In die Moschee kehrt das Leben zurück Die Ahmadiyya-Gemeinde präsentierte Bürgermeister Bernd Blisch seine Corona-Konzeption für die Moschee

Imam Athar Sohail erläutert Bürgermeister Dr. Bernd Blisch (v. l.) das Abstandskonzept im Gebetsraum, der mit abgeklebten Kreuzen die Positionen der Betenden vorgibt. Weitere Gesprächspartner Blischs waren der Gemeindevorsitzende der Ahmadiyya in Flörsheim, Naveed Ahmad, der Vorsitzende der Jugendorganisation, Mahmood Kahloon, der Sekretär für die Öffentlichkeitsarbeit Munawar Abid und der Sekretär für die Außenangelegenheiten, Amir Naz.

Die Ahmadiyya-Gemeinde präsentierte Bürgermeister Bernd Blisch seine Corona-Konzeption für die Moschee

Nur sehr vorsichtig wagte die Flörsheimer Ahmadiyya-Gemeinde sich in den vergangenen Wochen zurück in ihre Ata-Moschee in der Altkönigstraße. Bloß keiner neuen Welle der Corona-Infektionen Vorschub leisten, das ist die Maßgabe der islamischen Glaubensgemeinschaft um ihren Imam Athar Sohail. Wie akribisch sie sich auf die Rückkehr des Lebens in der Moschee vorbereitet und organisatorisch sicherstellt, dass die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden, präsentierten Vertreter der Gemeinde nun Bürgermeister Bernd Blisch. Mit dessen Besuch in der Moschee verband die Gemeinde die offizielle Wiedereröffnung.

Zwei Monate her ist es inzwischen zwar, dass erste Lockerungen der Landeregierung die Wiederöffnung der Gotteshäuser ermöglichte, wenn auch unter zunächst deutlichen Einschränkungen. Während sich die Flörsheimer Kirchen darauf schnell einstellten und seither das anbieten, was die aktuellen Verordnungen zulassen, kehrte das Leben in die Ata Moschee nur sehr zögerlich zurück. Die Furcht, die Lage nicht unter Kontrolle zu haben und in der Stadt am Ende als diejenigen dazustehen, die die Gesundheit nicht nur ihrer Gemeindemitglieder, sondern aller Flörsheimer Bürger gefährden, ist immer noch spürbar.

Das hatte seinen Grund auch in der Glaubenspraxis in den Gotteshäusern. Wer Bilder gemeinsam in einer Moschee betender islamischer Menschen sieht, dem fällt auf, wie eng die Gläubigen dabei aneinander sitzen. Gebetet wird auch bei den Ahamdiyyas traditionell Schulter an Schulter, völlig undenkbar in dieser Zeit. Ein Erfolg: „Bisher hat es keinerlei bekannt gewordene Fälle einer Coronainfektion unter unseren Gemeindemitgliedern gegeben“, betonten die Vertreter der Gemeinde. Und von wegen Schulter-an-Schulter: Die Sicherheitsanforderungen stehen auch über solche Elemente der Glaubenspraxis, stellen die Ahmadiyyas klar.

Seit Mitte Mai ist in bescheidenem Maße wieder Betrieb in der Moschee, aber der Fastenmonat Ramadan, der in diesem Jahr am 23. Mai endete, wird normalerweise mit einem rauschenden Fest in der Moschee abgeschlossen, dabei kommen alle Familien zusammen. Daraus wurde in diesem Jahr nichts. Zum Ramadan-Abschlussgebet durften lediglich 90 männliche Gläubige erscheinen, „dann ging es nach Hause und es wurde zuhause mit den Familien gefeiert“, schilderte der Imam den Ablauf.

Der Altersklasse U15 und Ü60 blieb bei der allmählichen Wiederöffnung der Zugang aus Kapazitätsgründen zunächst verwehrt. Das ist vorbei, aber daran, dass die Einschränkungen kein normales Gemeindeleben ermöglichen, hat sich seither wenig geändert.

Im großen Gebetsraum, wo, wenn es sein sollte, durchaus bis zu 500 Gläubige zusammenkommen könnten, können am Freitagsgebet, das inzwischen wieder durchgeführt wird, weniger als 100 Menschen teilnehmen, rund ein Drittel der Mitglieder. Auf dem Vorplatz der Moschee wird schon auf die Regeln hingewiesen, die unter anderem empfehlen, dass jeder seinen eigenen Gebetsteppich mitbringen soll. In den Gebetssälen für Männer und Frauen kennzeichnen Markierungen auf dem Boden die ausgemessenen Abstände.

Maskenpflicht, Desinfektionsmittel und Teilnehmerlisten gehören selbstverständlich auch hier zur Grundausstattung, wenn die Moschee öffnet. Erst seit kurzem wird auch der Gemeinschaftsraum wieder genutzt, ein wichtiger Schritt, um der Verpflichtung zur Gastfreundschaft nachkommen zu können, die den Ahmadiyyas sehr wichtig ist.

Inaktiv war die Flörsheimer Gemeinde auch ohne Moscheeleben nicht. Die Frauenorganisation stellte über 600 Mund-Nasen-Masken her, zur Sensibilisierung über die Einhaltung der Hygieneregelungen erarbeitete die Gemeinde eine Infoseite im Internet. Auch das Angebot zur Nachbarschaftshilfe und der Aufruf zur Blutspendenaktionen und Unterstützung bei einer Online-Schülerhilfe durften nicht fehlen.

Im Gespräch bei Kaffee und Kuchen waren sich Blisch und die Ahmadiyya-Gemeindevorstandsmitglieder einig, dass man froh sein könne, wie vergleichsweise gut Deutschland die Herausforderungen durch die Coronakrise bewältigt habe. Und dass es keine gute Idee wäre, die erfolgreiche Linie der Vorsicht nun zu verlassen, wie es im öffentlichen Leben derzeit mehr und mehr zu beobachten ist.

Im Auftrag des Kalifen Hadhrat Khalifa-tul-Massih, erläuterte Sohail, leitet der aus Groß-Gerau stammende Ahmadiyya-Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser derzeit eine Task Force, die den Gemeinden den Weg aufzeigen soll, wie das religiöse Leben in diesen Zeiten, mit den wohl noch länger geltenden Einschränkungen, aussehen könnte.

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