Ein gutes halbes Jahr nach Beginn der Zusammenarbeit mit der Syna GmbH und der HORIZONTE-Group AG legte der Gemeindevorstand zur aktuellen parlamentarischen Sitzungsrunde nun den Abschlussbericht „Kommunaler Wärmeplan der Gemeinde Kriftel“ vor.
Bereits im Dezember 2023 hatte die Gemeinde einen entsprechenden Förderantrag gestellt, der im September 2024 endlich positiv beschieden wurde. Dadurch erhält die Gemeinde Kriftel für die Erstellung eines kommunalen Wärmeplans durch einen fachkundigen externen Dienstleister sowie die Organisation und Durchführung einer Akteursbeteiligung eine Förderung in Höhe von 90 Prozent.
Bei einem kommunalen Wärmeplan handelt es sich laut Wärmeplanungsgesetz um eine „rechtlich unverbindliche, strategische Fachplanung, die Möglichkeiten für den Ausbau und die Weiterentwicklung leitungsgebundener Energieinfrastrukturen für die Wärmeversorgung, die Nutzung von Wärme aus erneuerbaren Energien bzw. unvermeidbarer Abwärme sowie zur Einsparung von Wärme aufzeigt und die mittel- und langfristige Gestaltung der Wärmeversorgung für das beplante Gebiet beschreibt“. Ziel ist die Gewährleistung einer treibhausgasneutrale, kosteneffizienten und nachhaltigen Wärmeversorgung bis 2045. "Der erstellte Wärmeplan soll den Transformationsprozess der nächsten zwei Jahrzehnte begleiten, allen Akteuren dafür eine Orientierung bieten und bei allen städtebaulichen Planungen und Entwicklungen berücksichtigt werden", heißt es in der Vorlage des Gemeindevorstands.
Für die erfolgreiche und zielführende Erstellung einer kommunale Wärmeplanung sei es von großer Bedeutung, dass alle relevanten Akteure, insbesondere die Kommunalpolitik und die Öffentlichkeit, beteiligt und informiert werden. Deshalb fand bereits am 13. November 2024, also acht Monate vor dem ersten internen Kick-off Meeting mit Syna und HORIZONTE, eine erste Bürgerversammlung zur Kommunalen Wärmeplanung im der Kleinen Schwarzbachhalle statt. Dort informierten Vertreter der regionalen Netzbetreiber über Inhalt und Ablauf einer solchen Planung sowie über die gesetzlichen Herausforderungen im Bereich des Wärmeplanungsgesetzes und des Gebäudeenergiegesetzes. Zudem schilderte mit Herrn Frieske ein Bürger aus Kelkheim seine persönlichen Erfahrungen mit dem Einbau einer Wärmepumpe in ein Bestandsgebäude.
Es folgte am 12. Januar ein Akteursworkshop zur vierten Sitzung der AG Klimaschutz. "In diesem Rahmen hatte die Politik die Möglichkeit mit dem Projektteam und anwesenden Netzbetreibern über die zukünftige Energie- und Wärmeversorgung der Gemeinde Kriftel zu sprechen. Dazu wurden an drei Stationen die identifizierten Gebiete und vorgeschlagenen Maßnahmen vorgestellt. Im Rahmen eines World Cafés tauschten sich die verschiedenen Akteure über Vor- und Nachteile aus", führt der Gemeindevorstand in seiner Vorlage weiter aus.
Am 21. Januar fand schließlich die zweite Bürgerversammlung zur kommunalen Wärmeplanung im Rat- und Bürgerhaus Kriftel statt. Hierbei wurden, neben den rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen der Wärmeplanung, die Zwischenergebnisse der Bestands- und Potenzialanalyse und die Gebietsidentifikation, sowie die angedachten Maßnahmen der Bevölkerung vorgestellt. Im Anschluss an die Veranstaltung konnten Bürgerinnen und Bürger mit den Verantwortlichen für die kommunale Wärmeplanung in den Dialog treten und sich einbringen.
Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung
Auf Basis der Ergebnisse der Bestands- und Potenzialanalyse wurde die Gemeinde in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete eingeteilt, mit dem Ziel einer realisierbaren und möglichst kosteneffizienten Versorgung des jeweiligen Teilgebiets.
Insgesamt wurden in Kriftel vier solche Teilgebiete identifiziert: Das Gewerbegebiet Kriftel Ost (Gewerbezentrum Kriftel) wurde dabei als Wärmenetzeignungsgebiet eingeordnet. Hier liegt eine hohe Wärmedichte vor. Mit der Abwasserwärme am Ablauf der Kläranlage steht ein großes Potenzial für die Wärmeversorgung zur Verfügung.
Kriftel Süd-West („Auf der Hohlmauer“) hingegen gilt als Prüfgebiet. Hier soll die Möglichkeit eines Anschlusses an das geplante Hofheimer Wärmenetz geprüft werden.
Der Ortskern wird als Einzelversorgungsgebiet angesehen. Auch hier ist die Wärmedichte hoch, jedoch wurden keine Potenziale für Wärmequellen im Bereich Erneuerbarer Energien ausfindig gemacht.
Das gilt auch für die restlichen Gebiete der Gemeinde: "In allen weiteren Bereichen Kriftels sind keine hohen Wärmeliniendichten oder besonders relevante Potenziale zur Errichtung eines Wärmenetztes erkennbar."
Auf Basis des Zielszenarios wurde eine Umsetzungsstrategie entwickelt. Sie enthält einen strategischen Fahrplan, Handlungsstrategien und einen Maßnahmenkatalog, der folgende Punkte beinhaltet:
- Strategie zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung für kommunale Liegenschaften
- Einberufung einer Arbeitsgruppe Wärmewende
- Frühzeitige Erstellung von Energiekonzepten bei Erschließung von Neubaugebieten
- Bewerbung des bestehenden Beratungsangebots zu Sanierung
- Strategieentwicklung „Wärmenetzgebiete“ im Rahmen der Arbeitsgruppe Wärmewende
- Untersuchung der Potenziale der Kläranlage zur Nutzung in zukünftigen Wärmenetzen
- Untersuchung der Anschlussmöglichkeiten an entstehende Wärmenetze in den Nachbarkommunen
- Integriertes Quartierskonzept für das Teilgebiet „Kriftel Ortskern“
- Laufende Kommunikation mit dem Gasnetzbetreiber zur Gasnetztransformationsplanung für Kriftel
- Laufende Kommunikation mit dem Stromnetzbetreiber zur Zielnetzplanung Strom für Kriftel
Außerdem wurden eine Verstetigungsstrategie sowie eine Kommunikationsstrategie erarbeitet, um die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung nachhaltig in der Praxis zu verankern. Zudem ist eine kontinuierliche Beteiligung der Öffentlichkeit und aller weiteren relevanten Akteure geplant.
Als nächstes soll nun der Maßnahmenplan abgearbeitet werden. Darüber hinaus sei es notwendig, den Wärmeplan regelmäßig an eine sich verändernde Lage anzupassen und fortzuschreiben. Dies soll alle fünf Jahre geschehen.


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