Okriftel: Mieter für "Hochhauswohnung" gesucht!

Dringender Handlungsbedarf: Aufwändiger und teurer Einsatz für Turmfalken

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„Ich hab’ do so e Problem,“ teilte das Okrifteler Urgestein Erich Hochheimer dem – ebenfalls aus Okriftel stammenden – Bernd Zürn telefonisch mit. Das geschah im Dezember 2025. Schon drei Tage später trafen sich die Beiden auf dem naturbelassenen Hochheimer’schen Gartengrundstück in Okriftel. Es liegt zwischen dem Rotkäppchenweg und der Wasserwerkschaussee. In einem ehemaligen Seitenarm des Maines.

Für Zürn stand schnell fest: Hier besteht dringender Handlungsbedarf! Auf einem dort stehenden Baum – oder vielmehr auf seinem fast geisterhaft wirkenden und zerbrechlichen Rest – hing in circa sechs Metern Höhe ein hölzerner Turmfalkenkasten. Der war tatsächlich bewohnt! Zwei Turmfalken schauten von dort auf die beiden Besucher herunter. Für Zürn ein Grund zur Freude, aber gleichzeitig auch zur Sorge: Dieser Baum konnte beim nächsten stärkeren Wind umfallen!

Jetzt war höchste Eile geboten. Turmfalken beginnen Mitte März mit ihrer Balz und legen ab Mitte April die ersten Eier. Die Jungen verlassen Ende Juli/Anfang August das Nest. Sollte der Nistbaum mit dem Kasten in dieser Zeit umstürzen, wäre die Brut verloren.

Problemlösung in Teilabschnitten

Für den 88-jährigen Zürn begannen turbulente Wochen: Zunächst baute er einen neuen Turmfalkenkasten. 50 x 45 x 40 cm. Zeitaufwand: Mehr als 20 Arbeitsstunden. Das war erforderlich, weil dieser Kasten dauernd Wind und Wetter ausgesetzt ist. Entsprechend sorgfältig wurde er von Zürn gestrichen und mit Teerpappe verkleidet. Für den Weilbacher Rentner war das Neuland. Alle bisher von ihm gebauten Turmfalkenbehausungen befinden sich – wettergeschützt – in Kirchtürmen.

Suche nach dem idealen Aufstellort

Bei der Suche nach dem geeigneten Aufstellort für einen Holzmast mit dem neuen Turmfalkenkasten halfen Zürns Kontakte zur Stadtverwaltung Hattersheim. Dank der guten Unterlagen, über die Benedict Heinrich verfügte, waren bald mehrere geeignete städtische Grundstücke gefunden.

Nach einer Ortsbesichtigung entschied sich Zürn für eine Streuobstwiese zwischen dem Arboretum und dem Friedhof in Okriftel.

Großzügige Spenden

„Wer“, fragte sich Zürn danach, „besorgt mir den Holzmast?“ Mindestens zehn Meter lang, stabil und witterungsbeständig sollte er sein. Gut, dass Zürn sich in den mehr als 40 Jahren seiner Naturschutzarbeit ein wertvolles Netzwerk von Helfer/innen aufgebaut hatte. Dazu gehörte auch die Syna GmbH. Das Mutterunternehmen Süwag Energie AG hatte schon im Jahr 1999 dem BUND Flörsheim insgesamt fünf hölzerne Masten für Störche gespendet und auch aufgestellt. Diese alten Verbindungen zahlten sich jetzt aus. Nach mehreren Gesprächen mit Florian Bienias, dem Kommunalmanager, zeigte sich die Syna wieder einmal von ihrer großzügigen Seite: Die (nicht unerheblichen) Kosten für den Holzmast, seinen Antransport und die Aufstellung übernimmt die Netzbetreiberin.

Warten auf geflügelte Mieter

Am Donnerstag, 13. März, löste die Syna ihr Versprechen ein. In dem etwas unwegsamen Gelände kein Kinderspiel. Vier starke und mit dieser Materie gut vertraute Mitarbeiter sowie ein kleiner Maschinenpark mit Erdbohrer, Hebekran und Kleinbagger waren gut zwei Stunden im Einsatz. Anschließend ragte der Mast zehn Meter aus der Erde, zwei Meter stecken im Boden.

Was jetzt noch fehlt sind die geflügelten Mieter.

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