Für die alten könnte es nicht genug betreute Wohnungen geben; für die ganz kleinen nicht genug Krippenplätze, meinten Fraktionsvorsitzender Dietrich Muth und Stadtverordnete Karin Fredebold vergangene Woche in einer Pressekonferenz.
Die Freidemokraten haben sich bei der EVIM und beim Richtfest für die Seniorenresidenz im Mühlenquartier informiert. Sie finden bemerkenswert, dass EVIM mit 4,5 Millionen Euro gerade mal zehn neue Plätze schafft (künftig 105). Sie begrüßen, dass ein neuer Schwerpunkt zur Betreuung von Demenzkranken gebildet wird, die auch für kurze Zeiten, vor allem die Wochenenden, aufgenommen werden.
Das Angebot dient auch der Profilbildung in der neuen Konkurrenzsituation. Die Lindhorstgruppe wird in der Seniorenresidenz 118 Pflegeplätze schaffen.
Über diesen Boom macht man sich in der Hattersheimer FDP kritische Gedanken. „Ob das gutgeht?“, fragt Dietrich Muth. Es werde wohl so kommen, dass im Main-Taunus-Kreis 500 bis 600 Pflegeplätze zuviel geschaffen werden. Hingegen gebe es zu wenig betreute Wohnungen. Von den 28 Wohnungen, die die Hawobau im Mühlenquartier baue, seien 26 schon vergeben, so Muth.
Er und Karin Fredebold weisen auch darauf hin, dass die Lindhorst-Einrichtung in Flörsheim (Eduard-Schwerzel-Haus) auch nach fast einem Dreivierteljahr immer noch nicht voll in Betrieb ist, weil Personal fehlt. Das werde auch in Hattersheim ein Problem werden, ist sich die FDP sicher und fordert, „die Politik muss sich Gedanken machen“.
Fünf Quadratmeter pro Kind
Das Thema Krippen hält vor allem Karin Fredebold für nach wie vor überaus problematisch. Hattersheim sei im MTK nach wie vor „fast Schlusslicht“. Man sei richtig froh, dass auch freie Träger in die Kleinstkinderbetreuung investierten, auch mit Blick auf die Kosten. Denn bei den Freien gebe es 50 Prozent weniger Zuschussbedarf, unter anderem wegen des Engagements von Ehrenamtlichen.
Am 1. September geht die Krippe der evangelischen Kita in Hattersheim mit 20 Plätzen in Betrieb. In Eddersheim wird im alten Pfarrgarten eine Krippe für zehn Kinder gebaut („Vogelnest“); der katholische Kindergarten wird an diesen Standort umziehen. Auch an der katholischen Kita in Hattersheim sollen 20 Plätze entstehen. Die Grundstücke stehen bereits zur Verfügung; der Investitionsbedarf ist im Detail noch nicht ermittelt. Für Karin Fredebold und Dietrich Muth gilt freilich, dass unsere Gesellschaft die hohen Standards nicht halten werde können. Derzeit müssen in einer Krippe 5 Quadratmeter Fläche pro Kind geschaffen werden.
In den Kirchengemeinden hat man laut FDP keine Sorgen, für die neuen Einrichtungen nicht ausreichend Personal zu bekommen. „Die sind dort alle sehr optimistisch“, berichteten Fredebold und Muth, nachdem sie in den betreffenden Einrichtungen vorgesprochen haben. Und: „Wir sind froh, solche Auskünfte zu bekommen.“
Mehr Sorgen machen sich die Freidemokraten um die weltlichen Krippen. Die Stadt will in ihren Einrichtungen am Karl-Eckel-Weg 30 und in der Kleinen Feldstraße 20 Plätze schaffen. Im November sollen Pläne und Kostenschätzungen vorgelegt werden. Dietrich Muth schätzt, dass „locker mal“ 2 Millionen Euro gebraucht werden (und bei den Zuschüssen für die freien Träger womöglich noch einmal die gleiche Summe).
Neuerlich widersprachen Fredebold und Muth der Mahnung von Bürgermeisterin Antje Köster, keine Überkapazitäten zu schaffen. Eltern müssten planen können. Krippenplätze seien mit 480 Euro deutlich günstiger als Plätze bei Tagesmüttern (rund 800 Euro).
Die Freidemokraten halten auch für eine Notlösung, wenn berufstätige Eltern ihre Unterdreijährigen an ihrem auswärtigen Arbeitsort betreuen lassen. Fredebold und Muth sehen fehlende Plätze in Hattersheim als Grund. Bürgermeisterin Köster hingegen sieht es in den allermeisten Fällen als praktische Gestaltung von alltäglichem Berufsleben.
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