Zweimal die Traumnote 1,0

Akademische Abiturfeier der Heinrich-Böll-Schule am Montagabend in der Hattersheimer Stadthalle

mpk

Was Bürgermeister Klaus Schindling zur in der Stadthalle arg schweißtreibenden Abiturfeier 2025 versprochen hatte, wurde mittlerweile tatsächlich umgesetzt - sehr zur Freude des aktuellen Abi-Jahrgangs und vor dem Hintergrund der aktuellen Hitzewelle: Tatsächlich verfügt die Stadthalle nun über eine gut funktionierende Klimaanlage. Die Feierlichkeiten am Montagabend konnten also in einer willkommenen Kälteoase stattfinden.

Entsprechend entspannt war dann auch die Stimmung im Saal, aber natürlich auch geprägt von Stolz seitens der Eltern und Großeltern und großer Vorfreude in den Reihen der Schulabgängerinnen und -gänger.

Nach einem ersten Auftritt der Schülerband der Heinrich-Böll-Schule, bei dem "Talkin’ Bout a Revolution" von Tracy Chapman zum Besten gegeben wurde, richtete der Stadtverordnetenvorsteher Georg Reuter in Vertretung von Bürgermeister Klaus Schindling anerkennende und inspirierende Worte an die Abiturientinnen und Abiturienten. Im Rahmen dieser Feier erhalten die jungen Menschen nun mit Ihren Abiurzeugnissen den verdienten Lohn für Fleiß, Ausdauer und den Willen, sich den Herausforderungen zu stellen.

Reuter stellte fest, dass sich die Welt derzeit in einem rasanten Wandel befindet und von zwei großen Entwicklungen geprägt ist: Den tiefgreifenden technologischen Durchbrüchen durch Künstliche Intelligenz und den dynamischen Herausforderungen unserer Wirtschaftslage. Die junge Generation fragt sich, was das alles für sie bedeuten wird. Georg Reuter verwies darauf, dass Künstliche Intelligenz noch keine Bedrohung sei, sondern ein Werkzeug. Maschinen verfügen über keine Kreativität, über kein kritisches Denken und keine Empathie. Und gerade diese Disziplinen haben die Schülerinnen und Schüler an der Heinrich-Böll-Schule nun jahrelang geübt.

Der Stadtverordnetenvorsteher hatte auch eine Empfehlung bezüglich der Berufswahl in petto: Ein klassisches Studium sei nur eine von vielen exzellenten Möglichkeiten. Auch die Vorteile einer dualen Ausbildung in Industrie und Handwerk sei eine sehr gute Option, und die lokale und die regionale Wirtschaft suchen händeringend nach klugen, motivierten Köpfen, gerade in Zeiten von Digitalisierung und Energiewende.

"Ganz gleich, wohin Ihr Lebensweg Sie nun führt: Behalten Sie immer die Neugier, bleiben Sie mutig und gestalten Sie Ihre Zukunft und unsere Gesellschaft aktiv mit", forderte Georg Reuter die Abiturientinnen und Abiturientinnen abschließend auf, bevor er noch die Ehre hatte, zwei Abiturientinnen persönlich gratulieren zu dürfen, die in diesem Jahr die Traumnote von 1,0 erreicht haben: Sophie Ludes und Elaine Feuerbach.

Auch Schulleiter Dr. Dietrich Heither gratulierte den herausgeputzten jungen Erwachsenen in der Stadthalle, die natürlich von zahlreichen stolzen Eltern, Geschwistern und Großeltern begleitet worden waren.

Dr. Heither rückte in seiner Rede eine große aktuelle Problematik in den Fokus: Populistische Fake News gewinnen Tag für Tag an Bedeutung, während Wahrheit und Argumentationsfähigkeit auf der Strecke bleiben. Gerade für Demokratien sei dies besonders gefährlich, während die "systematische Lüge" für eine Diktatur durchaus stabilisierend wirken kann. Als Beispiel führte Dr. Heither die offizielle Bezeichnung des Russischen Überfalls auf die Ukraine als "Militärische Spezialaktion" an.

Die politische Lüge stehe quer zu demokratischen Kernelementen wie Vertrauen, Kontrolle und Transparenz. Demokratie lebt vom aktiven Mitwirken der Bürgerinnen und Bürger, und deshalb rät der Schulleiter den Abiturientinnen und Abiturienten nicht nur wählen zu gehen, sondern sich auch auf andere Weise zu engagieren, sei es beispielsweise in Parteien oder Vereinen.

Franziska Schmidt, die Studienleiterin der Gymnasialen Oberstufe, reagierte in ihrer Rede auf die augenzwinkernde Aussage eines Schülers, dass man zwar versucht habe, Erwachsene aus diesem Jahrgang zu machen - dies aber nicht gelungen sei. An mehreren konkreten Punkten widerlegte Schmidt diese Feststellung: Die diesjährigen Abiturientinnen und Abiturienten hätten sehr wohl Verantwortung übernommen, beispielsweise bei der Organisation eines Fußballturniers gegen den Abiturjahrgang des Flörsheimer Graf-Stauffenberg-Gymnasiums. Einsatz für die Gemeinschaft kann Schmidt diesem Jahrgang ebenfalls attestieren, wurde doch das Schulsprecherinnen-Amt neu zum Leben erweckt.

Und an Entscheidungsfreude mangelt es den jungen Erwachsenen ebenfalls nicht, wurde doch kurzerhand (und nicht ganz unumstritten) zur Mottowoche ein vermeintlicher Mexikaner zur Unterhaltung des Jahrgangs engagiert, der jedoch dachte, für einen Kindergeburtstag gebucht worden zu sein.

Schließlich kam es dann, nach einem weiteren musikalischen Intermezzo, zum wichtigsten Programmpunkt des Abends: Der Verleihung der Abiturzeugnisse. Nacheinander betraten die Leistungskurse die Bühne der Stadthalle und nahmen - in Eigenregie alphabetisch aufgestellt - ihre Zeugnisse entgegen. Einmal mehr war die akademische Abiturfeier der Heinrich-Böll-Schule ein würdiger Rahmen für die erfolgreichen Schulabgänger und ihre stolzen Verwandten.

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