Die Hattersheimer SPD-Fraktion hat sich zur aktuellen Sitzungsrunde, der letzten vor den Kommunalwahlen am 15. März, Gedanken über die Zukunft der Elektrolademöglichkeiten im Stadtgebiet gemacht und hierzu im Ausschuss für Umwelt, Bauen und Verkehr (UBV) einen entsprechenden Antrag vorgelegt.
Die Verbreitung von Elektrofahrzeugen nimmt kontinuierlich zu, und damit wächst auch zwangsläufig der Bedarf an einer flächendeckenden und praktikablen Ladeinfrastruktur. Für zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sei eine wohnortnahe Lademöglichkeit die Voraussetzung für den Umstieg auf ein Elektroauto, so die SPD - und genau hier sehen die Sozialdemokraten Nachholbedarf, um die Entwicklung weg von den Verbrennerautos nicht auszubremsen und den Wechsel hin zur E-Mobilität möglichst einladend wirken zu lassen: "Für viele Einwohnerinnen und Einwohner – insbesondere in Mehrfamilienhäusern oder bei fehlenden privaten Stellplätzen – ist der Zugang zu einer öffentlichen oder wohnortnahen Lademöglichkeit entscheidend für die Entscheidung zugunsten eines Elektrofahrzeugs", heißt es daher in der Antragsbegründung der SPD. Und weiter: "Ein stadtweites Konzept ermöglicht es, den Ausbau der Ladeinfrastruktur vorausschauend, bedarfsgerecht und kosteneffizient zu steuern, kommunale Flächen sinnvoll zu nutzen und private Investitionen gezielt zu ergänzen."
Deshalb würde man gerne den Magistrat damit beauftragen, ein "stadtweites und zukunftsfähiges Konzept für Elektrolademöglichkeiten im Stadtgebiet Hattersheim am Main zu erarbeiten und der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung und Beschlussfassung vorzulegen."
Koalition sieht keine Notwendigkeit
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Minnert stellte fest, dass man in den Reihen seiner Partei keine Notwendigkeit für ein solches Konzept in dieser Form sieht - sprich: Über das hinaus, was bereits das Klimaschutzkonzept für Hattersheim beinhaltet.
Zudem sei der Markt "hoch volatil", und man verfolge lieber weiterhin den Plan, über die Wirtschaftsförderung den Unternehmen den Ausbau der E-Lademöglichkeiten in Hattersheim schmackhaft zu machen, so dass für die Stadt dabei möglichst keine Kosten entstehen.
Bürgermeister Klaus Schindling betonte, dass man natürlich den Wunsch habe - wie wohl alle Fraktionen im Stadtparlament - den Bürgerinnen und Bürgern, die auf E-Mobilität umsteigen wollen, auch die nötigen Lademöglichkeiten zu bieten. Gleichzeitig wolle man aber auch nicht "am Bedarf vorbei operieren", so der Rathauschef. So will man beispielsweise in der Hattersheimer Siedlung einen Testballon in Sachen Ladebordsteine steigen lassen. Dort gebe es bislang noch kaum eine messbare Nachfrage für E-Mobilität, aber man will seitens der Verwaltung mal den Anfang machen und zur Nutzung einladen.
Natürlich sehe man auch, wo es im Stadtgebiet "weiße Flecken" in Sachen Ladeinfrastruktur gebe. Aber man will hierzu keine eigene Konzeption aufsetzen, sondern dies lieber gemeinsam mit den Unternehmen angehen.
Grüne kritisieren mangelnde Transparenz
Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Nathalie Ferko, zeigte sich etwas verdutzt über den Verweis auf das Klimaschutzkonzept: "Wir wissen nicht, wie der aktuelle Stand ist", man sei hierüber nicht informiert worden und könne sich nur anhand von Presseberichten ein gewisses Bild machen, der eigentlich vorgesehene jährliche Bericht zum Klimaschutzkonzept für das Jahr 2025 liege den Fraktionen bislang noch nicht vor.
In die Tagesordnung für die Stadtverordnetenversammlung am heutigen Donnerstag wurde der Bericht des Magistrats betreffend Klimaschutzbericht 2025 inzwischen aufgenommen. Demnach sind im vergangenen Jahr "im Rahmen des haushaltsneutralen Ausbaus der Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität" an der Stadthalle im Karl-Eckel-Weg zwei weitere Ladepunkte errichtet worden. Für 2026 nimmt man sich vor, die Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, auch in strukturschwachen Quartieren weiter auszubauen, ohne dabei im Bericht mehr ins Detail zu gehen. Zudem will man Möglichkeiten für die Wallbox-Nutzung gegen Entgelt für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung überprüfen. Dies diene der "Erlangung eines Wettbewerbsvorteils in der Mitarbeiterakquise und –motivation sowie der weiteren Verbreitung der E-Mobilität."
Für den SPD-Antrag votierten im Ausschuss nur die SPD selbst sowie die Grünen. Mit den Stimmen von CDU, FDP und FW wurde der Antrag mehrheitlich abgelehnt.
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