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Spektakel auf dem Wasser und Traditionen an Land

Das Altrheinfest fand unter besten äußeren Bedingungen regen Zulauf an allen drei Tagen und vier Abenden

Am Eingangstor lässt sich erkennen, wo der Bereich des Altrheinfestes beginnt, an dem die Vereine das Geschehen bestimmen. Sie sind mit ihren Schildern auch einzeln aufgeführt.
(Foto: Steinacker)

GINSHEIM (gus) – Viel hätte passieren können, um den Ginsheimern den Spaß an ihrem Altrheinfest zumindest zeitweise zu nehmen. Stattdessen können Klaus Metzger und seine organisierende Sport- und Kulturgemeinde (SKG) wieder einmal auf vier nahezu perfekte Festtage auf dem Bansen zurückblicken. Am Abend vor dem Festauftakt, in der Nacht zum Freitag, 1. Juni, tobten im Südwesten, westlich des Rheins, selbst noch in einzelnen Stadtteilen von Mainz, wolkenbruchartige Gewitter mit Starkregen. Hätten die den Bansen mit voller Wucht getroffen, wäre es wohl nichts geworden mit dem planmäßigen Auftakt am Freitagabend. So aber zündeten die Altrheinschützen auf dem Dammweg zum vorgesehenen Zeitpunkt ihre Salven zum Anböllern des Festes, das Metzger, Bürgermeister Thies Puttnins-von Trotha und Landrat Thomas Will gemeinsam offiziell eröffneten, begleitet von Fassweinanstich.

Die Besucher aus Nah und Fern erlebten abschließend drei Tage und vier Abende auf dem Bansen, an denen alles seinen gewohnten Gang ging, Die auffälligste Änderung war die ersetzte Schiffschaukel im vordersten Bereich des Geländes. An der Stelle feierte die Weltraumrakete „Rocket Speed 3000“ ihren Einstand in Ginsheim, ein „XXL-Simulator“, der noch nicht lange einem Mainzer Schaustellerunternehmen gehört, allerdings vor schon mehr als 35 Jahren in England gebaut wurde. Drinnen gibt es 42 Sitzplätze, die Passagiere erleben einen Weltraumflug mit Wackeln und Kippen.

Hinter dem Autoscooter und dem Karussell ging es durch den Torbogen aus Vereinstafeln, der den Beginn der Fressgasse kennzeichnet, für die die Vereine mit gewohnt hohem personellen Einsatz sorgten. 

Dabei sind die Traditionen wichtig, die helfen sicherzustellen, dass nicht alle das gleiche anbieten, und doch sind Neuerungen ab und zu erlaubt, so sind vegetarische Gerichte vermehrt zu finden, wie am Pizzastand der Chorgemeinschaft.

Eingehaltene Traditionen beim Altrheinfest waren der Lampionkorso und das Feuerwerk zum Abschluss am Montagabend, das Drachenbootrennen der Kinder am Samstag, das bei nur zwei Teilnehmern (IGS-Schüler besiegen TSV Rope Skipper) allerdings dringend eines Neuanstoßes bedarf.

Zur Tradition entwickelt will sich das Entenrennen des Lions Club, das am Sonntagnachmittag zum zweiten Mal ausgetragen wurde. Das Problem der fehlenden Strömung im Altrhein wollte die Feuerwehr diesmal statt mit einem Gebläse mit einem Wasserschlauch lösen. Dessen Geplätscher sollte wohl Stoßwellen entlang der zwei ins Wasser gelegte Bahnen schicken, wo sich rund 1000 gelbe Entchen tummelten. Doch die Truppe kam auf halber Strecke zum Stillstand, die Sache musste mühsam per Handarbeit und künstlicher Wellenproduktion angekurbelt werden. Schließlich kamen die Entchen doch am zweiten Steg an und die 50 Gewinner konnten gezogen werden.

Derweil ehrte Klaus Metzger auf der Bühne die Gewinner des Drachenbootrennens der Erwachsenen. Die haben offenbar deutlich mehr Spaß an der Bastelarbeit am Gefährt wie an der Anstrengung auf der kurzen Rennstrecke als der Nachwuchs. Alle erhielten für ihre Teilnahme ein Weinpräsent, die „Altrheindrachen“ dazu ein Kistchen Sekt für das am schönsten geschmückte Boot. Sportlich reichte es für die reine Damengruppe, die in Wildkatzen-Kostümen auftrat, aber nicht wirklich vorankam auf dem Wasser, nicht ganz, um mitzuhalten. Die lustige Truppe belegte den neunten und letzten Rang. Achter wurde die Chorgemeinschaft, Siebter der VfB, ein Rang davor lief die Bateria Caipirinha des TSV ein und einen ehrenhaften fünften Platz gab es für die Debütanten des Jahres, die IGS-Lehrermannschaft.

In den zweiten Lauf schafften es der letztlich Viertplatzierte, die Truppe Leibwehgass. „Bronze“ sicherten sich die TSV- Judokas mit 44,04 Sekunden, der TTC (43,16) unterlag im Finale klar dem Seriensieger „Warmachine“ (42,02). „180 Teilnehmer haben großen Sport geboten und für viel Spaß gesorgt“, lobte Metzger die Veranstaltung, den Wanderpokal nahm Kapitän Daniel Kurka für die Siegermannschaft entgegen.

Die „Warmachine“, erläutert Kurka, besteht aus 30 jungen Männern und Frauen im Alter zwischen 21 und 23 Jahren aus Ginsheim, die sich alljährlich ausschließlich für die Drachenbootrennen zusammenfinden und mit ihrer sportlich getrimmten 20er-Auswahl alles hinter sich lassen. Sie sind eben das Bayern München der hiesigen Drachenbootliga, da wird so schnell niemand herankommen, da geht nur etwas über hohe Ablösesummen.

Fester und gut besuchter Bestandteil des Altrheinfests ist der Kindernachmittag am Samstag, wenn sich die Vereinsgruppen präsentieren, die etwas aufführen können, wie die Rope Skipper der TSV. Ansonsten bleibt es dabei, dass die Situation, dass der Bereich vor der Bühne gleichzeitig Haupt-Durchlaufstrecke ist, den unmittelbaren Kontakt der Bands mit dem Publikum verhindert, das zudem vornehmlich auf den Sitzgarnituren gegenüber Platz nimmt und so unter den Schirmen verschwindet.

Das Bühnenprogramm eröffnete am Freitagabend „Frantic“ mit Rock-Klassikern. Der Samstagnachmittag bot im Anschluss an den Kindernachmittag den Newcomern von „Roof Rock“ eine Gelegenheit sich zu präsentieren, ehe am Abend erstmals die vielseitige Band „Windstärke 12“ auf der Ginsheimer Bühne zu hören war.

Der Evangelische Posaunenchor gestaltete am Sonntagmorgen nach dem ökumenischen Gottesdienst den Frühschoppen musikalisch, abends war wieder die Bischofsheimer Band „Trick Bag“ zu erleben. Auch die „Edelweiß Spitzbuam“ aus Mainz, die am Montag den Abschluss des Musikprogramms bildeten, sind an der Mainspitze keine Unbekannten.

Das Finale des Allrheinfestes findet nur zum Teil auf dem Festgelände statt. Dicht bevölkert ist der Dammweg oberhalb, wo sich vor allem die Jugendlichen treffen. Mit dem ersten Knaller des Feuerwerks legt sich eine gespenstige Ruhe über den Bansen. Sämtliche Musikbeschallung ist beendet, nur noch die Raketen am Himmel haben das Wort. Die Ginsheimer schauen gebannt auf das Schauspiel, und dann sind es nur noch 361 Tage bis zum nächsten Altrheinfest, das unter ähnlich guten äußeren Bedingungen stattfinden möge.

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