Fertig wird sie wohl nie so ganz sein

Die Schiffsmühle ist nun auch komplett mit der rekonstruierten Technik ausgestattet

GINSHEIM (gus) – Für die regelmäßigen Besucher der Schiffsmühle war es ein fließender Prozess, wie nach der Ankunft der Rekonstruktion eines historischen Ginsheimer Schiffes am Liegeplatz am Rheinufer im Jahr 2011 allmählich ein voll funktionsfähiges Industriedenkmal mit Neuigkeitswert entstand. Nicht alles klappte so schnell wie die Mitglieder des rührigen Vereins „Historische Rheinschiffmühle“ sich das vorgestellt hatten, es gab auch schon Pannen wie den Bruch einer Radwelle, und überhaupt ist der Liegeplatz wegen der schwachen Strömung an der Stelle nicht optimal gewählt, wenn man es rein nach der Funktionalität betrachtet.

 

Aber Herbert Jack und seine Mitstreiter haben Lösungen gesucht und gefunden und nun letztlich das vollendet, was ihr ursprünglicher Traum mit dem Projekt war: Die Nachbauten der Maschinenteile der historischen Mühle stehen nun alle an ihrem Platz, sind miteinander verkuppelt und funktionieren offenbar. Kein Wunder, dass der Schiffsmühlenverein am Sonntag wieder einmal ein großes Zelt auf den Parkplatz an der NATO-Rampe aufbaute und die Fertigstellung der technischen Rekonstruktion mit einer Akademischen Feier groß zelebrierte.
Strahlendes Wetter begleitete die Veranstaltung, bei der alle zusammenkommen sollten, die sich mit dem Projekt verbunden fühlen. Jack schränkte bei seiner Begrüßung ein, dass die Schiffsmühle nun als „beschränkt“ funktionsfähig einzustufen sei. Aber, so seine Bemerkung, von der er zugleich bekannte, dass sie seiner Tochter gar nicht gefallen habe, „mit so einer Mühle ist es wie mit einer Frau: Man wird nie ganz fertig mit ihr“.
Jack erzählte den rund 100 Zuhörern im Zelt, wie sich das Projekt im Laufe der Jahre von der Idee zum heutigen Zustand entwickelt habe. Helfer der ersten Stunde, die ihr Fachwissen über Mühlen und wie man sie baut den Ginsheimern zukommen ließen, wie der Mühltaler (sic!) Karl-Heinz Schanz und der Ingenieurwissenschaftler Professor Hans-Jürgen Holland (Hochschule RheinMain), die im Mittelpunkt der Danksagungen standen.
Finanziell wäre nichts gelaufen ohne den großen Geldgeber beim 500.000-Euro-Projekt. Den fand der Verein letztlich bei der von der Fraport AG mit Mitteln gefütterten „Stiftung Flughafen Frankfurt/Main“. Womit sich erklärte, warum der ehemalige Ministerpräsident Roland Koch Ehrengast der Akademischen Feier war, denn Koch war seinerzeit nicht nur Ministerpräsident, sondern auch Vorsitzende der Stiftung, wie heute sein Nachfolger Volker Bouffier auch. Und er war somit tragend an der Zuwendungsentscheidung für die Ginsheimer beteiligt, die satte 325.000 Euro hoch ausfiel.
Koch lobte in seiner Ansprache den Pioniergeist und die Sturheit von Jack und seinem Verein bei der Verfolgung ihrer Ziele und durfte sich später in der ersten Besuchergruppe von Jack die Funktionsweise der Mühle erklären lassen, inklusive des Aberglaubens der alten Schiffsmüller, der sich in der kleinen „Kleiekotzer“-Holzfigur widerspiegelt.
Die Schiffsmühle stand nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung, die unweigerlich mit vielen weiteren Redebeiträgen gespickt war, wie an einem ganz normalen Besuchstag, für jedermann offen. Nur etwas voller als sonst war es eben. Schon am Pfingstmontag beteiligt sich der Verein wieder am deutschen Mühlentag mit einer größeren Aktion. Aber der Besuch steht jedem auch zu den normalen Öffnungstagen offen, ab Ende der kommenden Woche jeweils mittwochs, samstags und sonntags von 13.30 bis 18 Uhr.

 

 

 

 

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