Der erste sichtbare Fastnachtsakt nach dem Jahreswechsel spielt sich in Flörsheim traditionell am Bahnhof ab. Am Sonntagvormittag marschierten die Garden des Flörsheimer Narrenclubs (FNC) auf dem Bahnhofsplatz auf. Strahlender Sonnenschein, Musik und erste kräftige Kanonenschüsse setzten den Ton für die kommenden, erfahrungsgemäß intensiven Wochen.
Zum festen Ritual gehörten mehrere symbolische Handlungen. Auf dem Vorplatz wurde die Flörsheimer Fahne gegen die vierfarbige Fastnachtsfahne mit FNC Logo ausgetauscht, die aktiven Mitglieder erhielten ihre neuen Orden, Vorstand und Generalstab stimmten die Anwesenden mit kurzen Ansprachen auf die Saison ein. Musikalisch begleitet wurde der Empfang vom Flörsheimer Musikverein.
Neben den Garden präsentierten sich auch die Showtanzgruppen des Vereins, darunter die Fun Factory, deren "Ladies Night"-Sitzung bereits ausverkauft ist. Dass die Flörsheimer Fastnacht längst nicht nur eine Angelegenheit im eigenen Kreis ist, zeigte der Blick in die Reihen. Zahlreiche befreundete Vereine waren vertreten, darunter der FCV, der CCR Raunheim und die Kolpingfamilie Flörsheim.
Nun wurden die ersten Böllerschüsse gezündet. Begrüßt wurden sodann die Gäste unter anderem vom FNC-Vorsitzenden Heinz Schäfer, seinem Stellvertreter Simeon Dimitriadis sowie Stadtverordnetenvorsteher Michael Kröhle. Inhaltlich zog sich ein zentrales Thema durch den Vormittag: die wachsenden Kosten der Fastnacht. Mit dem Kampagnenmotto „Im Fastnachtsrausch und ohne Geld erobern wir die ganze Welt“ spielt der Verein humorvoll auf die finanziellen Herausforderungen an, mit denen viele Fastnachtsvereine kämpfen. Auf den diesjährigen Zugplakettchen ist symbolisch ein Zehn-Pfennig-Stück abgebildet. Es verdeutlicht, dass Frohsinn zwar unbezahlbar ist, die Organisation der Fastnacht durch Auflagen und steigende Veranstaltungskosten jedoch zunehmend teurer wird.
Kröhle nutzte sein Grußwort, um den Ehrenamtlichen ausdrücklich zu danken. „Es ist nicht selbstverständlich, was ihr für die Gemeinschaft leistet. Vereine sind wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagte er. Zugleich wies er darauf hin, dass der Fastnachtszug als Höhepunkt im städtischen Jahreskalender mit erheblichem organisatorischem Aufwand verbunden ist.
Einen feierlichen Höhepunkt bildete die Ordensverleihung im Generalstab. Simeon Dimitriadis erläuterte, dass das Goldene Vlies eine Auszeichnung für besonders verdiente Mitglieder sei, die sich über viele Jahre hinweg mit großem persönlichem Einsatz für die Fastnacht engagierten. Viele Generalstabsmitglieder investierten seit Jahrzehnten erhebliche Zeit, Geld und Arbeit in die Fastnacht. Der Orden stehe deshalb nicht nur für Anerkennung, sondern auch für Verpflichtung, verbunden mit Tugenden wie Verlässlichkeit, Einsatzbereitschaft und Treue zum Verein.
Karsten Schwarz wurde diesmal mit dem Goldenen Vlies ausgezeichnet. In einem traditionellen, närrischen Zeremoniell schlug ihn der Generalstab zum Ritter. Der lang anhaltende Applaus aus den Reihen der Aktiven unterstrich die Wertschätzung für sein Engagement.
Zum Abschluss ging der Blick nach vorn und damit auch zurück zur Finanzierung. Für den FNC zählt in den kommenden Wochen vor allem der Senatsabend am 17. Januar in der Stadthalle. Heinz Schäfer machte deutlich, worum es geht: „Der Senatsabend ist für uns ein zentraler Baustein zur Finanzierung des Straßenumzugs.“ Sein Appell fiel entsprechend klar aus, noch einmal in den Kalender zu schauen und, wenn möglich, den Fastnachtszug zu unterstützen. Zugleich kündigte er einen besonderen Programmpunkt an. Ein Akteur werde letztmals in Flörsheim auftreten. Man freue sich, dass der "Hobbes" Hansi Greb am Senatsabend dabei sein wird.
Dann spielte der Musikverein noch einmal auf, der Kanonier hatte bereits geladen, und Flörsheim war spätestens nach dem nächsten Knall endgültig in der Kampagne angekommen.



Kommentare