30 Jahre Theater RequiSiT

Große Jubiläumsfeier am vergangenen Donnerstag in der Hattersheimer Stadthalle

hl

Die Kombination aus Improvisationstheater und authentischen Gesprächsrunden zum Thema Sucht und Suchtprävention ist seit 30 Jahren das Geheimnis für den Erfolg von RequiSiT. Das Ensemble besteht, mit Ausnahme von Leiterin Nora Staeger, aus ehemaligen suchtmittelabhängigen Menschen. Diese leben seit langer Zeit clean, haben bei RequiSiT einen festen Arbeitsplatz und teilen ihre Erfahrungen in Gesprächsrunden an Schulen, Ausbildungsbetrieben oder Unternehmen.

Wie alles begann

Das Improvisationstheater plus Präventionsarbeit begann als ein Projekt im damaligen Verein SiT e.V. (Selbsthilfe im Taunus). Über EU-Fördermittel wurde das Projekt 1996 ins Leben gerufen. Es war zunächst nur auf zwei Jahre ausgelegt, lief aber bis 2011 weiter. Wegen finanzieller Engpässe konnte die SiT keine weitere Unterstützung gewährleisten. 2012 folgte dann aber eine „zweite Geburt“, es wurde der Verein Theater RequiSiT e.V. gegründet. Bis heute ist das Angebot der engagierten Truppe stark nachgefragt. „Momentan sind wir an etwa vier Tagen in der Woche unterwegs“, berichtet Gisela Böttcher, die hauptsächlich im Hintergrund arbeitet und sich um Administration und Marketing kümmert. Im Schuljahr 2024/2025 wurden mit großem Erfolg 124 Schulen in fünf Bundesländern besucht. Insgesamt kamen fast 13.000 Menschen bei 143 Veranstaltungen in den Genuss, dem Theater RequiSiT zu begegnen.

Anerkennung und Lob

Viele Unterstützer waren zur Feier des Jubiläums in die Stadthalle nach Hattersheim gekommen. So auch Sybille Slater, die sich bei der Diakonie in Landau mit der Suchtberatung beschäftigt. Sie findet das Konzept von RequiSiT so überzeugend, dass sie meint, dass ihr das Mitfeiern auf jeden Fall den Aufwand der Reise wert gewesen sei. Auch Uwe Grünhäuser von der Heinrich-Heine-Schule in Dreieich freute sich sehr, an dem Abend dabei zu sein und Nora Staeger mit einem Blumenstrauß zu überraschen. „Ich mag die Gruppe. Seit 2004 sind sie ununterbrochen bei uns an der Schule zu Besuch. Sie gehören zum lebenden Inventar“, berichtete er. Nach einem Besuch des Theaters RequiSiT seien die Schüler immer begeistert. Wenn er beim Feedback danach frage, ob die Gruppe wieder engagiert werden solle, so höre er immer ein einhelliges „ja“. „Ein größeres Lob kann es nicht geben“, ist seine Meinung. Oft komme es vor, dass ehemalige Schüler, wenn er sie wieder trifft, immer noch von dem Workshop schwärmen, den sie vor Jahren mit RequiSiT erlebt haben. „Das ist Präventionsarbeit, wie man sie sich wünscht.“

Es gab noch weitere Grußworte am letzten Freitag. Die Redner wurden gekonnt von Manne (Sascha Johannson als Hausmeister) und Bärbel (Nora Staeger als Putzfrau) vorgestellt und auf die Bühne gerufen, was diesen Programmteil kurzweilig gestaltete. So konnte man erfahren, dass Hattersheims Erste Stadträtin Heike Seibert gerne Tagesschausprecherin geworden wäre und frisches Bauernbrot mag. In ihrer Rede gestand Heike Seibert, dass es das erste Mal sei, dass sie dem Theater RequiSiT begegne. 30 Jahre gemeinsam ohne Drehbuch auf der Bühne zu stehen habe großen Respekt verdient. „Das bedeutet Mut, Spontaneität und Verlass aufeinander.“ Die Präventionsarbeit des Theaters RequiSiT sei frühzeitig, lebensnah und gesellschaftlich von großer Bedeutung. Soziale Arbeit und Kultur werden hier miteinander verbunden und nebenbei Vorurteile abgebaut, es werde gezeigt, dass hinter der Sucht immer ein Mensch stehe.

Der Erste Vorsitzende des Vereins Theater RequiSit e.V., Bernhard Fielenbach, und die Zweite Vorsitzende, Christa Gräfin von Beust, verzichteten auf die „Begrüßungshierarchie“ und hießen alle Gäste herzlich willkommen. Die beiden waren sich einig mit der Aussage: „So einem tollen Verein stehen wir vor.“ Dieser Verein sei nun nach 30 Jahren erwachsen geworden und das sei ein gutes Gefühl. Bernhard Fielenbach war von der ersten Stunde an mit dabei, er ist sozusagen der Geburtshelfer. Er erzählte dem Publikum, wie die ersten Gehversuche mit hoher Begeisterung und Leidenschaft stattfanden. Eine entscheidende Rolle spielte Nora, denn „das, was sie will, setzt sie durch“. In dem EU-Projekt habe man im Austausch mit Spanien, Italien, Frankreich und Luxemburg sehr viel gelernt. Theater RequiSiT biete den Menschen authentische Angebote, denn die ehemaligen Suchtabhängigen reden über das, was sie selbst erlebt haben. „Ich bin immer noch beeindruckt und berührt“, so schloss Bernhard Fielenbach seine Rede. Beide Vorsitzende schauen mit großer Zuversicht in die Zukunft. Zu 70 Prozent können die Kosten des Theaters aus eigener Kraft gedeckt werden, die restlichen 30 Prozent kommen von Sponsoren.

Matthias Trost und Sandra Rösel von der Jugend- und Drogenberatungsstelle Ingelheim trugen ihre Worte in Reimform unter dem Motto „30 Jahre schlapp gelacht“ vor. Sie sind sehr beeindruckt von der emotionalen Tiefe der Darsteller. Zur Feier des Tages hatten sie sich die Zahlen Drei und Null auf den Rücken gebunden, die sie zusammen als 30 präsentierten.

Videobotschaften gab es von Katja Alff (R+V Betriebskrankenkasse) und Andreas Roskos vom Therapiedorf Villa Lilly. Letzterer versprach, dass er gerne den Kontakt zwischen Verein und potenziellen Schauspielern herstellen wolle, wenn er einem geeigneten Menschen begegnen würde.

Improvisationstheater vom Feinsten

Nach einer Pause mit Getränken, Fingerfood und anregenden Gesprächen zeigte das Theater RequiSiT sein Können. Es stellte sich heraus, dass für viele Gäste das Improvisationstheater eine Premiere war. Deswegen erklärte Nora Staeger, wie es geht. Eigentlich ganz einfach: Die Themen gibt das Publikum vor, indem es auf Noras Bitte Begriffe in den Raum ruft. Die besten Vorschläge werden dann aufgegriffen und in Szene gesetzt. Mit drei, zwei, eins geht es dann los. In unterschiedlicher Kombination spielten Dominic, Florian, Katja, Nora, Paddy und Sascha. Sie wurden von Michael musikalisch am Keyboard begleitet. Tagebuch, Hochzeitstag Schokolade, Banküberfall sind einige der Begriffe, die gespielt wurden. Dann wurden die Ideen des Publikums skurriler. Das Thema „Hamster einsaugen“ wurde in unterschiedlichen Stimmungslagen wie „Sehnsucht“ oder „Yeah“ gespielt. „Wolke 7“ wurde als Kettenszene dargestellt, das bedeutet, die Schauspieler haben sich nach einigen Sätzen abgelöst. Teilweise wurde mitten im Satz gestoppt und das Publikum musste den Satz beenden. Auch beim Thema „Einzelzimmer mit Badewanne“ fiel den Darstellenden allerhand ein. Das Improvisationstheater anzusehen, machte großen Spaß. Man merkte, wie man selbst ungewöhnliche Ideen bekam und immer mutiger mit dem Zuruf der Begriffe wurde. So kann man sich sehr gut vorstellen, dass es den jungen Zuschauern in der Schule genauso geht und die Theatervorstellung eine wunderbare Erfahrung ist, die die Menschen für die anschließenden Gespräche öffnet.

Wer mehr über das Theater RequiSiT erfahren möchte oder durch eine Spende unterstützen möchte, bekommt viel Information auf der Homepage unter theater-requisit.de.

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