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Die Weingartenstraße als Fahrradstraße?

Kontroverse Diskussionen mit den Anwohnern beim Bürgersteiggespräch der Hattersheimer SPD

Die Weingartenstraße (hier von der Dürerstraße aus gesehen) wird viel von Schülern genutzt, die mit dem Fahrrad zur Heinrich-Böll-Schule fahren. Sie könnte zur Fahrradstraße umgewidmet werden, um deren Sicherheit zu verbessern.

Am letzten Samstag hatte die Hattersheimer SPD bei schönstem Wetter (nicht nur) die Anwohner der Weingartenstraße zu einem gut besuchten Bürgersteiggespräch eingeladen, bei dem diese ihre Meinungen über die von der Stadt ins Auge gefasste mögliche Umwidmung der Weingartenstraße in eine Fahrradstraße vorbringen und darüber diskutieren konnten.

Fraktionsvorsitzender Dr. Marek Meyer begrüßte alle und berichtete zunächst, warum gerade die Weingartenstraße als mögliche Fahrradstraße „ausgeguckt“ wurde: „Es ist schon zwei oder drei Jahre im Gespräch, eine Straße auf dem Schulweg in die Heinrich-Böll-Schule zur Fahrradstraße zu machen. Eine Prüfung der Stadt hat allerdings ergeben, dass es wegen des LKW-Verkehrs durch die dort angesiedelten Gewerbetreibenden nicht sinnvoll ist, die parallel verlaufende Schulstraße – an deren einem Ende ja die Grundschule Robinsonschule und am anderen Ende die Gesamtschule Heinrich-Böll-Schule liegen - zur Fahrradtrasse zu machen. Die weiteren Überlegungen haben zu der Tendenz geführt, die Weingartenstraße zur Fahrradstraße zu machen, Pläne werden wohl gerade von der Stadt konzipiert. Jetzt ist Zeit darüber zu reden, um ein gutes Konzept zu erhalten.“ Als Experten stellte Meyer die SPD-Ortsverbandsvorstandsmitglieder Birgid Oertel und Volker Igstadt vor, die beide begeisterte Radfahrer und Mitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrradklub sind.

Bevor die beiden zu Wort kamen, wurden zunächst die Meinungen der Anwohner eingeholt. „Wir wären dagegen, man kommt ja so schon schlecht aus den Tiefgaragen raus!“ oder „Dann müssten doch die Parkplätze weg, von denen es hier doch sowieso zu wenig gibt!“ und „Es ist doch noch nie was passiert!“ wurde unter anderem hervorgebracht, ebenso wie „Wir sehen den Sinn nicht ganz ein.“ Auch „Man passt doch sowieso auf, jeder muss aufpassen“ oder „Meine Kinder fahren so schon nebeneinander“ war zu hören, genauso wie die Fragen: „Warum will die Stadt das denn?“, „Wie sollen die neuen Regeln denn sichergestellt werden? Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 wird ja auch nicht eingehalten!“ Das man eigentlich jetzt schon mehr Verkehrskontrollen in der Weingartenstraße bräuchte, darüber waren sich die meisten Anwohner einige, einer forderte aber auch eine bessere Verkehrserziehung der vielen Schüler, die tatsächlich dort mit dem Fahrrad zur Schule fahren und mit denen auch die meisten autofahrenden Anwohner schon „zu tun“ hatten. Aber man gab zu bedenken: „Vielleicht hilft es ja schon, die geltenden Ordnungen und Regeln besser durchzusetzen, bevor eine Fahrradstraße eingerichtet wird?“ Eine andere Anwohnerin erntete viel Bestätigung, als sie meinte: „Hier sind doch die fahrenden Autos gar nicht die große Gefahr, sondern die rückwärts parkenden Autos und die, die aus den Tiefgaragen kommen, verursachen Probleme.“

Aber auch dem Fahrradstraßen-Plan positiv gegenüber stehende Stimmen waren zu hören: „Also ich fahre jeden Morgen etwa um 8.15 Uhr hier, genau dann, wenn viele Schüler unterwegs sind, und da wird sich an der Situation für uns Autofahrer ja nichts ändern – es tut doch nicht weh, wenn wir dann auf einer Fahrradstraße fahren.“ Ein anderer Anwohner betonte, dass man doch eigentlich gar nicht schöner wohnen könne, egal ob die Weingartenstraße Fahrradstraße werde oder nicht: „Wir haben den grünen Keltenpark auf der einen Seite, eine ruhige Straße, über die wir trotzdem schnell aus dem Ort sind, auf der anderen – besser kann es doch gar nicht sein.“ Allerdings machte eine Anwohnerin des alten und engen Teiles der Weingartenstraße aus Richtung Rathausstraß, darauf aufmerksam, dass dieser Teil durchaus für Radfahrer und auch für Fußgänger problematisch zu benutzen sei. „Da wird auf zwei Seiten geparkt“, brachte sie in Erinnerung, wie es dort auf dem Schulweg zur Robinsonschule aussieht, „und die Kinder können nicht über die Autos drüber schauen. Eigentlich ist da rechts vor links, aber auch die Autofahrer sehen genauso wenig wie die Fahrradfahrer, und wenn ein SUV kommt, dann muss man absteigen.“ Nach ihrer Ansicht müssten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit mehr Einbahnstraßen in Hattersheim geschaffen werden.“

„Eigentlich ist an einer Fahrradstraße nur eines besonders: die Fahrradfahrer dürfen nebeneinander fahren, müssen dabei aber auch auf ihrer Fahrbahnseite bleiben“, beruhigte Volker Igstadt die Wogen der Diskussion, „und die Autofahrer müssen dem Vorrang der Radfahrer Rechnung tragen. Aber es nutzt ja nicht viel, eine Fahrradstraße zu machen, wenn die Anwohner nicht einverstanden oder noch gar nicht informiert sind.“ Dass eine reine „Deklaration“ der Weingartenstraße zur Fahrradstraße aus diesem Grund nicht ausreiche, darüber waren sich alle einig und es wurden auch einige Ideen vorgebracht, deren Realisierung man eventuell vor einer Umwidmung prüfen könnte, wie etwa das Einrichten einer Radspur.

SPD-Ortsverbandvorstandsmitglied Thomas Abicht nahm für seine Partei als „Hausaufgabe“ aus dem Bürgersteiggespräch mit, dort mehr Verkehrskontrollen sowie eine Informationsveranstaltung bzw. eine öffentliche Anhörung zu dem Fahrradstraßenprojekt anzuregen, bei der auch der Radwegeplan für die gesamte Stadt vorgestellt werden sollte.

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