Gemeinsam mit der Syna GmbH erstellt die Gemeinde Kriftel derzeit ihre Kommunale Wärmeplanung (KWP), um hier die zukünftige Wärmeversorgung klimaneutral, wirtschaftlich und sozial verträglich zu gestalten. Auf diesem Wege soll das gesetzlich angestrebte Ziel der Klimaneutralität bis 2045 möglichst erreicht werden.
Im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung wurde mittlerweile die dazugehörge Bestands- und Potenzialanalyse fertiggestellt. Grund genug, um den Syna-Kommunalmanager Florian Bienias zur Sitzung des Planungsausschusses am Montag, 8. Dezember, einzuladen. Dieser stellte dort die entsprechenden Ergebnisse mit einer Präsentation ausführlich vor.
Im Zuge der Bestandsanalyse wurde ein Wärmesteckbrief für die Gemeinde Kriftel erstellt, demzufolge hier ein spezifischer Wärmebedarf von durchschnittlich 97,6 kWh pro Quadratmeter besteht. Hauptenergieträger ist derzeit mit weitem Abstand Erdgas, das bei der Heizungstechnologieverteilung einen Anteil von erdrückenden 79,6 Prozent einnimmt. Weit abgeschlagen auf Platz 2 folgt das Heizöl mit 13,9 Prozent, die restlichen 6,5 Prozent verteilen sich auf Heizstrom, Biomasse, Wärmepumpen und Flüssiggas - und spielen damit noch kaum eine Rolle in Kriftel.
Die CO2-Emissionen im Bereich Wärme betragen dabei gute 26.200 Tonnen pro Jahr. Die meisten Gebäude in der Gemeinde sind zumindest teilsaniert (57 Prozent), 24 Prozent gelten der Bestandsanalyse zufolge als vollsaniert, bei 19 Prozent unsanierten Häusern. 39 Prozent der Heizungsanlagen sind 15 Jahre alt oder jünger, 51 Prozent stammen aus den Jahren 1990 bis 2010, acht Prozent sind älter als 35 Jahre und zwei Prozent sogar über 55 Jahre alt. Als Grundlage für diese Erhebung wurden die Daten der Schornsteinfeger verwendet, deshalb gelten diese Werte als sehr genau und aktuell.
Dieser hohe Anteil an nicht erneuerbaren Energien bei der hiesigen Wärmegewinnung muss sich natürlich massiv verschieben, damit man überhaupt eine Chance hat in 20 Jahren die ausgerufenen Klimaziele zu erreichen. Bei der Potenzialanalyse wurden deshalb diverse mögliche Energiequellen in Bezug auf Kriftel genauer unter die Lupe genommen, wie Biomasse, Abwasser, Geothermie, industrielle Abwärme, Müllverbrennung, Oberflächengewässer, Umgebungswärme, Solarthermie und Erneuerbare-Energien-Strom (EE-Strom).
Was in Kriftel nicht möglich ist
Einige mögliche Stromquellen konnten für Kriftel angesichts der hiesigen Gegebenheiten direkt ausgeschlossen werden: Für industrielle Abwärme käme nur eine Firma in Frage, und selbst die produziert Abwärme nur in geringem Maße. Die Müllverbrennung eignet sich für Kriftel nicht, da der dazu notwendige Müll nicht der Gemeinde gehört. Zur Durchführung von sogenannten "Power-to-X-Prozessen" , also der Umwandlung von überschüssigem erneuerbarem Strom in beispielsweise Wasserstoff, stehen nicht ausreichend Stromüberschüsse zur Verfügung. Und derzeit gibt es in Hinblick auf Kriftel auch anhand regionaler Untersuchungen keine Hinweise auf potenziell ergiebige Erdschichten, weshalb das Thema Tiefen-Geothermie wegfällt.
Klärwerk auf eigener Gemarkung als Chance
Vor allem habe man bei der Potenzialanalyse für Kriftel das Abwasser (Kanalnetz und Kläranlage) sowie die Umgebungsluft als vielversprechend identifiziert. Das Abwasser sei eines der größten lokalen Potenziale, über die man in der Gemeinde verfügt.
Was heißt Abwärme aus Abwasser? Je nachdem, wo man ansetzt, kann man hierfür unterschiedliche Technologien verwenden. Man kann beispielsweise in großen Kanalsammlern Wärmetauscher installieren. So könnte man direkt aus dem Abwasser aus dem Kanal Wärme entziehen. Dabei liegen in der Regel relativ konstante Temperaturen vor. Warme Abwasser, beispielsweise aus der Waschmaschine oder der Dusche, können in den Kanal geleitet werden, und so kann man dort auch die Wärme wieder zurückgewinnen.
Die Abwassertemperatur kann vor und nach der Kläranlage entnommen werden - jedoch ist es für die Kläranlage selbst nicht so gut , wenn dies vor selbiger geschieht, deshalb macht man das meist nicht. Die Entnahme nach der Kläranlage könnte man aber tatsächlich intensiver prüfen, da Kriftel eben auch über ein eigenes Klärwerk auf hiesiger Gemarkung verfügt.
Will man hierfür in den Kanal hineingehen, braucht man eine gewisse Durchflussmenge, und da ist das Kanalnetz die relevante Größe. Diesbezüglich wurde deshalb geprüft, wo sich hier die großen Kanalsammler befinden, wo man gegebenenfalls nicht unbedingt gleich ein komplettes Netz, jedoch bestimmte Gebäude einfach mal anschließen könnte. In Eschborn wird genau dies gerade diskutiert: Im Zuge der Sanierung und Erweiterung des dortigen Rathauses überlegt man aktiv, ob man die Abwärme aus einem parallel verlaufenden Kanal für das Gebäude künftig nutzen kann.
Geht man von einer Quellleistung von 1,4 Megawatt aus und würde man eine kleine Wärmepumpe von nur 0,35 Megawatt installieren, würde man bei einer Jahresarbeitszahl von 4 immerhin eine mögliche Wärmepumpenleistung von 1,75 Megawatt gewinnen. Damit hätte man bei einem reinen Einsatz im Sommer ein Potenzial von 7 Gigawatt pro Jahr, oder bei ganzjähriger Nutzung von 15,3 Gigawatt. Damit könne man durchaus schon ein nicht ganz kleines Wärmenetz speisen, deshalb wird die Syna dieses Potenzial der Abwärmenutzung von Abwasser aus der Kläranlage auf jeden Fall noch näher untersuchen, weil dies wohl das größte bereits vorhandene Potenzial in Kriftel darstellt.
Bürgerversammlung am 21. Januar
In diesem Zusammenhang wird am 21. Januar von 19 bis 21 Uhr im Rat- und Bürgerhaus eine Bürgerversammlung stattfinden. Dort werden der Bevölkerung die Bestandsanalyse, die Potenzialanalyse und die Gebietseinteilung durch die Projektleiter der Syna GmbH vorgestellt. Im Anschluss werden die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben Fragen zu stellen.
Der Kommunale Wärmeplan für Kriftel soll bis Ende März 2026 fertiggestellt werden.



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