Nachdem das Trendwahlergebnis am Wahlsonntagabend zunächst noch anderes vermuten ließ, waren am Montag um 15.11 Uhr dann alle Stimmzettel der Kommunalwahl in Hattersheim am Main ausgezählt. Das Ergebnis: Die Christdemokraten verteidigen mit 50,27 Prozent ihre vor fünf Jahren gewonnenen absolute Mehrheit. Damit verbesserte sich das Ergebnis der CDU im Vergleich zum Ergebnis der Trendwahl innerhalb von etwa 18 Stunden um stolze knapp 2,5 Prozent. Das Auszählen der Stimmzettel, auf denen kumuliert und/oder panaschiert wurde, brachte am Montag also nochmal ordentlich Bewegung ins Hattersheimer Kommunalwahlergebnis.
In der Stadtverordnetenversammlung behält die CDU damit weiterhin 19 von 37 Sitzen. Die Sozialdemokraten konnten ihr Ergebnis von 2021 leicht verbessern (von 19,23 auf 20,17 Prozent), damit sind sie im Parlament künftig mit acht statt sieben Personen vertreten. Dennoch liegen sie nach wie vor weit unter den 34,05 Prozent, die sie vor zehn Jahren noch holen konnten.
Die Hattersheimer Grünen mussten geringe Verluste hinnehmen, sie holten nur noch 15,02 Prozent (2021: 15,83). Dies hat tatsächlich handfeste Folgen: Sie sind nun nur noch mit fünf statt sechs Stadtverordneten vertreten.
Die Freien Wähler sind diesmal nicht mehr angetreten, die FDP bleibt mit ihren 6,26 Prozent bei ihren bisherigen zwei Sitzen.
Die Linke trat in diesem Jahr erstmals zur Stadtverordnetenwahl an und holte aus dem Stand 5,64 Prozent. Auch sie wird in den kommenden fünf Jahren mit zwei Stadtverordneten im Parlament sitzen.
Bleibt noch die Gerechtigkeitspartei, die ebenfalls erstmals kandidierte. Sie holte 2,09 Prozent und damit einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung. "Die PARTEI" hingegen ist in der neuen Legislaturperiode nicht mehr dabei.
Die Wahlbeteiligung lag in Hattersheim diesmal bei 51,26 Prozent, vor fünf Jahren fiel sie mit 50,82 Prozent noch etwas geringer aus. Kein Vergleich jedoch zur Bundestagswahl vor einem guten Jahr (82,94 Prozent) oder zur Landtagswahl 2023 (63,22 Prozent).
Folgen des Kumulierens und Panaschierens
Nicht alle Wählerinnen und Wähler setzen bei einer Kommunalwahl ein Listenkreuz, und das Kumulieren und Panaschieren blieb auch diesmal nicht folgenlos. Bei der CDU holten Bürgermeister Klaus Schindling, Fraktionsvorsitzender Michael Minnert und Stadtverordnetenvorsteher Georg Reuter die meisten Stimmen. Reuter überholte damit knapp Myriam Jung auf Listenplatz 3.
Gabriele Feist zieht als 15. Kandidatin der CDU in die Stadtverordnetenversammlung ein, obwohl sie auf Listenplatz 6 geführt wurde.
Stephan Jürgen (Listenplatz 16) und Torben-Roland Buß (Listenplatz 19) schafften es jeweils nicht unter die Top 19 der CDU-Kandidaten, statt dessen stiegen Nadine Tisold (Listenplatz 24) und Ralf Meik (Listenplatz 22) in diese Riege auf.
Die SPD schickt nach dem Wählerwillen ihre ersten acht Listenplätze auch in die Stadtverordnetenversammlung. Bei den Sozialdemokraten schnitt Dr. Marek Meyer am erfolgreichsten ab.
Auch bei den Grünen entsprechen die fünf am meisten gewählten Kandidaten auch den Listenplätzen 1 bis 5.
Bei der FDP sind die beiden Spitzenkandidaten Norbert Reichert und Oliver Wiendl die gewählten Kandidaten, ebenso bei der Linken mit Hans-Jürgen Rojahn und Beate Ullrich-Graf. Für die Gerechtigkeitspartei wird Ayse Akkus in der Hattersheimer Stadtverordnetenversammlung sitzen.
Wie Hattersheim für den Kreistag gestimmt hat
Die Hattersheimer Wählerinnen und Wähler haben am Sonntag auch auf Kreisebene der CDU ein gutes Ergebnis beschert - mit 41,01 Prozent jedoch deutlich weniger klar als vor der eigenen Haustür. Dafür holte die AfD hier 11,92 Prozent, während SPD (18,35 Prozent) und Grüne (14,69 Prozent) jeweils etwas weniger als bei der Stadtverordnetenwahl holten. Die Linke kam für den Kreistag in Hattersheim auf 4,92 Prozent, die FDP lediglich auf 3,63 Prozent.
Stimmen der Parteien
Michael Minnert (CDU): "Ergebnis erfüllt uns mit großer Freude"
"Die Menschen in Hattersheim, Eddersheim und Okriftel haben entschieden - und sie haben uns erneut ihr Vertrauen geschenkt. Wir haben so bei der Kommunalwahl 2026 zum zweiten Mal in Folge die absolute Mehrheit erreicht. Dieses Ergebnis erfüllt uns mit großer Freude, zeigt es doch, dass unsere Politik der vergangenen fünf Jahre Anerkennung gefunden hat, aber vor allem mit tiefer Dankbarkeit und aller gebotenen Demut.
Denn dieses Vertrauen ist für uns keine Selbstverständlichkeit. Es ist uns Auftrag, Ansporn und Verpflichtung zugleich. Ein Auftrag, auch weiterhin verantwortungsvoll, umsichtig, nah an den Menschen, mit klarem Kompass und Blick für das Sinnvolle und Machbare für alle Stadtteile gute Kommunalpolitk zu gestalten.
Unser besonderer Dank gilt den Bürgerinnen und Bürgern, die uns ihre Stimme gegeben haben. Auch allen, die sich mit und für uns engagiert haben - in Gesprächen, auf Veranstaltungen, im Ehrenamt oder einfach durch ihre Unterstützung im Alltag.
Ebenso unseren 37 Guten Gründen und ihren Familien: Frauen und Männer aus allen Stadtteilen. Sie stehen für Vielfalt, Kompetenz und echte Verbundenheit mit unserer Stadt. Jede und jeder Einzelne hat mit großem Einsatz, Herzblut und Überzeugung entscheidend dazu beigetragen, dieses Ergebnis möglich zu machen. Sie sind das Fundament dieses Erfolgs.
Wir wissen: diese absolute Mehrheit bedeutet nicht, alles besser zu wissen - sondern noch genauer hinzuhören. Noch verantwortungsbewusster zu handeln. Noch mehr Brücken zu bauen.
Wir haben gelernt: auch wenn von verschiedensten Seiten versucht wird, zum Teil auf sehr persönliche Art und Weise Kandidaten öffentlich schlecht zu machen, gelingt es mit Offenheit, Ehrlichkeit, Engagement und guter Politik für Mehrheiten, dem entgegen zu treten und Wählerinnen und Wähler zu gewinnen.
Mit Zuversicht und Respekt blicken wir deshalb auf die kommenden fünf Jahre. Unser Ziel bleibt klar: Gute, verlässliche und zukunftsorientierte Kommunalpolitik für Hattersheim, Eddersheim und Okriftel.
Wir werden weiterhin eine Stadt gestalten, in der sich Menschen wohlfühlen, unsere Familien gerne leben, vernünftigem Umweltschutz Rechnung getragen wird, in der Wirtschaft wachsen kann und in der Zusammenhalt gelebt wird."
Dr. Marek Meyer (SPD): "Als einzige Partei hinzugewonnen"
"Wir haben bei dieser Wahl leicht zugelegt und einen Sitz hinzugewonnen – das ist ein wichtiges Signal, gerade weil mit der Linken eine weitere Partei angetreten ist und das Feld breiter geworden ist. Besonders bemerkenswert ist, dass die SPD als einzige bisher im Parlament vertretene Partei hinzugewonnen hat. Im Vergleich zum Bundestrend und den SPD-Ergebnissen in den meisten anderen Gemeinden im Main-Taunus-Kreis können wir mit dem Ergebnis zufrieden sein.
Gleichzeitig ist es uns leider nicht gelungen, den angestrebten Politikwechsel zu erreichen, da die CDU ihre absolute Mehrheit knapp verteidigen konnte. Das bisherige Koalitionslager aus CDU, Freien Wählern und FDP hat in Summe aber deutliche Verluste erlitten. Die Stimmen der Freien Wählern sind fast vollständig zur Opposition gewandert.
Für uns ist klar: Wir werden weiterhin eine konstruktive und verlässliche Oppositionsarbeit leisten und alles daransetzen, auch aus dieser Rolle heraus konkrete Verbesserungen für unsere Stadt zu erreichen."
Nathalie Ferko (Grüne): "Solide Basis für unsere weitere Arbeit"
"Das Ergebnis zeigt, dass wir uns trotz eines schwierigen bundespolitischen Umfelds stabil behaupten konnten. Gerade auf kommunaler Ebene zahlt sich kontinuierliche und verlässliche Arbeit vor Ort aus."
Mit dem Abschneiden ihrer Partei zeigt sich Ferko grundsätzlich zufrieden, da man über dem Bundestrend liege. "Natürlich hätten wir uns ein noch besseres Ergebnis gewünscht, aber angesichts der Ausgangslage ist das Resultat eine solide Basis für unsere weitere Arbeit.
Dass wir trotz des schwierigen Bundestrends nur geringe Verluste verzeichnen, zeigt, dass unsere Oppositionsarbeit in den letzten Jahren wahrgenommen und geschätzt wird. Daran wollen wir anknüpfen und weiterhin verlässliche, konstruktive Politik für die Menschen vor Ort machen."
Norbert Reichert (FDP): "Bereit, konstruktiv an Lösungen mitzuwirken"
"Das Wahlergebnis zeigt, dass viele Bürgerinnen und Bürger sich klare Antworten auf die aktuellen Herausforderungen vor Ort wünschen. Für uns ist das Ergebnis ein Auftrag, weiterhin konsequent für solide Finanzen, eine leistungsfähige Infrastruktur und eine verlässliche Stadtentwicklung einzutreten.
Mit unserem Abschneiden sind wir nicht in allen Punkten zufrieden. Wir hätten uns insbesondere für unsere inhaltlichen Schwerpunkte noch mehr Zustimmung gewünscht. Gleichzeitig sehen wir, dass Themen wie Haushaltsdisziplin, maßvolle Entwicklung der Stadt und der Abbau unnötiger Bürokratie weiterhin breite Unterstützung finden.
Zwischenzeitlich deutete sich ein offeneres Ergebnis an. Unabhängig davon gilt: Breite Mehrheiten und Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg sind für eine Stadt wie Hattersheim in der Regel die tragfähigste Grundlage für gute Entscheidungen.
Für mögliche Gespräche ist für uns entscheidend, dass die richtigen Prioritäten gesetzt werden: ein verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeld, keine zusätzliche Belastung der Bürger durch immer neue Abgaben, eine Stadtentwicklung mit Augenmaß sowie eine Verwaltung, die sich auf ihre Kernaufgaben konzentriert. Ebenso wichtig ist, dass bestehende Regeln verlässlich umgesetzt werden, statt immer neue Vorschriften zu schaffen.
Wir sind bereit, konstruktiv an Lösungen mitzuwirken – auf einer klaren inhaltlichen Grundlage und mit dem Anspruch, die Zukunft unserer Stadt vernünftig und nachhaltig zu gestalten."
Hans-Jürgen Rojahn (Die Linke): „Wir sind begeistert“
"Natürlich haben wir ganz fest gehofft, in die neue Stadtverordnetenversammlung einziehen zu können, zumindest mit einem Vertreter von uns Linken. Nun sind wir wohl – wenn man den bisherigen Auszählungen der Stimmzettel glauben kann – zu zweit: Beate Ulrich-Graf und ich, Hans-Jürgen Rojahn. Mit fast sechs Prozent der abgegebenen Stimmen sind unsere Erwartungen weit übertroffen.
Aus dem Stand heraus ein solches Ergebnis zu erzielen, haben wir sicher unserem engagierten Wahlkampf mit diversen Veranstaltungen und etlichen Haustürgesprächen zu verdanken und natürlich unseren Wählerinnen und Wählern. Gerne erinnere ich mich an unseren Stand gut eine Woche vor der Wahl in Eddersheim am Bahnhof, wo alle drei bis vier Minuten die Schranke herunter ging und sich lange Autostaus bildeten. Unsere Kandidaten hatten so gute Gelegenheit, die wartenden Autofahrerinnen und Autofahrer mit Wahlmaterial zu 'füttern', was auch von den meisten gerne angenommen wurde.
Für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen, das hat offenbar etliche Hattersheimerinnen und Hattersheimer bewogen, uns Linke zu wählen. Von zahlreichen Mitbürger*innen war zu hören, dass sie schon lange darauf gewartet haben, dass Die Linke in Hattersheim zur Wahl antritt und dass viele Menschen in Hattersheim offenbar klare linke Positionen bisher im Stadtparlament vermisst haben.
Ganz besonderer Dank aber gebührt unserem Wahlleiter Thomas Völker, der seit Monaten unermüdlich für uns gearbeitet, uns mit seiner Erfahrung und seinem Beistand unterstützt und immer wieder Mut gemacht hat. Er und unsere Ortsverbands-Vorsitzende Petra Ott haben ganz großen Anteil an unserem großen Erfolg.
Zwar wird es nun nichts mit einer – heimlich erhofften – rot-grün-roten Regierung, aber zusammen mit der SPD und den Grünen werden wir – Beate Ulrich-Graf und ich – im Stadtparlament nun eine tatkräftige Opposition stellen – und das ist doch auch was."
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