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Oft eher versifft statt einladend

Grünes Haus: Vandalismus macht auch vor dem Familientreff am Weiher nicht halt

Ob man das Schild nachts nicht mehr lesen kann oder ob es den „Gästen“ auf dem Spielplatz des Grünen Hause einfach ganz egal ist, dass die Spielgeräte eigentlich nur für Kinder unter 8 Jahren gedacht sind?
(Fotos: A. Kreusch)

HATTERSHEIM (ak) – Seit mehr als 20 Jahren ist Rita Becker im Grünen Haus am Hattersheimer Stadtpark aktiv, seit 19 Jahren leitet sie dort die Gruppe „Treffpünktchen“. „Wir sind dankbar für die mietfreie Nutzung des Grünen Hauses, aber es soll doch auch einladend hier draußen aussehen“, findet sie und meint damit nicht nur, dass an den Hausecken der grüne Putz inzwischen etwas abplatzt, „die Mitglieder des Familientreffs sind zwar für die Pflege verantwortlich, aber nicht für die Instandhaltung. Und die Sifferei ist seit zwanzig Jahren immer schlimmer geworden, das ist doch jammerschade!“ Ihr ist bewusst, dass der Spielplatz rund um das Grüne Haus Allgemeingut ist, und dass „jeder“ ihn nutzen darf. „Natürlich darf jeder herkommen, alle sind willkommen, aber jeder soll auch seinen Krempel wieder mitnehmen und den Platz so verlassen, wie er ihn vorgefunden hat.“

Was Rita Becker und auch die anderen, die im Familientreff Grünes Haus aktiv sind oder deren Kinder dort betreut werden, so nervt: In der letzten Zeit häufen sich wieder die unappetitlichen Anzeichen von nächtlichen Partys auf dem am Haus gelegenen Spielplatz, Vandalismus macht auch vor den Wänden und dem Balkongeländer des Hauses nicht halt.

Am Wochenende Party-Treff
„Wir lesen hier an manchem Morgen hunderte von Zigarettenkippen auf, leere und volle Wodkaflaschen standen schon in Massen hier auf dem Tisch, leere Dosen, Scherben, Plastikmüll, weggeworfene Taschentücher, so was liegt hier immer öfter rum“, regt sich Rita Becker auf. Und wohl zu Recht: Auf einem Kinderspielplatz können solche Dinge ziemlichen Schaden anrichten. Man will sich gar nicht vorstellen, Kinder hätten den Alkohol vor den Betreuern gefunden. „Wir haben uns auch schon gefragt, ob Jugendliche überhaupt so viel saufen können“, erzählt Becker, „vielleicht sind ja doch auch Erwachsene nachts hier und lassen ihren Dreck einfach zurück?“. Und von was die ganzen unschönen „Spritzspuren“ an den Wänden zum Kellerabgang und auf dem – mit einer Treppe zugänglichen – Balkon des Grünen Hauses stammen, möchte man sich beim Betrachten gar nicht so genau vorstellen.

Die stabile Holz-Tischgarnitur neben dem Familientreff ist nicht nur mit dem in der Stadt mittlerweile allseits bekannten „Jane“-Schriftzug dauerhaft verunstaltet, Tisch und Bank wurden auch angekokelt, auch am letzten Wochenende wurde dort offensichtlich wieder eine Party mit Teelichtern beleuchtet. An anderen Stellen sind Worte wie „Bitch“, „I hate you all“ und „Fuck you“ zu lesen – ganz sicher auch nicht von der eigentlichen Spielplatzzielgruppe gemalt. „Es wurden auch schon Spielplatzgeräte demontiert, die schöne Lok war einfach rausgerobbt worden, die wurde wieder befestigt. Aber seit dem letzten Wochenende fehlt jetzt der zweite Waggon. Der Vorgängertisch war an einem anderen Morgen rausgerissen und stand hochkant dort. Außerdem ragte eine spitze Eisenstange aus ihm heraus, direkt in Kopfhöhe der Kinder. Was da hätte passieren können!“, erinnert sich Rita Becker. Auch Einwegspritzen habe man schon auf dem Gelände gefunden, und seit Wochen stehen gefüllte blaue Müllsäcke auf dem Gelände, die wohl niemand entsorgen möchte.

Selbstverständlich räumen Mitglieder des Familientreffs immer wieder auf – allerdings ist das nicht mit „fünf Minuten“ (wie in sozialen Netzwerken vermutet) getan. „Da kommt locker morgens eine Stunde zusammen, bis man alle Flaschen und den ganzen Dreck weggeräumt hat“, kann die Leiterin des Treffpünktchens aus eigener Erfahrung berichten, „und zwar nicht nur am Montagmorgen, auch unter der Woche manchmal.“ Dass zu wenig Abfalleimer auf dem Spielplatz stehen, kann kaum die Ursache dafür sein, dass dort so viel Müll auf dem Boden und in den Büschen landet. Direkt am Grünen Haus, nur wenige Meter von der großen Sitzgruppe entfernt, stehen normale Haushaltsmülltonen frei zugänglich. „Trotzdem könnte man natürlich vielleicht größere Mülleimer neben die Bänke stellen, und vielleicht würden ja auch mehr Schilder, die auf die Widmung des Platzes als Spielplatz hinweisen, helfen“, sinniert Rita Becker beim Rundumblick, aber man kann ihr ansehen, dass sie davon nicht wirklich überzeugt ist.

„Heimelige Ecke“ nicht nur für Jugendliche
Sie bedauert es, dass nicht jeder „Verdreckungs-Vorfall“ auch dem Ordnungsamt und der Polizei mitgeteilt wird, vielleicht würde man dann die zuständigen Stellen besser von der Dringlichkeit überzeugen, dass ihre Hilfe am Grünen Haus gebraucht wird. „Die Stadt tut wohl, was sie kann“, ist sich Rita Bescher schon sicher, „aber wenn man vom Ordnungsamt aus im Sommer um 21 Uhr hier Streife läuft, dann ist es noch hell, da trifft man eben noch niemanden hier an.“ Sie erinnert sich an eine Zeit, in der die Polizei vermehrt am Grünen Haus Streife gefahren ist. „Da war es gefühlt ein bisschen besser“, sagt sie dazu, „auch als ein Jugendarbeiter ab und zu hier war, kam es mir nicht so schlimm vor, wie es jetzt gerade wieder ist.“ Den Kontakt zum neuen Jugendarbeiter der Stadt wird man vom Grünen Haus aus ganz sicher wieder suchen, obwohl man inzwischen glaubt, dass nicht nur Jugendliche diese „heimelige Ecke“ im Stadtpark für nächtliche Zusammenkünfte nutzen.

Ganz offenbar wird – den Abfallmengen am nächsten Morgen nach zu urteilen – zurzeit der nur schlecht einsehbare Platz neben dem Grünen Haus wieder vermehrt spätabends oder nachts für Treffen und zum unbeobachteten Feiern benutzt. Daher appelliert die Leiterin des Treffpünktchens an alle Anwohner und Passanten, wenn sie wieder mal Feier-Lärm aus dieser Richtung hören, gleich zu reagieren. „Klar würde ich selbst auch nicht da hingehen, wenn ich Gegröle von dort höre, aber man kann die Polizei ja telefonisch informieren. Je öfter und je mehr das gemacht wird, desto eher wird dann trotz dünner Polizei-Personaldecke vielleicht doch mal hier nachgeguckt“, hofft sie, „wenn wir alle zusammen ein bisschen mehr darauf gucken, dass solche Dollbohrer hier nicht immer wieder alles kaputt machen, dann hilft das ja vielleicht doch.“

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Das wäre doch mal eine Aufgabe für das Ordnungsamt

Das Ordnungsamt wäre doch hier angebracht. Anstatt sich mit dem Verteilen von Strafzetteln während der Sommerzeit an die Bürger und Bürgerinnen im und rund um das Wohngebiet des Schwimmbads zu beschäftigen, könnte die Arbeitsmotivation hier ja wirklichen Schaden verhindern. Schließlich sind Kinder die Zukunft Hattersheims - und solche Plätze sind ein Treffpunkt für Familien und Kinder!

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