Es war ein ganz besonderer Tag für die Auferstehungsgemeinde in Kriftel. Entsprechend gut hatte man sich vorbereitet. Viele Ehrenamtliche waren schon im Vorfeld tätig, um einen würdigen Empfang nach dem Gottesdienst zu gestalten. So konnte man Suppe genießen, sich am Kuchenbuffet erfreuen, mit einem Gläschen Sekt auf die neue Pfarrerin anstoßen oder eine von den über 200 Tassen Kaffee trinken. Gute Gespräche ergaben sich ganz von selbst.
Das Wichtigste war natürlich der feierliche Gottesdienst um 15 Uhr. Zahlreiche Menschen aus der Auferstehungsgemeinde konnte man antreffen. Auch Bürgermeister Christian Seitz, der Vorsitzende der Gemeindevertretung Alexander Feist, die Pfarrerinnen Carmen Schneider und Ivonne Heinrich sowie viele Gäste, unter anderem aus Bad Homburg, der früheren Wirkungsstätte von Melanie Khalil, wollten den besonderen Gottesdienst nicht verpassen. Der feierliche Einzug von Propst Oliver Albrecht, Dekan Dr. Martin Fedler-Raupp, Pfarrer Reinhardt Schellenberg, Pfarrer Andreas Hannemann, Pfarrerin Melanie Khalil, Samuel Khalil und Mitgliedern des Kirchenvorstands der Auferstehungsgemeinde wurde begleitet durch die Musik „Trumpet Tune“ von Henry Purcell. Dabei spielte Kirchenmusikerin Kristel Neitsov-Mauer auf der Orgel. Marcel Benk hatte die Begleitung mit der Trompete übernommen.
Der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Thomas Milkowitsch, übernahm die Begrüßung der Anwesenden. Er betonte noch einmal, wie froh alle über das Ende der zweieinhalbjährigen Vakanz seien und lobte die Auferstehungsgemeinde für die gute Bewältigung der Zeit. „Gemeinde lebt vom gemeinsamen Dienst.“
Die Ordination wurde von Propst Oliver Albrecht vorgenommen. Er richtete sehr persönliche Worte an Melanie Khalil, bei der gerade mehrere Lebensstränge zusammenlaufen: Der Start in den Beruf, der für sie Berufung ist und für den sie ihre Karriere als Architektin aufgegeben hat, und der Beginn ihres Lebens als Mutter von einem kleinen Mädchen. Zur Stärkung hatte Propst Albrecht für sie den Vers 105 aus Psalm 119 ausgesucht. „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“, heißt es dort. Dies bedeute, dass Gott immer da sei, man alles Schritt für Schritt bewältigen und die Zukunft getrost Gott überlassen könne, erläuterte er. Albrecht riet der Pfarrerin weiter, in ihrem Dienst, bei dem immer der Mensch, der ihr gerade gegenübersitzt, der wichtigste sei, auch den Umgang mit sich selbst im persönlichen Gebet und in stiller Zeit zu pflegen. Propst Albrecht ist sicher, dass Melanie Khalil auch in Kriftel, genauso wie bei ihrem Vikariat in der Erlöserkirche in Bad Homburg, die Menschen bewegen, berühren und begeistern wird.
Dekan Dr. Martin Fedler-Raupp betonte in seiner kurzen Ansprache, dass die Kraft von uns Christen groß sei, weil wir mit Gott zusammengehen. Er wünschte für Melanie Khalil „Gottes Segen für den Neuanfang“.
Neben Propst Albrecht sprachen ihr Ehemann Samuel Khalil, Thomas Milkowitsch und Pfarrer Andreas Hannemann aus der Gemeinde der Erlöserkirche in Bad Homburg Segenswünsche für die neue Pfarrerin.
„Mach dir keine Sorgen“
Dann war es an der Zeit für die Predigt von Melanie Khalil. Sie habe sich gedacht, die Predigt bei ihrer Ordination müsse „die Predigt ihres Lebens“ werden, also die beste die sie jemals gehalten habe. Aber dann kam alles schneller als gedacht, anders als sie es sich vorgestellt hatte und alles gleichzeitig: neue Gemeinde, Bewilligung des Adoptionsantrags, der Einzug der Tochter. Sie mache sich Sorgen, wie sie den Spagat zwischen Fläschchen, Windeln und Predigt schaffen könne. Sie bedankte sich, dass sie in Kriftel so eine lebendige, herzliche und engagierte Gemeinde angetroffen habe, die ihr viel Unterstützung und Verständnis entgegenbringe.
Sich zu sagen, „mach dir keine Sorgen“, helfe nicht wirklich, stellte sie klar. Man brauche einen Perspektivwechsel weg von den Sorgen, hin zum Vertrauen zu Gott. Die Kraft dazu könne man aus den Worten von Jesus in der Bergpredigt ziehen. „Sorgt euch nicht um euer Leben“, heißt es dort und weiter „trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ Sie selbst merke, dass sie, wenn sie sich bewusst Zeit für Gott nehme und bete, sie innerlich ruhig werde. In ihrem Leben sei durch die Erfahrungen, die sie mit Gott gemacht habe, das Vertrauen gewachsen. Je mehr Zeit sie mit Gott im Gebet oder in Zwiesprache bei einem Spaziergang verbracht habe, desto stärker sei ihr Vertrauen geworden. „Gott ist mein König, mein Chef und ich bin sein Königskind“, sagte sie aus voller Überzeugung. Und an die Gemeinde gerichtet: „Lassen Sie sich auf den König ein!“
Herzlich willkommen
Gruß- oder Willkommensworte müssen nicht unbedingt gesprochen werden, gesungen haben sie wahrscheinlich eine noch größere Wirkung. Der Singkreis der Auferstehungsgemeinde und das Ensemble Sonorante erfreuten die Zuhörer mit dem Lied „Der Herr segne dich“ von Martin Pepper. Auch der Chor der Evangelischen Kita Vogelnest überbrachte seine Grüße singend. „Hallo, herzlich willkommen“ und du bist ein Volltreffer“, hieß es da.
Pfarrerin Carmen Schneider hatte es sich nicht nehmen lassen, ihre Nachfolgerin in der Auferstehungsgemeinde herzlich willkommen zu heißen. Sie erinnerte sich an ihre eigene Ordination, bei der ihre Tochter 16 Monate alt war. Damals hatte sie ein Stoffeselchen geschenkt bekommen mit den Worten, die Beharrlichkeit eines Esels würde gut zu ihrer Aufgabe passen. Sie brachte auch ein solches Kuscheltier für das Töchterchen von Melanie Khalil mit. Pfarrerin Schneider erinnerte Melanie Khalil daran, dass sie nicht alle Last des Pfarramts allein tragen müsse und sich auch als Pfarrerin nicht aufopfern müsse, sondern sich auch einmal zurücknehmen dürfe. Aus eigener Erfahrung weiß Pfarrerin Schneider, dass die Menschen in der Auferstehungsgemeinde in Kriftel freundlich und jederzeit unterstützend sind.
Gemeindereferentin Christine Krempel begrüßte die neue Pfarrerin im Namen des Pastoralteams der katholischen Pfarrei St. Elisabeth Hofheim-Kriftel-Eppstein. Sie brachte ein Buch mit dem Titel „Katholisch? Never / Evangelisch? Never!“ mit. In dem Wendeband werden augenzwinkernd die Vorurteile zwischen den beiden Konfessionen aufgezeigt. Da das Ziel des Buches die Förderung des Dialogs ist, handelt es sich genau um das richtige Geschenk. Genauso wie für Christine Krempel ist auch für Melanie Khalil die Ökumene ein Herzensthema. Christine Krempel freut sich schon sehr auf die Zusammenarbeit mit der evangelischen Pfarrerin bei ökumenischen Veranstaltungen in Kriftel.
Bürgermeister Christian Seitz betonte, dass die Einführung von Pfarrerin Khalil in ihr Amt ein ganz besonderer Tag für Kriftel sei. Die weltlichen und die kirchlichen Gemeinden hätten schon immer gut zusammengearbeitet und würden eine echte Gemeinschaft bilden. „Willkommen in Kriftel, hier lässt es sich gut leben“, waren seine Worte.
Der Gesprächskreis der Auferstehungsgemeinde freut sich auf den ersten Besuch von Pfarrerin Khalil. Die zehn Frauen, die sich einmal im Monat mittwochs treffen, hoffen, dass das Töchterchen dann mit dabei ist.
Die größte Begeisterung kam zum Schluss. Pfarrer Hannemann aus Bad Homburg, der Melanie Khalil in der Gemeinde der Erlöserkirche zwei Jahre in ihrem Vikariat begleitet hatte, war voll des Lobes: „Sie ist ein Muster an Enthusiasmus und Authentizität, sie hat sich klasse eingebracht. Solche Personen laufen einem nicht oft über den Weg.“
Was soll man da noch ergänzen? Glück gehabt, Auferstehungsgemeinde!




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