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...es stand in

der Zeitung!

Herausgesucht von Erika Kunz

Vor 25 Jahren

Freitag, 4. Juli 1986

Alfred Schubert 20 Jahre Wahlbeamter:

„Wir Hattersheimer danken Dir!“

HATTERSHEIM (sp) - Als „zivilen Ungehorsam“

bezeichnete Bürgermeister Alfred Schubert die ihm gebührenden Reden von Verwandten, Bekannten, derzeitigen und ehemaligen Mitarbeitern, in denen Aussprüche wie ,,weiße Haare, aber dennoch nicht ganz weise“ und „kein politisches Neutrum“ fielen. „Sehr geehrter Herr Bürgermeister, lieber Adi“ war am vergangenen Dienstag bei der Jubiläumsfeier im Posthof, die doch eigentlich ganz ungezwungen sein sollte, als Einleitung für die darauffolgenden mehr oder weniger langen Dankesreden aus vielen Mündern zu vernehmen. Er feiere gern, bemerkte Schubert zu den rund einstündigen Begrüßungsreden, aber er ließe sich nicht gerne feiern. Und auch wenn er - vielleicht ein wenig aus Verlegenheit - dieses „förmliche Übel“ ein wenig abtat, so schien ihm doch manche Rede recht nahegegangen zu sein.

Er stamme aus einer Politikerfamilie, schon sein Großvater habe sich dem Dienst der Öffentlichkeit angenommen, und seinen Vater brauche man wohl erst gar nicht zu erwähnen. Schon frühzeitig habe er gelernt, dass nicht die Bevölkerung für ihn da ist, sondern er für die Bevölkerung, meinte Schubert. Nicht Stolz, sondern Freude empfinde er bei dem Gedanken an das Erreichte. Noch immer mache er seinen Job gerne. Die Bürger sollten sich in der Kommune wohlfühlen. Man sei misstrauisch gewesen, als sich der neue Bürgermeister ankündigte, doch nun seien die Hattersheimer sehr zufrieden. Hubert Schoßland: „Wir Hattersheimer danken Dir!“ - Ein Versprecher? Seit seiner vierjährigen Amtszeit, so Schubert, habe Hubert Schoßland sich zum ersten Male zu Hattersheim gezählt.

Kurt Henkel, der Vorsitzende des Städte- und Gemeindebundes, überreichte Schubert mit den besten Wünschen zu guter Gesundheit, die in diesem Job ja oft zu kurz komme, eine Ehrenurkunde für seine langjährige Tätigkeit. Eine weitere Urkunde empfing er von den SPD-Stadträten. Unzählige Dankeschön-Präsente schlossen sich an, und auch an Blumen für seine Mutter Anna Schubert hatte man gedacht. Auch wenn der hessische Innenminister Winterstein noch fehlte, ergriff Schubert das Schlusswort und machte „politischem Gebabbel“, wie Hubert Schoßland sich ausdrückte, ein Ende. Zum Abschluss waren die Gäste zu Salaten und Gegrilltem eingeladen und hatte die Gelegenheit, alte Erinnerungen auszutauschen.


Dienstag, 8. Juli 1986

Straßenübergabe

EDDERSHEIM (sp) - Lange währten die Straßenbauarbeiten in der Propstei-, Kreuz- und Backesstraße. Nun werden die Straßen in den nächsten Tagen fertiggestellt und offiziell übergeben. In diesem Rahmen lädt der Magistrat unserer Stadt am kommenden Donnerstag um 16 Uhr insbesondere die Anwohner zu einem Straßenfest ein, um sie für die langen Unannehmlichkeiten zu entschädigen.


Festwoche des TVO vom 9. bis 18. August:

Tony Marshall kommt

OKRIFTEL (sp) - Ein ganzes Jahrhundert wird der Turnverein in diesem Jahr alt, und die Zahl seiner Mitglieder hat sich seit seiner Gründung rund verachtfacht. Vom 9. bis zum 18. August wollen die jetzt 1040 Sportler und Mitglieder zur eigentlichen Geburtstagsfeier schreiten und laden schon jetzt alle Sportbegeisterten aus nah und fern herzlich dazu ein. Eröffnet wird die Festwoche am 9. August um 16.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der evangelischen Kirche und einer anschließenden Totenehrung auf dem Friedhof. Weiter geht es dann am Sonntag, 10. August, bereits um 10 Uhr in der Früh mit dem Festkommers in der Radfahrerhalle. Am 15. August steht der Abend ganz der Jugend zur Verfügung: „Rock am Main“ mit der Gruppe „Bruce & Bongo“ und Ricky Patrick. Für alle Tanzbegeisterten wird zusätzlich eine Video-Disco veranstaltet. Der Abend findet im großen Festzelt am Main statt.

Nach dem Jugendabend sollen am darauffolgenden Samstag die Sportler der älteren Generation nicht vernachlässigt werden. Ein Älterentreffen des Turngau Main-Taunus auf der Kleinsportanlage der Albert-Schweitzer-Schule mit sportlichen Wettkämpfen für die nicht mehr ganz so jungen Turner und Turnerinnen steht ab 15.30 Uhr auf dem Programm. Kommen dürfen nur Sportfans ab 30 Jahren aufwärts, damit die Chancengleichheit gewährleistet ist. Fast gleichzeitig um 16.30 Uhr findet auf dem Festgelände ein Wettstreit zwischen den Okrifteler Vereinen statt. Doch damit ist das Programm für diesen Tag noch nicht erschöpft. Noch am selben Abend um 19.30 Uhr geht es im Festzelt unter dem Motto „Der TVO stellt sich vor“ weiter. Hier werden die verschiedenen Gruppen des Vereins, vom Mutter-und-Kind-Turnen bis hin zur Männerturnstunde, mit kleinen Darbietungen ihr Können zeigen.

Kaum wird das Zelt an diesem Abend geräumt sein, geht es nur wenige Stunden später um 10 Uhr am Sonntagmorgen mit dem Frühschoppen weiter. Um 14 Uhr steht der Höhepunkt des Festes an: Ein Festzug mit zahlreichen Vereinen durch Okriftel, bei dem ein Teil der Vereinsgeschichte durch ehemalige Sportanzüge, lebendige Bilder und Vorführungen auf der Straße vorgestellt werden soll. Auch am Montag, 18. August, steht noch einmal ein Frühschoppen an. Am Nachmittag um 14 Uhr kommen die Kleinsten bei einem Kinderfest auf dem Festgelände auf ihre Kosten. Mit einem großen bunten Abend am Montag um 19.30 Uhr lädt der TVO zum letzten Mal zu einer Veranstaltung im Rahmen des 100-jährigen Bestehens ein, denn mit diesem Abend will man die Festwoche, hoffentlich mit gutem Wetter und vielen Gästen, ausklingen lassen. Tony Marshall und seine Band, Olaf King und „Los Barros“ mit ihrer komischen Barrennummer, die schon einmal auf der Turn- und Sportschau zu sehen war, werden für Stimmung sorgen. Anschließend kann man zur Musik der Mainzer Bigband Heini Stadler sein Tanzbein schwingen.


100.000 qm Wildblumenwiesen

HATTERSHEIM (hb) - In Hattersheim gibt es mehr als 100.000 qm öffentliche Grünflächen, die naturnah gepflegt werden. Eine entsprechende Bilanz zog jetzt das Gartenamt. So gibt es elf Wildblumenwiesen, ehemalige Rasenflächen, die nur zweimal jährlich gemäht werden und bei denen jegliche Düngung oder Schädlingsbekämpfung unterbleibt, mit einer Gesamtfläche von genau 39.948 qm. Die Flächengröße liegt zwischen 750 und 15.000 qm, wobei die größten Wildblumenwiesen am Okrifteler Baggersee und im Mainuferbereich des Wäldchens zu finden sind. Dazu kommen 63.569 qm sogenannter Bankettflächen entlang von Straßen und Wegen, die naturnah belassen werden. Hier reichen die Einzelflächen von 200 bis zu 25.000 qm am Eddersheimer Maindamm. Wie von der Stadtverwaltung zu erfahren war, hat dieser Trend, einen Teil der Grünflächen naturnah zu belassen, durchaus Zustimmung bei der Bevölkerung erworben. Beschwerden sind zumindest auf dem Rathaus nicht vorgebracht worden.


Vor 40 Jahren

Dienstag, 6. Juli 1971

Hattersheimer Kerwegesellschaft gebildet

Nach langen Vorverhandlungen und Besprechungen kann heute gesagt werden, die Hattersheimer Kerwegesellschaft 1971 steht. Am vergangenen Dienstag wurde in einer Besprechung im Café Ziegler die Grundfarbe für diese festlichen Tage sowie die Mützentracht festgelegt. Bezogen auf den alten Hattersheimer Spitznamen werden sich die Kerweborsch die „Bachschisser“ nennen. An drei Tagen wird im Haus „St. Barbara“ ein festlicher Ball stattfinden und am Kerwemontagmorgen ein Frühschoppen, zu dem neben dem Magistrat, den städtischen Bediensteten, den Bewohnern des Altenwohnheimes auch die gesamte Bevölkerung eingeladen werden soll. Selbstverständlich findet am Kerwesonntag ein Umzug statt. Auch das Aufstellen eines Kerwebaumes soll nicht vergessen werden.


Letzte Tributzahlung Andorras

Andorra ist ein Freistaat in den Pyrenäen mit rund neuntausend Einwohnern. Die Souveränität des Landes wird seit dem Jahre 1278 von den Herrschern in Frankreich und Spanien garantiert. Heute sind der französische Staatspräsident Georges Pompidou und der spanische Bischof von Urgel dafür verantwortlich, dass Andorra ein freier Staat bleibt. Gewissermaßen als Gegenleistung für diesen Schutz, den ihm Frankreich gewährt, muss Andorra jedes Jahr einen Tribut an Paris zahlen. Dieser Tribut hat eine Höhe von 980 Franken (etwa 860 DM), die unter den Einwohnern von Andorra gesammelt werden. Jedes Jahr im Juli kommen Abgeordnete des Zwergstaates in die französische Metropole, um das Geld zu überbringen. In diesem Jahr wird der Besuch der Abgeordneten von historischer Bedeutung sein: Die Männer aus Andorra erscheinen zum letzten Mal in Paris, denn Frankreich hat sich entschlossen, in Zukunft auf die jährlichen Tributzahlungen zu verzichten. Diese Geste stellt nicht zuletzt einen Dank dar. Andorra besitzt eine Radiostation, deren Sendungen von den Bevölkerungskreisen im Südwesten Frankreichs regelmäßig gehört werden. Da die Sendungen sehr französisch-freundlich orientiert sind, glaubte man in Paris, sich revanchieren zu müssen. So kam man auf den Gedanken, die Tributzahlungen ganz einfach zu streichen, zu denen der Freistaat Andorra seit nahezu siebenhundert Jahren verpflichtet war.


Vor 50 Jahren

Freitag, 7. Juli 1961

Wahlkampf zur Bundestagswahl im September 1961: Aus dem Leben der Parteien

(Außer Verantwortung der Redaktion. Wir bitten die Parteien, in ihren Berichten sachlich zu bleiben und auch nicht gehässig zu werden, da wir uns sonst gezwungen sehen, diese Berichte abzulehnen. D. Red.)

Bundestagsabgeordneter Hermann Schmitt vor der Presse

Bundestagsabgeordneter Schmitt-Vockenhausen wies in einem Überblick über die politische Lage auf die richtungweisenden Vorschläge hin, die die SPD in den letzten Jahren vorgelegt hat, die aber von der CDU-Mehrheit des Bundestages in ihrer Bedeutung nicht erkannt wurde. So habe die SPD schon vor sechs Jahren gefordert, einen Beitrag in Höhe von 50 Millionen DM für die Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen. Die SPD wurde niedergestimmt. Die Regierung hatte das Problem nicht erkannt. Heute müsse sie sich bequemen, auf Druck von außen her weit höhere Beiträge zu leisten. Die SPD habe auch rechtlich den Ausbruch der sogenannten 2. industriellen Revolution erkannt und ein besonderes Augenmerk für das Bildungswesen gefordert. Die CDU sei den Vorschlägen nicht gefolgt. Innenminister Schröder wollte gar jeden 4. Studenten von den Universitäten herausprüfen. Die SPD habe neue Universitäten und technische Hochschulen gefordert und vor allem eine starke Vermehrung der Lehrstühle. Die Forderung Willy Brandts, des Kanzlerkandidaten der SPD, der Himmel über dem Ruhrgebiet müsse wieder blau werden, sei von der CDU mit Hohngelächter quittiert worden. Heute mache sich die CDU selbst Gedanken in dieser Richtung. Die von der SPD vorausgesagte Verdoppelung des Sozialproduktes in einer Generation wurde nach anfänglichem Bestreiten jetzt von Wirtschaftsminister Erhard bestätigt. Die Verdoppelung soll danach schon in 15 Jahren möglich sein.

Schmitt-Vockenhausen stellte fest, dass die einzelnen Programmpunkte der SPD nicht mehr bestritten würden. Es könne niemand ernstlich gegen eine Mindestrente von 225 DM sein. Die SPD des Main-Taunus-Kreises begrüßt den Appell des Bundespräsidenten (Anm.: Heinrich Lübke) und der Evangelischen Kirche, einen fairen Wahlkampf zu führen. Nur so sei es dem Wähler möglich, die Argumente der einzelnen Parteien abzuwägen.


Kundgebung der Jungen Union in Frankfurt

In der Frankfurter Festhalle herrschten subtropische Temperaturen. Der Schweiß floss in Strömen. Die rund 20.000, die zur Kundgebung der Jungen Union gekommen waren, hielten fast alle bis zum Schluss aus. Bundeskanzler Adenauer, stürmisch begrüßt, stieg als erster aufs Podium. Danach sprachen Vizekanzler Erhard und Außenminister von Brentano sowie der Landesvorsitzende der Jungen Union, Lothar Haase.

Adenauer war gut in Form. Wenn ihm der Schweiß auch übers Gesicht lief, so waren die Angriffe, die sich die SPD gefallen lassen musste, nicht ohne. Zu dem bevorstehenden Wahlkampf sagte Adenauer, es mache Spaß mit einem starken Gegner zu kämpfen, wenn man es jedoch mit lahmen Enten zu tun habe, so höre der Spaß auf. Und: „Es ist natürlich schwer für eine Partei, nach zwölf Jahren von sich behaupten zu müssen, dass man die ganze Zeit nur Dummheiten gemacht habe.“ Höhepunkt der scharfen Attacken des Kanzlers dürfte jedoch seine Auslegung des neuen Wahlslogans der SPD gewesen sein. Hier dürfte es nicht heißen: „Die SPD geht mit der Zeit“, sondern die „SPD g e h t mit der Zeit“ - wobei er das Wort „geht“ süffisant betonte.

Auch Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Erhard wurde stürmisch begrüßt. Er schlug in die gleiche Kerbe. Von Hattersheim nahmen 45 Mitglieder der Jungen Union und CDU an der Versammlung teil.

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