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Ein Ort und Werke für das Gemüt Der Maler Joachim Kreiensiek lud in sein Bahnhofs-Atelier ein

Joachim Kreiensiek vor seinem großformatigen Werk "Der Rheinstrom". Der gebürtige Bitburger ist 2017 mit seinem Atelier in die ehemaligen Gustavsburger Bahnhofskneipe eingezogen.

Ein roter Punkt, ein schwarzer Strich auf einem weißen Blatt, eine Fettecke im Raum. Könnte das im Grund jeder und ist das dennoch Kunst? Solche Fragen stellen sich beim Schaffen des Gustavsburger Künstlers Joachim Kreiensiek nicht. Die Werke des Malers passen in das allgemeines Kunstverständnis einer breiten Öffentlichkeit. Hier malt einer kunstfertig, aber eigenwillig. Am vergangenen Wochenende lud Kreiensiek in sein Atelier in die Dr. Herrmann-Straße 23 ein.

Das Atelier ist allerdings nicht ganz so einfach zu finden, kennt doch die Dr Herrmann-Straße im Grunde nur eine bebaute Straßenseite und dort tragen die Häuser alle eine gerade Hausnummer. Auf der anderen Straßenseite befinden sich die Bahngleise. Mit Ausnahme des Bahnhofes und der trägt, wenn man ganz genau nachschaut, die Hausnummer 23. Hat man das historische Bahngebäude als Zielort ausgemacht, hat man allerdings die Werkstatt noch nicht gefunden. Sie befindet sich in einem seitlichen Anbau des Bahnhofs, der ehemaligen Bahnhofskneipe. Betritt man die Räume, taucht man in eine andere Welt ein. Sie dürften ihre beste Zeit in den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehabt haben. Heute Nostalgie pur: Einfachverglasung, Kohleöfen.

Doch der Maler ist zufrieden, hier habe er sein Refugium gefunden, sagt er. Im Sommer warm, im Winter mitunter bitter kalt, das weiß er, denn im Winter 2017 hat er die Räume bezogen. Überall erinnern Accessoires an eine längst vergangene Zeit. Bücher, eine alte Schreibmaschine, ein Röhrenfernseher und zwischendrin die Gemälde. Die Bilder vielseitig, betrachtenswert. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Ein Ort fürs Auge, fürs Gemüt. Einladend, zum Verweilen und Betrachten. Man hat das Gefühl, schon aus diesem Grund hat sich ein Besuch gelohnt.

Ein großer Raum erwartete die Besucher. Klaviertöne der Pianistin Dagmar Steffens unterlegten das Ambiente mit klassischer Musik, passend. Kreiensiek wurde 1961 in Bitburg geboren, studierte 1982-83 Germanistik und Geschichte in Heidelberg und von 1983-93 Kunsterziehung und Politik in Mainz. 1994 erhielt er sein Diplom in Freier Kunst und seither arbeitet er als freier Künstler, lange Jahre in Mainz und seit fast zwei Jahren in Gustavsburg.

Kreiensiek ist nicht festgelegt auf die abstrakte Malerei, obwohl er diese an diesem Wochenende in den Mittelpunkt gestellt haben wollte und mit großen Exponaten aufwartete. Wie „Der Rheinstrom“: ein großes, überwiegend grün gehaltenes Gemälde, oder Landkarten, malerisch aufbereitet, abstrahiert.

Dass er ein gutes Auge hat, das die Realität sucht und findet wird gewahr, wenn man die Treppe zu seiner Wohnung im Obergeschoss hinaufgeht. Landschaftsbilder, eine Schleuse, das Neckarufer. Dabei will er seine Motive nicht romantisieren, es sollen nicht ausgewählt schöne Orte und Motive dargestellt werden, sondern eine Sequenz aus dem Alttag, wie zum Beispiel die Renovierung des Mainzer Landtages.

Manche von Kreiensieks Ölgemälde wirken von weitem betrachtet fast fotorealistisch. Manche verspielt in Farben und Formen, wie die Autos am Neckarufer.

Über Besucher und Kunden in seinem Atelier freut sich der Maler auch über das Wochenende hinaus. Auftragsarbeiten nimmt er gerne an.

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