und den Main, versteht sich.
Ab 1964 war Reinhold Mohr Vorstandsmitglied des Flörsheimer Rudervereins, übernahm als Nachfolger seines Vaters das Amt des Schriftführers im Regatta-Ausschuss und danach die Regatta-Leitung. Von 1970 bis 1995 war er Erster Vorsitzender und in den Folgejahren Ehrenvorsitzender des Vereins. Daneben war Reinhold Mohr Kassenprüfer beim Hessischen Ruderverband und von 1979 bis 1997 Zweiter Vorsitzender des Mittelrheinischen Regattaverbandes. Goldene Ehrennadeln des Flörsheimer Rudervereins sowie des Hessischen und des Deutschen Ruderverbandes erinnern an seine Aktivitäten. 
Reinhold Mohr war mit seinem Tatendrang und seinem unermüdlichen Engagement ein Vorbild für jeden ehrenamtlich tätigen Bürger. Wegen seines selbstlosen Einsatzes zum Wohle der Allgemeinheit erhielt er den Ehrenbrief des Landes Hessen, den Ehrenring der Stadt Flörsheim sowie Nadeln und Bürgermedaillen in Bronze und Silber. Damit nicht genug, war Reinhold Mohr von November 1968 bis März 1985 und von April 1987 bis März 1989 als Stadtverordneter im obersten Organ der Stadt Flörsheim tätig.
Bei alledem blieb Reinhold Mohr bis ins hohe Alter sportlich aktiv. Neben dem geliebten Rudern auf „dem Fluss“ wanderte er gerne, kein Berg und kein Gletscher waren vor ihm sicher.
Reinhold Mohr verstarb vergangenen Montag im Alter von 84 Jahren. Sein Tod hinterlässt in der Stadt an „seinem Fluss“ eine große Lücke.
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