Mundart zelebrieren, statt nur sprechen „Sachsenhäuser“ hatten anlässlich ihres Herbstfestes Rainer Weisbecker zu Gast

Der Mundartkünstler Rainer Weisbecker ist ein gern gesehener und gehörter Gast beim Herbstfest der Hattersheimer "Sachsehäuser".
Der Mundartkünstler Rainer Weisbecker ist ein gern gesehener und gehörter Gast beim Herbstfest der Hattersheimer "Sachsehäuser".

„Sachsenhäuser“ hatten anlässlich ihres Herbstfestes Rainer Weisbecker zu Gast

Gerhard Neudert hatte sich schon vor Wochen darauf gefreut: „In diesem Jahr haben wir bei unserem Sachsenhäuser Herbstfest wieder den Rainer Weisbecker zu Gast!“ Das die „Sachsenhäuser“ für ihr Herbstfest immer einen ganz besonderen Programmpunkt einplanen und dass dann auch gerne Mundart auf der kleinen Bühne im Südringtreff zu hören ist, ist sicher mittlerweile in ganz Hattersheim bekannt. Wenn aber ein „Niederräder Bub“ wie Rainer Weisbecker die Hattersheimer Sachsenhäuser besucht, dann wird Mundart nicht nur einfach gesprochen, sondern liebevoll „zelebriert“.

Der 1953 in Niederrad geborene Weisbecker, der von sich selbst mit einem Augenzwinkern sagt und singt, „ich hab den Blues in meinem Herzen und den Rock’n‘Roll in meiner Faust“, ist ein sympathischer und vielseitig begabter Künstler, der sein Publikum in Hattersheim und anderswo nicht nur mit wunderbarer Musik, sondern auch mit sehr unterhaltsamen Gedichten und Geschichten – alle mit Frankfurter Zungenschlag vorgetragen oder geschrieben – immer wieder bestens unterhält. So war auch diesmal dem Publikum im Südring anzusehen, wie sehr Weisbeckers Erinnerungen und pfiffige Texte alle amüsierten, irgendwie schienen einige sich und ihre Jugend (oder zumindest Jugendträume) darin wieder zu finden. So manch eine/einer hätte oder hat vielleicht sogar in ihrer/seiner Jugend gerne in einer Band musiziert oder Kanada bereist, wie Weisbecker, der später in den 70er Jahren sogar mit legendären Bands wie der Headline Bluesband und der Frankfurt City Bluesband gespielt hat, es aus seinem Leben erzählt. „Abber irgendwann war mir des langweilisch, immer in Englisch zu singe, da hab ich zuerst halt die Texte in frankfordderisch ibbersetzt“, erinnert sich Weisbecker an die Entstehungszeit seines Liedes „Vom goldenen Ring“. „Des is halt ibberall so, wenn de Schatzebobbes nach Geschmeide verlangt, dann geht merr standepede los und kaaft des“ werden die Zuhörer kurz belehrt. Wie die Sache allerdings ausgehen kann, wenn man sich Geld dazu mit einer Pistole ersetzt, erfahren sie aus dem Liedtext „die Bulle habbe mich gefasst unn jetzt sitz ich hier bei Wasser unn Brot im Knast!“ Selbstverständlich kam bei Weisbeckers Liedern nicht nur die Gitarre zum Einsatz, sondern auch – vielleicht als Reminiszenz an seine musikalischen Anfänge als Kind im Niederräder Akkordeon-Orchester – eine hübsche kleine rote Konzertina „mit Seele“, wie der Künstler betonte.

Viele der Erinnerungen, die Weisbecker beschreibt, könnten vielleicht bald verloren sein. Wer kennt schon noch die „Laufmaschenaufnehmerinnen“ der 50er Jahre, die damals die teuren Nylonstrümpfe reparierten. „Es Wiegands Gerti hat des immer gemacht, abends, wenn sich die ganz Straas bei ihr zum Fernsehgucke getroffe hat“, erinnert sich Weisbecker, zumal diese Eindrücke zu seinem ersten Berufswunsch geführt hatten: „Damals wollte ich Laufmaschenaufnehmer-Meister werden – ein Beruf, bei dem merr immer Fernseh gucke konnt!“ Das zu den damaligen großen Fernseh-Erlebnissen in jedem Jahr „Meenz bleibt Meenz“ zählte, steht für den Künstler fest. Zu seinen ersten Idolen zählte der unvergessene, blinde Toni Hämmerle („der Mainzer Ray Charles“), der Musiker und Komponist, der nicht nur Lieder für Ernst Neger und die Mainzer Hofsänger schrieb, sondern auch selbst bei „Mainz bleibt Mainz“ auftrat. In Erinnerung an ihn trug Weisbecker zum Abschluss das Lied vor, welches Hämmerle für Heinz Schenk geschrieben hatte: „Hätt der Adam aus dem Apfel Äppelwoi gemach" – dann wären wir heute alle noch „Engelscher im Paradies“. Nach begeistertem Beifall durfte das „Sachsehäuser“ Publikum dann noch beim „Alte Grießbrei“ mitsingen und mitschunkeln – das haben noch einmal alle sehr genossen. Weisbecker lobte lachend: „Super – und keiner hat Reisbrei gesungen!“

Selbstverständlich gab es beim Sachsehäuser Herbstfest eine reichhaltige Kuchentheke für die Gäste und am späten Nachmittag zünftigen Handkäs mit Musik und die legendäre „haaß Flaaschworscht“, nach der „Vesperpause“ unterhielten „Haste Töne“ vom CCM alle Besucher noch mit flotten Tönen, so dass wirklich jeder gut gelaunt nach Hause gehen und sich auf das Herbstfest im nächsten Jahr freuen konnte.

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