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Handlungsbedarf am Mainufer

Ortsbeirat wünscht Maßnahmen gegen Wildwuchs / dfb schlägt Promenade aus Holzplanken vor

Kitzingens „Stadtbalkon“ – ein Modell für Flörsheim? Wenn es um die Gestaltung des Flörsheimer Mainufers geht, könnte die Uferpromenade der fränkischen Kreisstadt als Vorbild dienen, meinen die Freien Bürger.
(Fotos: Privat)
 

FLÖRSHEIM (noe) – Stadtentwicklung ist ein weites Feld. Ob Infrastruktur (ein in sich sehr komplexes Thema, das bei weitem nicht nur den Straßenbau betrifft), Wohnungsbau, Gewerbe oder auch Naherholung – all das und noch mehr muss sorgfältig unter die Lupe genommen werden. In Konsequenz sind auf Basis der gegebenen Möglichkeiten unzählige Detailfragen zu klären. Das kann die Stadt, im Zusammenwirken von Politik und Verwaltung, nicht alleine stemmen. Externe Hilfe wird benötigt – deshalb brachte Flörsheims ehemaliger Bürgermeister Michael Antenbrink im Frühjahr einen Beschlussvorschlag zur Beauftragung eines Planungsbüros ein.
 

Über diese Vorlage wird noch immer diskutiert. Die Politik ist, nach nunmehr fünf gemeinsamen Sitzungen des Ausschusses für Bau-, Verkehrs- und Umweltfragen und des Haupt- und Finanzausschusses, noch nicht so richtig vorangekommen. Nach mehr oder minder intensivem Brainstorming in den jeweiligen teilthemenbezogenen Sitzungen steht man noch immer am Anfang des Beginns. Zuletzt gab die Politik eine ziemlich vage Absichtserklärung ab: die Stadt soll den Herausforderungen und Bedürfnissen gerecht werden, ohne ihren besonderen Charme zu verlieren.

Die parlamentarische Mehrheit ruft in diesem Kontext nach „politischen Leitplanken“ beziehungsweise „Oberzielen“; im Gegensatz zur SPD will das Viererbündnis vorab geklärt wissen, wohin „die Reise“ gehen soll. Konsens herrscht insoweit, dass zu all den großen und kleinen Fragen Lösungen zu finden sind, die in Summe eine gleichermaßen zukunftsfähige wie lebens- und liebenswerte Stadt ergeben. Es geht, vereinfacht ausgedrückt, darum, wie Flörsheim in 30 bis 40 Jahren aussehen wird. An Baustellen mangelt es also wahrlich nicht. Nicht nur am architektonischen, sondern auch am kulturellen und sozialen Gesicht der Stadt muss gearbeitet werden.

Visitenkarte der Stadt
Das Mainufer ist nicht nur in optischer Hinsicht die Visitenkarte der Stadt Flörsheim. Als Ort der Naherholung, der Begegnung, der Kultur, des Sports und der Gastronomie kommt ihm zweifelsohne eine besondere, herausragende Rolle zu. Dem Zustand des Uferbereichs, insbesondere zwischen Gänskippel und Bootshaus, sollte entsprechende Bedeutung beigemessen werden.

Vor diesem Hintergrund stimmte der Ortsbeirat Stadtmitte in seiner jüngsten Sitzung am 24. Oktober geschlossen dem Antrag der CDU-Ortsbeiräte „zur Verbesserung der Sicht auf den Main und auf Flörsheim“ zu. Jens Weckbach (CDU) hatte, auf die Funktion des Mainufers als Aushängeschild hinweisend, die Zielrichtung des Antrags konkretisiert: Wege und Böschungen seien in einem teils indiskutablen Zustand, allerorten sei Wildwuchs anzutreffen. Es herrsche dringender Handlungsbedarf, so Weckbach, von der Opelbrücke bis zum Artelgraben müssten Bäume und Büsche zurückgeschnitten und die Pflege verbessert werden. Um sich ein Bild von der Gesamtlage zu machen, regte Peter Kluin (GALF) in diesem Zusammenhang einen Ortstermin an.

Das Mainufer soll nach dem Willen der Flörsheimer Ortsbeiräte also wieder in einen ordentlichen Zustand versetzt werden. Der Magistrat wird, falls er dem Wunsche des Gremiums entspricht, den Baubetriebshof mit den Arbeiten beauftragen; für die Wege an der Opelbrücke indes sei größtenteils Hessen Mobil zuständig, so der seinerzeit amtierende Bürgermeister Michael Antenbrink. Die seit langem offene Frage, was über die bloße Pflege hinaus am Mainufer zu richten ist, blieb von dem Beschluss freilich unberührt.

„Lust an kreativen Ideen“
Zu dieser Frage stellen nun die Freien Bürger (dfb) einen Vorschlag zur Diskussion, der aus ihrer Sicht die Lösung für gleich mehrere Probleme am Mainufer sein könnte. Zugleich werde der „Erhalt der Traditionen mit der Lust an kreativen Ideen“ verknüpft, so die Freien Bürger.

Für den dfb-Fraktionsvorsitzenden Thomas Probst ist eine „schön angelegte Uferpromenade direkt entlang des Mains, zwischen Gänskippel und Bootshaus“ folgendermaßen vorstellbar: „Etliche Sitzbänke mit schönem Ausblick auf den Main sowie eine Mainterrasse am Berliner Brunnen laden zu einem Zwischenstopp ein. Die gut angelegten Parkplätze sowie die unterschiedlichen Restaurants im Umfeld der Uferpromenade bieten ein willkommenes Reiseziel für Touristen, ob mit Rad, Pkw oder Wohnmobil.“ Den Gedanken weiterverfolgend, bringt Probst fest installierte Fitnessgeräte, Ladestationen für E-Bikes und auch neu zu schaffende Parkplätze für Wohnmobile ins Spiel.

Was die Wohnmobilstellplätze angeht, hat die dfb-Fraktion nun einen Antrag eingereicht, mit dem sich die kommende Stadtverordnetenversammlung beschäftigen wird. Die Freien Bürger wollen erreichen, dass in der Stadt Stellplätze für bis zu zehn Wohnmobile geschaffen werden. Zu diesem Zwecke sollen, so die Antragsteller, Grundstücke auf ihre Eignung geprüft werden, wobei sie „in ruhiger Lage und aus touristischer Sicht sehr interessant sein“ sollten. „Bei erfolgreicher Prüfung wird in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Ausschüssen ein Konzept für eine zeitnahe Umsetzung erarbeitet“, heißt es im Antragstext weiter. Entsprechende Mittel sollen im Haushalt 2019 unter „Fremdenverkehr/Tourismusförderung“ zur Verfügung gestellt werden.

In der Begründung zu ihrem Beschlussvorschlag nennen die Freien Bürger bereits das Mainufer als geeigneten Standort. Wohnmobiltouristen würden nämlich „generell und nachweislich Plätze an Flüssen und Seen bevorzugen“.

Fränkisches Vorbild
Der am Main liegende Weinprobierstand und das benachbarte Flörsheimer Kunstforum würden von dem Ausbau des Uferbereichs profitieren, sind sich die Freien Bürger sicher. Durch eine Promenade werde Flörsheim aber auch attraktiver für Touristen, was sich wiederum positiv auf die Geschäftswelt in der Altstadt auswirken werde, so der dfb-Fraktionsvorsitzende im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ein Riesenvorteil ist dabei der Rhein-Main-Regionalpark, der mit seinen Routen von Frankfurt bis nach Rüdesheim auch durch Flörsheim führt und mit dem man einen Radurlaub in Flörsheim bequem und sicher kombinieren kann.“

Die Freien Bürger haben bereits eine Idee, wie diese Uferpromenade aussehen könnte – als Vorbild dient das Kitzinger Mainufer. Die gut 21.000 Einwohner zählende Stadt in Franken hat weite Teile des Uferbereichs mit Holzplanken überbaut und damit zusammenhängende, barrierefreie Plattformen in „Stegoptik“ erzeugt. Der von Kitzingen so genannte „Stadtbalkon“ ragt, wie der Name bereits verrät, in den Fluss hinein, an anderer Stelle führen breite Treppen bis ans Wasser. Auf dem Stadtbalkon finden im Laufe des Jahres diverse Veranstaltungen statt, darunter Fitnessevents, aber auch ein Weinfest.

Ob die Stegoptik nun gefällt oder nicht, liegt im Auge des Betrachters. Zu prüfen ist natürlich auch, ob die Kitzinger Variante des Uferausbaus in finanzieller und topographischer Hinsicht in Flörsheim realisierbar ist. Fest steht jedenfalls: im Gegensatz zum Flörsheimer Mainufer gibt es in Kitzingen kein „Wurzelproblem“; unter den Holzplanken verschwinden sämtliche Bodenunebenheiten.
Zudem wirkt das Ufer offener, was der sozialen Kontrolle förderlich ist. Schwer einsehbare Stellen in Verbindung mit schlechter oder überhaupt nicht vorhandener Beleuchtung haben in Flörsheim vor allem in den Nachtstunden für Probleme – nämlich Ruhestörung, Vandalismus und Vermüllung – gesorgt.

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