Die neue Bahn soll schnell wieder schließen

Lichterkette gegen Fluglärm säumte in Gustavsburg kurz vor Weihnachten die Darmstädter Landstraße

 

GUSTAVSBURG (gus) – Rund um die Weihnachtszeit zünden die Menschen gerne ein Lichtlein an und singen heimeliges Liedgut. Auf die Kerzen und Taschenlampen, die sie am Tag vor Weihnachten in der Darmstädter Landstraße in Gustavsburg leuchten ließen, hätten ihre Träger allerdings gerne verzichtet. Doch der Kampf gegen den Fluglärm in der Region ist vielen Bürgern nach der Inbetriebnahme der neuen Landebahn am Frankfurter Flughafen eine Verpflichtung, die keine vorweihnachtliche Pause zulässt. Schon gar nicht, wenn gerade rund um den Gabentisch die „Stille Nacht“ beschworen wurde – denn dieses Lied zu singen hat auch für viele Bürger in der Mainspitze inzwischen eine sarkastische Note.
Es ist eine in der Tat regionale, aber zunehmend gut vernetzte Protestbewegung gegen die Verlärmung von oben, wie sich in Gustavsburg zeigte: Vor den mehreren hundert Menschen, die am Freitagabend, 23. Dezember, dem Aufruf der Bürgerinitiative Mainspitze (BIMS) zur Bildung einer Lichterkette gefolgt waren, kam ein guter Teil auch aus Bischofsheim, aber auch von der anderen Seite des Mains, vor allem aus Hochheim und Flörsheim, derzeit Hochburgen des Lärm-Protestes.
„Stille Nacht, fünf Uhr acht – Deutschland schläft, wir sind wach – 300 Flieger, die Nerven sind blank – Das Haus ist wertlos, die Lunge wird krank – Lasst uns endlich in Ruuuuh – Macht die Landebahn zu...“, lautet der Beginn der gar nicht so weihnachtlichen Variante des „Stille Nacht“-Klassikers, den die BI Hochheim/Flörsheim entworfen hat und die in der Region kursiert. Auch in Gustavsburg wurde der Text den Teilnehmern der Lichterkette von der BIMS auf Handzetteln ausgeteilt und gesungen.
Eine Viertelstunde lang bildeten die Teilnehmer zuvor auf mehreren hundert Metern entlang der Nordseite der Gustavsburger Landstraße die Lichterkette. Viele streckten den vorbeifahrenden Autofahrern ein Plakat entgegen, das die BIMS an ihrem Infostand abgab. Dann strömten die Menschen in der Mitte der Strecke zusammen, um vor dem Brunnen auf dem Platz an der Bushaltestelle „Dr.-Kitz-Straße?g einer kurz gehalten Ansprache zu lauschen. Die Forderungen der Demonstranten sind von den Montagsdemos am Flughafenterminal 1 bestens bekannt und wurden von BIMS-Sprecher Heiko Holefleisch vom Brunnensockel aus noch einmal zusammengefasst.
Nicht nur, dass die Zeitspanne des Nachtflugverbots von den Fluglärmgegnern unbeirrt einheitlich zwischen 22 und 6 Uhr eingefordert wird, während derzeit 23 bis 5 Uhr gilt. Auch die Schließung der gerade eröffneten Landebahn und damit die Selbstbeschränkung des Rhein-Main-Airports auf weniger Flugbetrieb als geplant ist nicht nur im umgetexteten Lied zu hören, sondern inzwischen Bestandteil des Forderungskatalogs der Initiativen der Region, mit denen sich Flughafenbetreiber Fraport und die Politiker auseinandersetzen müssen. Auch die Gustavsburger Demo unterstützte diese deutliche Position im Chor: „Die Landebahn muss weg!?g hieß es am Brunnen aus vielen Kehlen.
Am 16. Januar um 18 Uhr werden die Montagsdemos am Terminal wieder aufgenommen, die Initiatoren aus den verschiedenen Bürgerinitiativen hoffen auf weiter wachsenden Protest. Die Gustavsburger und ihre Gäste zeigten sich kurz vor Weihnachten bei ihrer Kundgebung eher von der ruhigen Seite, aber am Terminal dürfte es dann wieder etwas energischer zu Werke gehen.

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Sicherheitsprüfung
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.


X