E-Scooter: Stadt ist von Feedback aus der Bevölkerung abhängig

Bürgermeister Schindling bittet um Meldung von Lime-Rollern abseits der vorgesehenen Parkzonen

mpk

Am Montag, 5. Oktober, startete die Stadt Hattersheim am Main in Kooperation mit dem internationalen Anbieter für E-Mikromobilität Lime ein neues E-Scooter-Angebot. Im Rahmen dieses zunächst auf ein Jahr angelegten Pilotprojekts sind insgesamt 100 E-Scooter des Mobilitätsanbieters in den drei Stadtteilen bereitgestellt, für die es 135 feste Abstellstandorte gibt.

Dabei ist eigentlich kein beliebiges Abstellen im öffentlichen Raum vorgesehen: Die Fahrzeuge müssen nach der Nutzung an ausgewiesenen digitalen Parkzonen abgestellt werden, eine Fahrt kann nur an einem dieser Standorte regulär beendet werden - und bis zu einer solchen Beendigung fallen laufend weitere Kosten für den Nutzer an. Dieses Parkkonzept soll eigentlich dazu beitragen, die Fahrzeuge gebündelt und geordnet im öffentlichen Raum abzustellen und insbesondere Gehwege sowie Zugänge freizuhalten.

Jedoch zeigen die letzten Wochen, dass die E-Scooter auch regelmäßig an anderen Orten aufgefunden werden, wo sie ausdrücklich nicht hingehören. Selbst im Main sind schon solche Roller gelandet, wie man Fotos in den sozialen Netzwerken entnehmen konnte.

Bürgermeister Klaus Schindling äußerte sich in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bauen und Verkehr noch einmal ausführlich zu diesem Thema und wie die Verwaltung dazu steht. Demnach sei es äußerst schwierig für eine Kommune, einer solchen Anfrage eines Unternehmens wie Lime direkt und vollumfänglich eine Absage zu erteilen; eine solche müsse immer auf empirischen Werten oder klaren Verstößen basieren, so Schindling.

Deshalb hat man mit Lime einen Vertrag für ein Pilotprojekt über ein Jahr abgeschlossen, um hier eine Probe aufs Exempel zu machen. In diesem Zusammenhang hat man dem US-amerikanischen Fahrrad- und Rollervermieter mitgeteilt, dass man in Hattersheim "keine Anarchie der Roller" wünsche, sprich: Sie sollen nicht überall herumliegen. Doch genau dies ist jetzt wieder zu beobachten.

Deshalb appellierte der Bürgermeister an die anwesenden Mandatsträgerinnen und -träger, hier als Multiplikatoren zu fungieren und die Bevölkerung aufzufordern, fehlgeleitete Roller der Stadt zu melden. Zum einen müsse die Stadt vor dem Hintergrund der "Probezeit" Kenntnis erlangen über solche Verstöße, zum anderen muss auch Lime darüber informiert werden, denn es sei allein deren Aufgabe, die falsch abgestellten E-Scooter wieder wegzuräumen - außer natürlich es ist Gefahr in Verzug, dann muss die Stadt selbst dringend handeln.

Nur so könne die Stadt Hattersheim wichtige Schlüsse ziehen und erkennen, ob sich das Pilotprojekt als Gewinn für die Stadt entpuppt - oder eben nicht. Vom Grundgedanken her seien die E-Scooter eigentlich potenziell eine ökologisch sinnvolle Ergänzung zum bereits bestehenden öffentlichen Nahverkehr, erkennt Schindling an, und für Pendlerinnen und Pendler seien sie eine zusätzliche Mobilitätsoption für die erste und letzte Meile– etwa für Wege zwischen Wohnort, Bahnhof und Arbeitsplatz. Nur müsse es eben wie vorgesehen klappen und dürfe nicht mehr Ärger als Nutzen bringen, und das gelte es nun gemeinsam zu überprüfen, so der Bürgermeister abschließend.

Der Ausschussvorsitzende Selim Balcioglu (SPD) ergänzte noch, dass es für Nutzer der E-Scooter eigentlich gar nicht möglich sei, die kostenpflichtige Nutzung des Rollers via App an einem unerwünschten Ort zu beenden. Vielmehr sei es wahrscheinlich, dass sich Jugendliche mit gerade inaktiven Rollern immer wieder den ein oder anderen "Quatsch" einfallen lassen und die Scooter deshalb regelmäßig sonstwo in Gebüschen, auf Wiesen oder im Flussbett zu finden sind. "Und dem kann man gar nicht Herr werden", fügte Balcioglu wertend hinzu.

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