Annäherung an einen Normalzustand

Bürgermeister und Kulturamtsleiter Bernd Blisch stellt umfangreiches Kultur-Halbjahresprogramm vor

Ihm sei es „wichtig, dass die Kultur in Zeiten von Corona nicht vollends zu Erliegen kommt“, schreibt Bürgermeister Bernd Blisch im Grußwort zum neuen Veranstaltungskalender der Stadt. Nun, könnte man einwenden, sie war zum Erliegen gekommen: In Flörsheim wie überall gab es über Monate keine Musikveranstaltungen oder Kleinkunst zu sehen, die einschlägigen Örtlichkeiten mussten die Pforte eine ganze Weile schließen.

Der Kalender solle zeigen, dass die Stadt "die Kulturarbeit dem Corona-Virus nicht kampflos preisgibt". Der vom Kulturamt erstellte und vom Magistrat herausgegebene Kalender ist als 44-seitige, gedruckte Broschüre ab sofort in Rathäusern und städtischen Ämtern erhältlich, online unter

abzurufen. Er führt Veranstaltungen für den Zeitraum seit Monatsbeginn bis Februar 2021 auf und sieht auf den ersten Blick wie eine ganz normale Broschüre mit den Ankündigungen und Kurzbeschreibungen der kulturellen Angebote aus. Aber es muss doch einiges anderes laufen als gewohnt, um sich zumindest wieder einer normalen Anzahl an „Events“ anzunähern.

Größere Zusammenkünfte werden aber auch bis auf weiteres nur an einer Stätte in Flörsheim möglich sein, und das ist die Stadthalle. In die wurden viele Veranstaltungen verlegt, die sonst in heimeliger Atmosphäre, bei dicht gedrängt sitzendem Publikum im Flörsheimer Keller oder in der Kulturscheune stattgefunden hätten. An solche Situationen, so sehr sie zum tollen Flair eines Konzertes oder eines Kleinkunstvortrages beitragen, ist in diesen eher kleinen Räumlichkeiten nicht zu denken.

Auch in der Stadthalle wird es eine Beschränkung von 100 Teilnehmern pro Veranstaltung geben, wie sie etwa auch die bestuhlten Veranstaltungen in der Kulturscheune umfassen. Dabei wird mit der halben Saalgröße kalkuliert, durch die Öffnung der Wände zu den Nebensälen könnten theoretisch jeweils 20 weitere Plätze hinzukommen. Das übliche Platzangebot etwa im Flörsheimer Keller lässt sich damit darstellen und eine normale Größenordnung an Publikum erreichen.

Auch im Keller und im Mainturm sind zwar wieder öffentliche Veranstaltungen möglich, aber – das lässt sich an den Abstandsregeln leicht ausrechnen – nur im kleinen Rahmen. Hier gibt es, wie etwa auch in der Stadtbücherei, stets eine ganze Reihe Angebote, die sich nur an einen kleinen Kreis Interessenten, etwa Kleinkinder, richten. Sie können zumindest der Teilnehmerzahl nach daher im üblichen Rahmen stattfinden. Wie sehr die Hygiene- und Abstandsregeln das Vergnügen beeinträchtigen, hängt vom Charakter der Veranstaltung ab.

Seit dem Lockdown im März entfallene Termine vor allem der Kleinkunst versuchte das Kulturamt als Nachhol-Veranstaltungen in dem Kalender unterzubringen. Das hat zu einem sehr großen Anteil auch geklappt, so werden Heinz Gröning (8. Oktober), Anne Haigis (19. November) und Walter Renneisen (4. Dezember) ihre im Frühjahr ausgefallenen Auftritte in der Stadthalle nachholen. Nur für Alice Hoffmann ließ sich in der guten Stube einfach kein Termin finden, der den Planungen beider Seiten entsprach, erläutert Blisch.

Ganz auszuschließen ist nicht, dass die eine oder andere im Kalender angekündigte Veranstaltung wegen der Auflagen kurzfristig ausfallen muss. Auf manche wiederkehrende Veranstaltung verzichtet die Stadt derzeit zudem lieber, als sie unbedingt unter den Corona-Bedingungen durchzuziehen. „So ein Weinseminar macht einfach keinen Sinn, wenn man dabei weit voneinander entfernt sitzen muss“, nannte der Kulturamtschef als Beispiel.

Letztlich musste die Stadt den Kalender unter Annahme des längerfristigen Fortbestandes der derzeit gültigen Corona-Regelungen treffen. Nicht ganz auszuschließen, dass sich im Laufe des Jahres, vor allem aber zum Jahresbeginn 2021 der Sachstand verändert. Die Broschüre weist die Besucher deshalb rot gedruckt und umrahmt darauf hin, dass sie sich am Veranstaltungstag über die aktuellem Abstands- und Hygienebestimmungen informieren sollten. Nach aktuellem Sachstand werden alle Besucher der Veranstaltungen registriert, sind angehalten, die bereitstehenden Desinfektionsmittel zu nutzen und müssen bis zum Erreichen des Sitzplatzes die Mund-Nasen-Maske tragen.

Es gibt im Kalender aber nicht nur Nachgeholtes oder Regelmäßiges, sondern auch Mut und Muße zu Neuem. So bietet die Theaterpädagogin Petra Spies in Kooperation mit der Stadt am 29. Oktober sowie 5. und 12. November in der Kulturscheune „Kultur im Rampenlicht“ an. Bei diesem Kurzseminar will Spieß Seniorinnen und Senioren zum Theaterspielen anregen. Nicht auf eine Aufführung arbeiten die Teilnehmer hin, sie sollen einfach die Freude daran spüren, gemeinsam etwas Neues auszuprobieren.

Die Vereine hatte die Stadt diesmal gar nicht erst angefragt, ob sie etwas zum Kalender beizutragen haben, denn da wäre nichts Verlässliches zu verkünden gewesen. Die Fastnacht wird flachfallen, erwartet Blisch, auch wenn die Absagen der beteiligten Vereine nun erst allmählich versendet werden und der FNC die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, dass etwas möglich sein wird. Im Kalender gibt es einen Hoffnungstermin, der mit einem Komplettausfall der Fastnacht ebenfalls nicht stattfinden werden: der Kreppelkaffee Anfang Februar.

Virtueller Bürgerempfang

Stattfinden, aber nur virtuell, werden der Festakt und Bürgerempfang zum 3. Oktober. Statt einer wahren und echten Veranstaltung in der Stadthalle wird das Kulturamt sich mit den Preisträgern – Flörsheimerinnen und Flörsheimer, die sich außergewöhnlich stark für das das Wohl der Mitmenschen einsetzen – vorab treffen, ihre Vorstellung und die Preisübergabe filmen und die Videos am Feiertag online stellen, abzurufen über die Homepage der Stadt

sowie ihre Kanäle bei Facebook und Youtube.

Gewagt könnte man es auch nennen, dass die Stadt den Weihnachtsmarkt ankündigt, zum gewohnten Termin am 1. Advent, also am 28. und 29. November rund um die St. Galluskirche. Die Weilbacher haben ihren Wehnachtmarkt bereits abgesagt, die Wickerer überlegen noch. Jenen in der Innenstadt möchte die Stadt möglichst retten, Abweichungen vom gewohnten Rahmen werden unvermeidlich sein. Die Konzepte stehen noch nicht endgültig, aber was auch am Gallusplatz unvermeidlich sein wird, erläuterte Blisch, ist eine strikte Trennung zwischen Essens- und Nichtessensständen. Etwas anders als sonst wird der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt daher auf jeden Fall aussehen, aber es wird ihn geben, wenn die Vereine mitziehen.

Insgesamt investiert die Stadt inklusive der Mieten rund 60.000 Euro in das Kulturprogramm, und ein bisschen lässt Blisch durchblicken, dass es ihm auch um die Errettung der Kulturtreibenden aus dem tiefen Loch geht, in die sie durch Corona unverschuldet geworfen wurden. Durch die Nachholtermine ist das Programm sogar etwas voller geraten als sonst in diesem Halbjahresprogramm.

Noch keine Bewertungen vorhanden


X