Kommunale Wärmeplanung: Verfahren vor dem Abschluss

Stadtverordnetenversammlung soll Kommunalen Wärmeplan für die Stadt Hattersheim sowie Maßnahmenkatalog beschließen

mpk

Zur in der nächsten Woche beginnenden neuen parlamentarischen Sitzungsrunde in Hattersheim hat der Magistrat eine Vorlage eingereicht, derzufolge die Stadtverordnetenversammlung den Kommunalen Wärmeplan (KWP) für die Stadt endgültig beschließen soll.

Begonnen hatte der Prozess vor etwa 15 Monaten mit dem Magistratsbeschluss zur Erstellung eines eben solchen KWPs. Die Zielsetzung: Bis 2045 soll im gesamten Stadtgebiet eine "sichere, bezahlbare und vollständig auf erneuerbaren Energien sowie unvermeidbarer Abwärme basierende Wärmeversorgung" erreicht werden, so der Magistrat in seiner schriftlichen Begründung.

Der nun zu beschließende finale KWP soll als Grundlage für die Umstrukturierung der Wärmeversorgung in Hattersheim mit dem Ziel der Treibhausgasneutralität bis spätestens 2045 dienen, die insbesondere durch die Reduzierung des Wärmebedarfs, die Umstellung der Wärmeversorgung auf erneuerbare Energieträger, die Nutzung unvermeidbarer Abwärme und die Weiterentwicklung der bestehenden Wärmeversorgungsinfrastruktur erreicht werden soll. Auf dem Weg zur abschließenden KWP hat man die bestehende Wärmeversorgung sowie die verfügbaren Potenziale untersucht und auf deren Grundlage ein Zielszenario für 2045 ausgearbeitet, ebenso eine räumliche Einteilung in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete sowie eine entsprechende Umsetzungsstrategie.

Im Rahmen der Untersuchungen stellte man fest, dass für das Jahr 2024 ein jährlicher Endenergiebedarf für Wärmeanwendungen in Höhe von etwa 216 Gigawattstunden (GWh) angefallen ist, der zu rund 63 Prozent durch Erdgas und zu circa 17 Prozent durch Heizöl abgedeckt wurde, während der Anteil von erneuerbaren Energien und unvermeidbarer Abwärme nur bei 17 Prozent lag.

Angesichts der Tatsache, dass in Hattersheim etwa zwei Drittel des Gebäudebestands vor 1978 errichtet wurden, sieht man in diesem Bereich auch deutliche Potenziale zu einer wirkungsvollen energetischen Modernisierung.

Entwicklungsperspektiven für die drei Stadtteile

Die drei Stadtteile Hattersheim, Okriftel und Eddersheim unterscheiden sich in Hinblick auf die Entwicklungsperspektiven zuweilen deutlich voneinander. So nimmt in Hattersheim angesichts der dort angesiedelten Rechenzentren gerade die Nutzung der Rechenzentrumsabwärme eine besonders wichtige Rolle bezüglich des weiteren Ausbaus von Wärmenetzen ein. Als "realisierbare Potenziale" sieht man im KWP das bestehende Versorgungsgebiet in Hattersheim Südwest sowie die Bereiche Heddingheimer Straße und Goethestraße. "In weiteren Ausbauschritten können zusätzliche gewerbliche und öffentliche Liegenschaften sowie perspektivisch Teile des Ortskerns erschlossen werden. Die bestehenden Netze im Süden und Osten Hattersheims können weiterentwickelt und nach Möglichkeit mit Rechenzentrumsabwärme versorgt werden", heißt es in der Vorlage des Magistrats weiter.

Im Gegensatz zu Hattersheim wird in Okriftel und Eddersheim jeweils eine dezentrale Wärmeversorgung die größte Rolle spielen, sprich: Dort versorgt man sich auf eigene Faust mit den dort vorgesehenen Technologien, in den meisten Fällen wird es wohl am ehesten auf eine Wärmepumpe hinauslaufen.

Im Bereich der Phrix besteht in Okriftel ein Wärmenetz, das dortige Umfeld sowie der historische Ortskern wurden im KWP als Prüfgebiete ausgewiesen, in denen vor allem eine eventuelle Erweiterung und Dekarbonisierung des Bestandsnetzes weiter untersucht werden soll.

Auch der historische Ortskern von Eddersheim und das angedachte Neubaugebiet am Posten-19-Weg sind laut KWP Prüfgebiete. Dort seien weiterführende technische und wirtschaftliche Untersuchungen erforderlich, um zu ermitteln, ob und unter welchen Voraussetzungen eine leitungsgebundene Wärmeversorgung realisierbar ist.

Im Zielszenario für das Jahr 2045 geht man davon aus, dass bis dahin energetische Sanierungen im Stadtgebiet den dortigen Nutzwärmebedarf um 19 Prozent gesenkt haben werden. "In Verbindung mit der Umstellung auf Wärmepumpen und der Weiterentwicklung der Wärmenetze ergibt sich unter den zugrunde gelegten Rahmenbedingungen eine modellierte Reduzierung der wärmebedingten Treibhausgasemissionen um rund 96 Prozent gegenüber 2024. Voraussetzung hierfür sind entsprechende Investitionen und die sukzessive Umsetzung der Wärmewendestrategie", heißt es in der Antragsbegründung des Magistrats hierzu weiter.

Beteilung der Akteure und der Öffentlichkeit

Begleitet wurde die Erstellung des KWPs in den vergangenen Monaten von entsprechenden Fachworkshops, diversen Abstimmungsgesprächen mit Energieversorgungsunternehmen, Netzbetreibern, Rechenzentrumsbetreibern und weiteren Akteuren. Auch die politischen Gremien sowie die Öffentlichkeit wurden laufend über den aktuellen Stand informiert, zuletzt durch die Bürgerinformationsveranstaltung in der Stadthalle am 3. September, die mitten in der Phase der Öffentlichkeitsbeteiliging (21. August bis 21. September) durchgeführt wurde.

Es wurde nun eine Umsetzungsstrategie mit 13 Maßnahmen ausgearbeitet, welche die Handlungsfelder "Erneuerbare Energien und unvermeidbare Abwärme", "Netztransformation" sowie "Dekarbonisierung im Gebäudebestand" betreffen. Zentrale Maßnahmen sind demnach:

  • Das Voranbringen und die Unterstützung der Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren.
  • Eine Untersuchung der thermischen Nutzung des Mains.
  • Der Ausbau von Photovoltaikanlagen auf städtischen Liegenschaften zur Unterstützung der elektrifizierten Wärmebereitstellung.
  • Die Einrichtung einer "Steuerungsgruppe Energier- und Wärmewende".
  • Die Durchführung von Machbarkeitsuntersuchungen in den Prüfgebieten.
  • Netzentwicklung und Engpassvermeidung in Hinblick auf eine zukunftsfähige Stromnetzplanung.
  • Eine gemeinsame Prüfung des Gasnetzes in Hinblick auf Entwicklung, Transformation und Stillegung.
  • Die Schaffung von stärkeren Informationsangeboten und Energieberatungen für Privathaushalte.
  • Im Sinne der "Wärmewende vor Ort" Praxisbeispiele der Wärmewende entwickeln und auf weitere Stadtteile übertragen.
  • Die Organisation einer Erstenergieberatung für Unternehmen aus Gewerbe, Handel und Dienstleistungen.
  • Die Erstellung von Sanierungs- und Dekarbonisierungsfahrplänen für städtische Liegenschaften.
  • Die Fortführung und Systematisierung der Sanierungs- und Dekarbonisierungsstrategie der HaWoBau.
  • Die Prüfung eines integrierten Quartierskonzepts in der Nachkriegssiedlung.

Die Stadt Hattersheim am Mai soll dabei insbesondere koordinierende und unterstützende Aufgaben übernehmen. Gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren soll die weitere Konkretisierung sowie die Umsetzung des Maßnahmenplans erfolgen, "unter Berücksichtigung der technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen". Mindestens alle fünf Jahre ist der KWP zu überprüfen und gegebenenfalls fortzuschreiben.

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