Kirchweih im Zeichen des Umbruchs

St. Josef feiert Josefskerb und blickt zugleich auf seine Zukunft als neues Gemeindezentrum

nab

Die Josefskerb fiel in diesem Jahr bewusst kleiner aus als gewohnt und hatte doch ein großes Thema im Gepäck. Am Sonntag wurde am Kirchort St. Josef das 61. Kirchweihfest gefeiert. Unter dem Motto „Josefskerb – einfach mal anders“ stand diesmal nicht ein großes Festprogramm mit Mittagessen im Mittelpunkt, sondern ein festlicher Gottesdienst mit Gruppen der Gemeinde und ein anschließender Umtrunk im Innenhof.

Gekühlte Getränke, kleine Snacks und Gespräche nach dem Gottesdienst bestimmten den Rahmen. Für Kinder bot die Kita St. Josef Kinderschminken an. Gesprächsstoff gab es genug, denn der Kirchort steht vor einer neuen Rolle. Nach der Immobilienstrategie der Pfarrei St. Teresa am Main soll das Kirchengebäude langfristig erhalten bleiben, künftig aber nicht mehr allein als Kirche dienen. Geplant ist die Umwandlung in ein neues Gemeindezentrum für die Stadtmitte als Ersatz für das Galluszentrum, das aufgegeben und veräußert werden soll.

Damit wurde die Josefskerb zu mehr als einem traditionellen Kirchweihfest. Im Innenhof ging es auch um die Frage, wie katholisches Gemeindeleben in Flörsheim künftig organisiert werden kann. Pfarrer Friedhelm Meudt ordnete St. Josef dabei als künftigen zentralen Ort für Begegnung und Gemeindearbeit ein. Im Raum steht die Idee, den Innenhof stärker nutzbar zu machen, etwa durch eine Überdachung. So könnte aus dem heutigen Außenbereich ein geschützter Raum für Feste, Sitzungen und Veranstaltungen entstehen.

Die geplante Umwandlung betrifft ein Gebäude mit eigener Geschichte. St. Josef entstand in den 1960er-Jahren, als Flörsheim nördlich der Bahnlinie wuchs und die Zahl der Katholiken dort deutlich zunahm. Der markante Kirchenbau wurde später unter Denkmalschutz gestellt. Gerade deshalb ist die Aufgabe anspruchsvoll: Aus einer Kirche soll ein Gemeindezentrum werden, ohne den Charakter des Gebäudes zu verlieren.

Auch Hans-Jürgen Wagner, früherer Pastoralreferent und seit vielen Jahren im kirchlichen Umfeld von St. Josef engagiert, brachte Ideen zur künftigen Nutzung ein. Diskutiert wird unter anderem, wie der hohe Kirchenraum so verändert werden könnte, dass er nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für Versammlungen, Gruppenarbeit und Veranstaltungen geeignet ist. Denkbar wären eingezogene Ebenen oder andere Raumlösungen, die den Bau flexibler nutzbar machen. Konkrete Entscheidungen dazu sind allerdings noch nicht gefallen.

Alois Platt gehört zu den Personen, die St. Josef seit vielen Jahren auch aus der organisatorischen und finanziellen Arbeit kennen. Er war Vorsitzender des Verwaltungsrats des Kirchorts und später Mitglied im Ortsteam, das dessen Belange im Blick hatte. Bei früheren Sanierungen ging es für ihn immer wieder um praktische Fragen: Welche Arbeiten sind nötig, wie lassen sie sich finanzieren, welche Rolle spielen Rücklagen, Spenden und der Förderkreis? Gerade deshalb brachte er eine nüchterne Perspektive ein. Wenn St. Josef zum Gemeindezentrum werden soll, müsse die Idee nicht nur überzeugen, sondern auch baulich und finanziell tragfähig sein.

In den Vordergrund rückt damit die Frage, wie aus der Kirche ein Gemeindezentrum werden kann, das im Alltag funktioniert. Dazu wird auch erwogen, mehrere architektonische Vorschläge einzuholen. So könnten unterschiedliche Ansätze verglichen werden: etwa zur Nutzung des hohen Kirchenraums, zu möglichen zusätzlichen Ebenen, zur Einbindung des Innenhofs oder zu Fragen des Denkmalschutzes. Gerade darin liegt eine Chance: St. Josef könnte nicht nur erhalten, sondern für die kommenden Jahrzehnte neu geöffnet werden.

Für viele bleibt St. Josef ein vertrauter Ort, verbunden mit Erinnerungen an Gottesdienste, Feste, Taufen, Begegnungen und Gemeindeleben. Entsprechend sensibel dürfte die weitere Beratung verlaufen. Auch der Pfarrgemeinderat unter Vorsitz von Mirijam Kröhle ist in die weiteren Beratungen eingebunden. Nach der Vorstellung des Immobilienkonzepts in den zuständigen Gremien geht es nun um die konkrete Ausgestaltung. Die Entscheidung soll noch vor der Sommerpause fallen.

Auch die Finanzierung wird Teil dieser Überlegungen sein. Mögliche Erlöse aus dem Verkauf kirchlicher Immobilien könnten dazu beitragen, den Umbau zu ermöglichen. Entscheidend dürfte sein, dass ein Ort entsteht, der praktisch funktioniert, vertraut bleibt und katholisches Gemeindeleben in Flörsheim sichtbar und einladend macht.

So wurde die diesjährige Josefskerb zu einem Fest zwischen Rückblick und Aufbruch. Sie knüpfte an eine lange Kirchweihtradition an und zeigte zugleich, welche Möglichkeiten in der geplanten Veränderung liegen. Aus St. Josef könnte ein zentraler Treffpunkt für Gottesdienste, Begegnung, Gruppenarbeit und Feste werden. Beim Umtrunk im Innenhof wurde deshalb nicht nur über Veränderung gesprochen, sondern auch über Chancen und Zukunft.

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Sicherheitsprüfung
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.


X