Land will möglichst wenig mobilen Schutz

Initiative zum Erhalt der historischen Dammmauer lud zu Infotermin an die Kirche

GINSHEIM …

… (ast) – Eine gerade erst gegründete Initiative lud am vergangenen Freitag zum Ortstermin an der Dammmauer ein: Zur Deichsanierung und dem geplanten Abriss der historischen Dammmauer gebe es im Vorfeld zu wenig Informationen, stellte Barbara Schmid von der Initiative „Erhalt der historischen Dammmauer“ fest. Deshalb bat die Architektin, mit dem Einverständnis des zuständigen Regierungspräsidiums Darmstadt (RP), Peter Bader vom Ingenieurbüro „Wald und Corbe“ nach Ginsheim.

Rund 30 Personen ließen sich vor der Kirche mit Blick auf die Dammmauer, über die verschiedenen Varianten zur Deichsanierung informieren. Sowohl Bürgermeister Richard von Neumann, Vertreter der Gemeindeverwaltung, der Parteien, des Heimat- und Verkehrsvereins (HVV), des evangelischen Kirchenvorstands und Anwohner waren vor Ort, um ihre Fragen zur Dammsanierung an den zuständigen Ingenieur zu richten.

Schutz auch mit historischer Dammmauer

Waren bei der Bürgerversammlung vor zwei Wochen nur noch Varianten vorgestellt worden, die den Abriss der historischen Dammmauer vom Kindergarten bis zur Schwarzbachmündung vorsahen, rückte jetzt deren Erhalt in den Mittelpunkt der Betrachtung.

Der Ingenieur machte deutlich, dass die Variante, bei der im Fall von Hochwasser eine mobile Wand auf dem Damm aufgestellt wird, die Fahrbahnbreite für Rettungsfahrzeuge verengt. Aus wasserbaurechtlicher Sicht wäre diese Variante, bei der die Dammmauer erhalten bleibt, durchaus genehmigungsfähig, betonte Bader. Der Hochwasserschutz sei hier gesichert.

Das Land Hessen, als Eigentümer des Damms, werde dagegen nicht zustimmen, ist sich der Ingenieur sicher. Um die 20 Personen würden gebraucht, um die mobilen Elemente aufzubauen. Die Gemeinde müsse in diesem Fall eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, dass sie diesen Einsatz leisten kann, machte er deutlich.

Bis zu 120 Kräfte müssten geschult werden, damit die Wand im Ernstfall reibungslos aufgebaut werden könne, schätzte Otmar Weiler von der Gemeindeverwaltung Ginsheim-Gustavsburg. Insgesamt habe die Doppelgemeinde rund acht Kilometer Deich zu verteidigen, plädierte er für möglichst viel stationären Schutz ohne lästiges Aufbauen von mobilen Elementen.

Wenn die mobile Wand auf der Wasserseite vor die Dammmauer gestellt würde, sei die Rettungswegbreite auf dem Deich gesichert, bestätigte Bader auf Anfrage der Initiative. Bei dieser bisher nicht vorgestellten Variante würden die Spundwände samt Verankerung für die mobilen Teile näher an die Grünanlage heranrücken.

„Die Baumreihe müsste fallen“, vermutete Bader. Außerdem werde der Retentionsraum für das Hochwasser um geschätzte 1000 Kubikmeter verringert, machte er auf eine weitere Konsequenz aufmerksam.

„Hängen nicht an den Bäumen“

Rudolf Guthmann hat andere Prioritäten: „Wir hängen nicht an den Bäumen, wir hängen an der Mauer.“ Der Ortslandwirt und CDU-Vertreter betonte, dass die in den 1950er-Jahren gepflanzten Ahornbäume damals eine billige aber keine gute und passende Lösung zur Begrünung gewesen seien. Er plädierte für deren Fällung und eine Neuanpflanzung von Platanen.

Auch das Unterfangen und damit das Stabilisieren der Natursteindammmauer als einziger Hochwasserschutz wurde erörtert. Immerhin habe diese Mauer die Ginsheimer seit fast 120 Jahren sicher vor den Fluten geschützt, verdeutlichte Guthmann.

Der Wunsch des Landes Hessens sei: „Möglichst viel stationärer Schutz, möglichst wenig mobil“, betonte Bader. Deshalb werde der Abriss der historischen Mauer und der Bau einer neuen Betonmauer favorisiert. Um einem 200-jährigen Hochwasser zu trotzen, müsse die Betonmauer im Mittel 1,30 Meter hoch sein. An der Rheinstraße sogar 1,95 Meter.

Da die Mauer ortsbildprägend sei, habe man der Empfehlung der Oberen Denkmalbehörde Rechnung getragen. Eine 1,05 Meter hohe Betonmauer mit 30 Zentimeter mobilem Aufsatz, die ab Kirche bis Schwarzbachmündung wasserseitig mit Naturstein verblendet werde, sei die Lösung, die bezahlt würde, brachte Bader die sogenannte Vorzugsvariante des RP ins Spiel. Die Innenseite zeige hier gefärbte Matrizen.

„Es ist nicht die alte Mauer,

es ist ein Kompromiss“

Bürgermeister Richard von Neumann warf ein, dass die Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg zurzeit mit der zuständigen Behörde verhandele. Man wolle, dass die Betonmauer auf allen Seiten mit Sandstein verblendet wird, hoffte der Bürgermeister auf vom Land bezahlte optische Verbesserungen. „Es ist nicht die alte Mauer, es ist ein Kompromiss“, gab von Neumann zu.

Die Gemeinde müsse ihre Stellungnahme an das RP noch vor den Sommerferien abgeben, betonte er. Deshalb solle jetzt im Gemeindeparlament (22.) darüber endgültig abgestimmt werden. Eine längere Bedenkzeit von zwei Monaten, forderte darauf der ehemalige Erste Beigeordnete Hans-Benno Hauf.

„Besonders verschönernde Maßnahmen sind von der Gemeinde zu tragen“, erwiderte Bader in Richtung Bürgermeister. Eine vollständige Verkleidung der Betonmauer mit Sandsteinverblendung werde rund 400 000 Euro kosten, schätzte er.

Dagegen koste die sogenannte Vorzugsvariante, die eingefärbte Betonmauer mit einseitiger Verblendung, aber auch die Variante mit dem Erhalt der Dammmauer und der mobilen Wand jeweils 1,4 Millionen Euro. Diese Kosten trage das Land vollständig.

„Es wird nie die alte Mauer sein“, stellte auch Erwin Dürr vom Vorstand des HVV fest. Er forderte im Namen seines Vereins ebenfalls den Erhalt der historischen Dammmauer. „Mir geht es um die Sicherheit, nicht nur um die Mauer“, hielt Franz Birle, Erster Beigeordneter, entgegen.

„Wenn die Mauer unter Denkmalschutz stünde, müssten Alternativen erarbeitet werden“, plädierte Barbara Schmid abschließend noch einmal für eine genaue Prüfung der Hochwasserschutzvarianten, bei der die Dammmauer erhalten bleibt. „Nicht hektisch reagieren, sonder in Ruhe alle Alternativen prüfen“, appellierte Oleg Cernavin von der Initiative an die Kommunalpolitiker.

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