Es wird wieder gewerkelt, eingerichtet, gespielt, ausgeflogen und täglich ein Eis gegessen auf dem Abenteuerspielplatz am Wickerbach. Die ersten Tage der Flörsheimer Ferienspiele, die diesmal in den ersten beiden Ferienwochen über die Bühne gehen, begannen am Montagmorgen mit dem Aufbau des Hüttendorfes auf der Spielwiese. Das erstand einst als „Hüttenbach“ in Flörsheim Jahr für Jahr für zwei Wochen wieder auf ist nach einem vorübergehenden Konzeptwechsel nun wieder feste Basis des Programms.
„Obwohl viele es weiter Hüttenbach nennen, hat das Dorf derzeit eigentlich keinen Namen“, erläuterte Corinna Allendorff vom Organisationsteam aus dem Mehrgenerationentreff. Zu erkennen daran, dass das einst am Zugang zum Gelände aufgestellte Eingangstor mit dem Schriftzug „Hüttenbach“ diesmal fehlt. Eine Aufgabe für die Ferienkinderdemokratie, sich für das nächste Jahr einen neuen, vielleicht etwas peppigeren Namen für das alljährliche Zusammenkommen zu suchen – oder, wie Allendorff vorschlägt, eine Entscheidung des Kinderparlaments.
Demokratische Spielregeln kennenzulernen und ein Verständnis für das Funktionieren einer Kommune zu entwickeln war die Zielsetzung des Konzeptes einer „Stadtsimulation“, das die vorigen Organisatoren entwickelt hatten und alle zwei Jahre das Selbstbauen und Leben im Holzhüttendorf ersetzen sollte. Das ist mit dem Wechsel des Orga-Teams passé, auch die Zeitverschiebung des Vorjahres ans Ferienende ist zurückgenommen.
Die Demokratie ist bei den Spielen zumindest in einem Punkt weiter Thema. Am Montag wählten sich die 200 Kinder – damit sind diesmal alle Plätze vergeben - erst einmal eine Bürgermeisterin und einen Bürgermeister. Rund ein Dutzend Bewerbungen gab es, ein Mädchen und ein Junge sollten bestimmt werden. Gewählt wurde aber nicht etwa getrennt, alle wählten vielmehr beide. Stimmzettel und Urnen brauchte niemand, die Stärke des Applauses entschied. So sind nun Lilly Hohlfeld und Paul Staab für zwei Wochen so etwas wie die Ober-Ferienspielkinder. Der Zehnjährige ist zum dritten Mal bei den Ferienspielen dabei, voriges Jahr pausierte er. „Ich habe noch nicht so viel erlebt als Bürgermeister“, berichtete Staab am zweiten Tag. Aber einen erfolgreichen Einsatz hatte das Duo bereits, denn eine zerbrochene Hüttentür sorgte für Ärger.
Thema war nicht etwa die Schuldfrage, sondern wer den Ersatz besorgen muss. Der Streit wurde zur Zufriedenheit der Kontrahenten gelöst. Die Hüttenbewohner durften sich aus dem Holzbestand Material für eine neue Tür besorgen und alle waren zufrieden. So unkompliziert würde Bernd Blisch seine Themen auch gerne abräumen. Der Bürgermeister der Stadt und die beiden Ferienspiel-Bürgermeister wollten sich am Mittwoch über ihre Jobs austauschen, „wir zeigen ihm das Hüttendorf“, erläuterte Staab.
Insgesamt 31 Hütten wurden bis Dienstagabend aufgebaut, in jeder Hütte „wohnen“ daher sechs bis sieben Bewohnerinnen und Bewohner. Die können die Gestaltung mithilfe des vorhandenen oder mitgebrachten Materials in den Details so gestalten wie es ihnen gefällt. Hütte 10 etwa hat sich dem Dienstleistungssektor verschrieben. Die Jungs verbitten sich einerseits mit einem Schild „Raus!“ ungebetenen Besuch, bieten andererseits aber allen, die selbst keine Lust oder Kompetenz zum Zimmern haben, ihre unentgeltlichen Dienste an.
Geld soll im Holzhüttendorf auch keine Rolle spielen. Nirgendwo auf dem Gelände muss etwas gegen Bargeld erworben werden. Mit der täglich am Nachmittag seinen Verkaufswagen öffnenden Eismanufaktur Wicker wurde vereinbart, dass die Eltern für 15 Euro eine Stempelkarte mit zehn Feldern erwerben. So ist die Kugel 20 Cent günstiger als im normalen Verkauf, aber vermutlich lösen nicht alle Kinder an den zehn Ferienspieltagen alle zehn Bons ein. Beide Seiten sind jedenfalls sehr zufrieden mit dem Angebot, die Schlangen vor den Wagen bilden sich schon, wenn Eismanufakturchef Michael Brons noch gar nicht eingetroffen ist.
Am dritten Tag begann das Programm in Zusammenarbeit vieler Flörsheimer Vereine und Betriebe, die ihre Angebote den Kindern vorstellen und diesen so eine Aktivität bieten können. Diese Kooperation ist etabliert, erste Attraktion war am Mittwochmorgen ein Termin bei der Flörsheimer Feuerwehr, die ihre Löschboote präsentierte und zur Fahrt einlud.
Für solche externen Angebote mit begrenzter Kapazität war eine Voranmeldung notwendig. Höhepunkt wird dabei am kommenden Montag eine Fahrt in den Palmengarten in Frankfurt, an der 40 Kinder teilnehmen können. In dieser Woche stehen Aktivitäten wie ein Besuch auf dem Ponyhof, Fußball auf dem DJK-Gelände, ein Staffellauf und eine Schatzsuche auf dem Programm. Beide Schützenvereine laden Kinder ab acht Jahre ein, der Ruderverein macht die Ferienspielteilnehmer mit der Tradition der Drachenbootrennen bekannt.
Das „Hissen der Gruppenfahne“ am Mittwochvormittag war ein Punkt, der aus speziellen Gründen ins Programm rutschte. Nachdem Allendorff zweimal über ein Loch mitten auf dem Gelände gestolpert war, steckte sie an der Stelle einen Holzpfahl in den Boden, der durch seine Ernennung zum Fahnenmast eine offizielle Funktion bekommen sollte. Auf dem Gelände selbst passiert natürlich auch jede Menge, neben Gesellschaftsspielen stehen Tischtennisplatten und Federballsets zur Verfügung.
Während die Jungs am Dienstag gar nicht mehr aufhören konnten, ihre Hütten auszubauen, war bei den Mädchen eher der Beauty-Salon angesagt, der am Nachmittag öffnete – die Interessentrennung, die die Veränderung des Konzepts mit der Aufgabe des Hüttenbaus überwinden wollte, ist wohl unüberwindbar.
Ein Team von 30 Betreuerinnen und Betreuern sorgt in zwei Schichten, mit einer zweistündigen Überschneidung von 11 bis 13 Uhr, für den reibungslosen Ablauf, nicht nur auf dem Gelände. So sind eine ganze Reihe Helferinnen und Helfer gefragt, wenn jedes Kind sich am Morgen am Meldetisch einen Lichtbild-Ausweis mit Name und Notfall-Kontaktnummer abholt. Den trägt es den ganzen Tag um den Hals gehängt, am Nachmittag wird er wieder zurückgegeben.
Die verfrühte hochsommerliche Hitze spielte bisher keine Rolle, es gibt auf dem Gelände genügend Rückzugsorte, um der Sonneneinstrahlung zu entgehen. Das Wasserbecken wird täglich mit frischem Wasser gefüllt und auch die Idee kam gut an, die Rutsche am Spielhügel durch den Einsatz von gefüllten Eimern zur Wasserrutsche umzufunktionieren. Die Vorhersagen gehen für die nächsten Tage auch nicht von einer Rückkehr der Extremtemperaturen des Wochenendes aus.




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