Bürgermeister Christian Seitz zeigte sich am Mittwochabend hocherfreut die große Anzahl an Besucherinnen und Besuchern, die zur Eröffnung der Ausstellung „Ansichten aus Kriftel – einst und jetzt“ ins Rat- und Bürgerhaus gekommen waren. Das Krifteler Heimatmuseum wird am 11. Oktober 40 Jahre alt, eröffnet wurde die Einrichtung damals als „Heimatgeschichtliche Sammlung“ im Rahmen der Krifteler Kulturwochen. Und die große Resonanz zur Vernissage stellte eindrucksvoll unter Beweis, dass das Heimatmuseum in den vergangenen vier Jahrzehnten viele Freunde gefunden hat.
Seitz erklärte die zahlreiche Gästeschar augenzwinkernd auch mit dem kurzen Werbevideo, das die Gemeinde wenige Tage vor der Vernissage in die Sozialen Medien ausgespielt hatte. Dort saß der Bürgermeister im historischen Gewand in seinem Büro und sprach eine Einladung zur gemeinsamen Zeitreise an diesem Abend aus.
Auch vor ziemlich genau 40 Jahren lernte Seitz als Schüler der Weingartenschule "sein" Kriftel erstmals kennen, und vom Weg zum Sportunterricht in der Schwarzbachhalle durch die Schulstraße her ist ihm das Heimatmuseum schon seit damals geläufig.
Der Bürgermeister erinnerte auch an die Vorgänger des aktuellen Gemeindearchivars Dr. Detlef Krause: Der Heimatforscher Bernhard Taranczewski hatte die „Heimatgeschichtliche Sammlung“ anfangs aufgebaut, und stolze 31 Jahre lang war Wilfried Krementz bis 2023 als Gemeindearchivar und Leiter der Heimatgeschichtlichen Sammlung tätig.
Mehr als nur ein Museum
Dr. Detlef Krause zufolge waren es vor 40 Jahren zwei Personen, die maßgeblich an der Entstehung des Heimatmuseums beteiligt waren: Zum einen der bereits erwähnte Bernhard Taranczewski, zum anderen der damalige Bürgermeister Hans-Werner Börs. "Der eine hatte die Idee, der andere das Geld", fasste der Gemeindearchivar das Verhältnis des damaligen "Tandems" schmunzelnd zusammen.
Dr. Krause würdigte die anspruchsvolle Forschung, die Bernhard Taranczewski seinerzeit betrieben hatte, insbesondere auch in Hinblick auf die 1200-Jahr-Feier der Gemeinde im Jahre 1990, die dieser historisch begleitete. Leider verstarb Taranczewski bereits im Jahre 1992. Intensiv versuchte Börs daraufhin Wilfried Krementz als Nachfolger zu gewinnen - letztendlich mit Erfolg. Über drei Jahrzehnte hinweg hat Krementz dann "viele Ecken und Winkel der Krifteler Geschichte ausgeleuchtet und erforscht", so Dr. Krause. Aus diesem Fundus an Wissen werde man noch einige Jahre zehren können.
Formal handele es sich bei der „Heimatgeschichtlichen Sammlung“ um ein Museum der Gemeinde. "Es ist aber auch ein Bürgermuseum, ein Museum der Krifteler", führte Dr. Krause weiter aus. Viele Fotos, viele Exponate - wahrscheinlich sogar die meisten - stammen aus dem Besitz Krifteler Familien. Und ständig kommen neue Sachen hinzu, was den Gemeindearchivar sehr freut.
Zusätzlich ist das Museum auch ein Ort des Dialogs. Immer wieder gebe es interessante Gespräche mit Besucherinnen und Besuchern, die sich selbst oder Vorfahren auf Bildern erkennen. Und es ist natürlich auch ein Ort der Erinnerung. Immer wieder erreichen Dr. Krause Fragen beispielsweise zu Gebäuden, wie diese etwa früher aussahen, oder zu markanten Orten wie dem alten Schwimmbad, wo es "immer so kalt" war. Aus Erinnerungen werden so Erzählungen.
Das Museum ist auch ein Ort des Entdeckens und des Wissens, stellte Dr. Krause fest. Man könne dort viel lernen über die Römische Zeit, die Kurmainzische Ära, die Preußische Zeit bis heute.
Und schließlich ist das Heimatmuseum auch eine Art Gedächtnis der Gemeinde: Neben den Exponaten gibt es dort auch immer mehr analoge und digitale Quellen. Diese stetig wachsende Sammlung ermöglicht und erleichtert Überlieferungen an künftige Generationen in Kriftel.
Als das Jubiläum des Heimatmuseums langsam näher rückte, stellte sich die Frage, wie man dieses am besten feiern sollte. Da die Kernkompetenz einer solchen Sammlung nun mal weniger die ausgelassene Feierei, sondern eher die Geschichte ist, kam recht schnell die Idee auf, die nun frisch eröffnete Ausstellung aus diesem Anlass zu gestalten.
Dr. Detlef Krause lobte in diesem Zusammenhang die "sehr tolle Kooperation mit dem Foto- und Filmclub". Man versuchte gemeinsam, den Alltag in Kriftel über die Jahrzehnte hinweg exemplarisch aufzuzeigen. Im Erdgeschoss des Rat- und Bürgerhauses liegt der Fokus der Ausstellung auf dem Strukturwandel der Gemeinde, des hiesigen Siedlungsraumes. Es wird gezeigt, wie sich das Ortsbild nach und nach verändert hat. In der Galerie im ersten Stock liegt dann den Schwerpunkt eher auf dem "wahren Leben", dem "wirklichen Alltag", so Dr. Krause. Objekte und Szenen aus dem Alltag werden im direkten Vergleich "früher und heute" gegenübergestellt.
Grüße und Genesungswünsche schickte Dr. Krause in Richtung von Bernd Reimann, dem Vorsitzenden des Foto- und Film-Clubs, der an diesem Abend leider krankheitsbedingt verhindert war. Auch das jahrzehntelange Wirken von Gerhard Jäger würdigte der Gemeindearchivar, zahlreiche ausgestellte Fotos wurden einst von diesem geknipst.
Beschwingte Saxophonklänge
Für die musikalische Untermalung der Vernissage sorgte mit Horst Debnar Daumler ebenfalls ein Mitglied des Foto- und Film-Clubs. Am Saxophon präsentierte er zwischen den Redebeiträgen launige Songs wie "Blue Skies" von Ella Fitzgerald oder "What A Wonderful World" von Sam Cooke.
23 Gegenüberstellungen "einst und jetzt"
Schließlich trat mit Carol Wanske noch eine Vertreterin des Foto- und Film-Clubs an das Podium auf der Bühne im Foyer des Rat- und Bürgerhauses. Wanske hob die Leistungen des Vereinskollegen Bernd Reimann hervor: Dieser habe das vom Team abgestimmte Layout der einzelnen Poster in mühevoller Arbeit umgesetzt.
Als Dr. Detlef Krause an den FFC herantrat und fragte, ob sich dieser vorstellen könne an der Gestaltung dieser Jubiläumsausstellung mitzuwirken, sagten dessen Mitglieder gerne zu. Als Krifteler Verein sei es für den FFC eine Selbstverständlichkeit, dass man die Gemeinde und andere Organisationen fotografisch unterstützt, stellte Wanske fest.
Neun Mitglieder des FFC haben sich an der Fotoaktion zu dieser Ausstellung beteiligt: Christine Diegelmann, Hans-Joachim von Kiel, Chris Monts de Oca, Horst Raab, Bernd Reimann, Sven Sander, Ingrid Steinmel, Carol Wanske und Thomas Wiegand.
Dr. Detlef Krause hatte sein Archiv für die FFC-Mitglieder geöffnet, und jeder suchte sich zwei bis drei Bilder aus, die in das heutige Kriftel fotografisch transportiert wurden. Während der Arbeit entstanden nette Begegnungen mit Krifteler Bürgerinnen und Bürgern sowie Personen des öffentlichen Lebens, aus denen manchmal wertvolle Hinweise zu alten Bildern hervorgingen.
Die Ausstellung zeigt nun in der Galerie des Rat- und Bürgerhauses insgesamt 23 historische Bilder, die Fotografien von heute gegenübergestellt werden.
Carol Wanske äußerte abschließend die Hoffnung, dass die Ausstellung zum Erinnern an das Kriftel von damals ebenso anregen kann wie an das Nachdenken über die Fortschritte und Entwicklungen in der Gemeinde bis in die Gegenwart hinein.
Wer es im Oktober nicht mehr ins Rat- und Bürgerhaus schafft, der bekommt im November eine zweite Chance zur Betrachtung der ausgestellten Tafeln: Dr. Detlef Krause kündigte an, dass diese dann nochmal im Heimatmusem zu sehen sein werden.




Kommentare