Wie waren Sie denn so als Schülerin?
Ich war nicht besonders ehrgeizig, aber was mich interessiert hat, habe ich gerne gelernt. Und ich bin unglaublich gern in die Schule gegangen – ehrlich gesagt weniger wegen des Unterrichts als wegen der Pausen. (lacht)
Warum haben Sie sich mit 19 Jahren ausgerechnet für Latein entschieden?
Mein Vater und mein Großvater waren begeisterte Lateiner. Schon als Kind hörte ich Sprichwörter wie „Plenus venter non studet libenter“ ("Voller Bauch studiert nicht gern") oder „Quod licet Iovi, non licet bovi“ ("Was Jupiter erlaubt ist, ist Ochsen nicht erlaubt"). Irgendwann wollte ich wissen, was dahintersteckt. Deshalb war das humanistische Gymnasium für mich eigentlich die logische Wahl.
Viele halten Latein für eine „tote Sprache“. Was antworten Sie darauf?
Dazu fällt mir eine schöne Anekdote ein: Eines Tages stand an der Tafel in meiner 9. Klasse: „Latein lebt – tötet es!" (lacht) Latein begegnet uns ständig. Unsere Rechtsordnung, unsere Politik, Medizin, Philosophie, viele Fremdwörter – sogar Marken wie Audi oder Volvo tragen lateinische Namen. Wer Latein lernt, versteht nicht nur eine Sprache, sondern entdeckt Zusammenhänge. Deshalb ist Latein alles andere als tot.
Was fasziniert Sie persönlich bis heute an Latein?
Die Präzision der Sprache. Jeder lateinische Satz ist wie ein kleines Rätsel. Man muss genau hinschauen, kombinieren und logisch denken. Das macht bis heute Spaß.
Welcher lateinische Satz oder welches Zitat hat Sie Ihr Leben lang begleitet?
„Mens sana in corpore sano“ ("Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper"). Die Römer wussten schon vor 2000 Jahren, was wir heute "Longevity" nennen. Und „In dubio Prosecco“ - das hilft immer. (lacht)
Wie haben sich Schülerinnen und Schüler in vier Jahrzehnten verändert?
Die Aufmerksamkeitsspannen sind kürzer geworden, und Auswendiglernen fällt vielen schwerer. Deshalb hat sich auch der Unterricht verändert: Wir arbeiten heute viel abwechslungsreicher, mit digitalen Medien, Apps und anderen Zugängen. Gute Lehrer passen ihre Methoden ihrer Zeit an.
Worauf sind Sie rückblickend besonders stolz?
Dass sich Latein an der WGS immer gut behauptet hat. Trotz Spanisch und Französisch haben sich viele Schülerinnen und Schüler bewusst für Latein entschieden. Ich habe ganze Generationen von Krifteler Schülern mit Latinum ins Leben geschickt. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz.
Was haben Ihre Schülerinnen und Schüler vermutlich nie über Sie gewusst?
Dass ich selbst einmal Nachhilfe in Latein hatte. Ausgerechnet bei Caesars Bellum Gallicum. Ich fand das damals furchtbar langweilig. Später habe ich versucht, meinen Schülerinnen und Schülern zu zeigen, dass Latein viel spannender sein kann.
Was werden Sie als Erstes mit Ihrer neu gewonnenen Zeit anfangen?
Ich freue mich darauf, den Wecker nicht mehr nach dem Stundenplan zu stellen – und auf einen Kalender, in dem auch mal nichts steht.
Was hat Sie an Ihrem offiziellen Abschiedsabend besonders berührt?
Der Druidenkessel mit dem Zaubertrank aus meinen guten Eigenschaften war unglaublich kreativ. Da habe ich gemerkt, wie viel Herzblut und Zuneigung in diesem Abschied steckte.
Wenn Sie Ihre 40 Jahre als Lehrerin in einem Satz zusammenfassen müssten – wie würde dieser lauten?
Docendo discimus: Durch Lehren lernen wir. Das gilt für Lehrer genauso wie für Schüler.
Haben Sie einen Traum, den Sie sich jetzt erfüllen möchten?
Ein Konzert der Rolling Stones im Circus Maximus in Rom. Das wär‘s!
Wenn in 20 Jahren ein ehemaliger Schüler an Sie zurückdenkt – woran soll er oder sie sich erinnern?
Dass wir viel gelacht haben – und dass Latein quicklebendig sein kann.

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