Als die Flörsheimer Band „Don’t Stop“ am Samstagabend den Titel „Skandal im Sperrbezirk“ anstimmt, gibt es vor der Bühne kaum noch ein Halten. Beim bekannten „Rosi“-Refrain singen viele Besucher lautstark mit, zwischen den Weinständen und Fachwerkhäusern wird getanzt. Wer sich zu dieser Zeit beim Wickerer Weinfest durch die dicht gefüllten Straßen des historischen Ortskerns bewegen will, braucht Geduld. Vor den Ausschankständen bilden sich Reihen, aus den geöffneten Höfen dringt Stimmengewirr, und rund um die Bühne ist zeitweise nur schwer ein Durchkommen.
Spätestens an diesem Abend zeigt sich, welche Anziehungskraft das Wickerer Weinfest weit über den Flörsheimer Stadtteil hinaus besitzt. Auch diesmal kamen wieder Tausende Menschen zu dem dreitägigen Straßenfest. Die Mischung aus Wein, Livemusik und der Kulisse des alten Ortskerns lockte Besucher aus Flörsheim und den umliegenden Städten und Gemeinden nach Wicker.
Wie viele Gäste tatsächlich kamen, lässt sich nicht genau bestimmen. Das Festgelände ist frei zugänglich, Eintrittskarten werden nicht ausgegeben und feste Zugangskontrollen gibt es nicht. Eine offizielle Besucherzahl wurde deshalb auch in diesem Jahr nicht veröffentlicht. In mehreren früheren Jahren bewegten sich Erwartungen und Schätzungen zwischen 12.000 und 15.000 Gästen.
Insgesamt beteiligten sich 35 Stände an dem Fest. Hinzu kamen bewirtschaftete Höfe und weitere Verkaufsangebote. Gerade die engen Straßen, alten Häuser und versteckten Innenhöfe prägen den besonderen Charakter der Veranstaltung. Aus dem historischen Ortskern wurde für drei Tage eine Festmeile, die vor allem am Samstagabend bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Der Auftakt erfolgte am Freitag. Die Stände nahmen um 17 Uhr den Betrieb auf, eine Stunde später wurde das Weinfest offiziell eröffnet. Ab 20 Uhr spielte „The Bruce Band“. Bereits am ersten Abend füllten sich die Straßen rund um die Ausschankstände und die Bühne.
Den größten Zulauf verzeichnete das Fest am Samstag. Nach der Öffnung der Stände um 16 Uhr nahm die Zahl der Besucher kontinuierlich zu. Spätestens mit dem Auftritt von „Don’t Stop“ war der Bereich vor der Bühne vollständig gefüllt. Auch in den angrenzenden Straßen wurde es eng. Wer einen weiter hinten gelegenen Stand erreichen oder die Festmeile durchqueren wollte, kam stellenweise nur langsam voran.
Deutlich entspannter präsentierte sich der Sonntag. Der Festbetrieb begann um 12 Uhr. Am Nachmittag spielte zunächst von 14 bis 16 Uhr der Flörsheimer Musikverein. Danach setzte der Singer-Songwriter Steve McGowan den musikalischen Schlusspunkt des Wochenendes. Nach den beiden stark besuchten Abenden nutzten viele Gäste den letzten Festtag für einen ruhigeren Rundgang durch die Straßen und Höfe.
Auch das Wetter kam dem Fest entgegen. Zwar zog am Samstagvormittag ein kräftiger Schauer über Wicker hinweg. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Ausschank jedoch noch nicht begonnen. Während der eigentlichen Festzeiten blieb es weitgehend trocken, zeitweise zeigte sich die Sonne. Zugleich wurden die zuvor befürchteten Temperaturen von annähernd 40 Grad nicht erreicht. Damit herrschten über weite Teile des Wochenendes günstige Bedingungen für ein Straßenfest. Es war warm genug, um bis in den Abend im Freien zu feiern, ohne dass extreme Hitze den Aufenthalt in den dicht gefüllten Straßen zusätzlich erschwerte.
Für einen geordneten Ablauf waren während des Wochenendes Ordnungsamt, Sicherheitsdienst und Polizei auf der Festmeile präsent. Gewalttätige Auseinandersetzungen wurden dort nicht bekannt.
Zwei Straftaten ereigneten sich allerdings abseits des eigentlichen Festgeschehens. In der Nacht zum Sonntag machten sich Unbekannte an zwei nebeneinander abgestellten Verkaufswagen in der Verlängerung der Straße Am Steinweg zu schaffen. Bei einem Wagen scheiterte der Aufbruchsversuch. An einem zweiten öffneten die Täter gewaltsam eine außen angebrachte Box und stahlen Werkzeug. Anschließend entkamen sie unerkannt.
Die Vorfälle änderten nichts am insgesamt positiven Bild des Wochenendes. In Erinnerung bleiben vor allem volle Feststraßen, Livemusik, gut besuchte Stände und die besondere Atmosphäre im historischen Wickerer Ortskern.



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