Unter freiem Himmel fand im Alten Posthof am vergangenen Freitagabend die erste Auflage von "Cabaret à la surprise" im Jahre 2021 statt. Es war der Ersatztermin für die ursprünglich für den 17. März geplante Veranstaltung, die pandemiebedingt leider verschoben werden musste.
Die Besonderheit an "Cabaret à la surprise" ist - wie der Name schon sagt - der Überraschungseffekt. Gute Unterhaltung wird garantiert, nur deren Art, das Genre und die auftretenden Künstler werden im Vorfeld nicht genannt. Das Publikum muss also potenziell gewappnet sein für Darbietungen von Comedy über Tanz und Gesang bis hin zu Tricks und Magie.
Diesmal stand klar der Humor im Vordergrund; konzeptionell erinnerte der Abend stark an die "Funny Fridays" aus dem Vorjahr, die ebenfalls im Alten Posthof stattfanden. Drei Humoristen belustigten das gut gelaunte und zahlreich erschienene Hattersheimer Publikum: Der in Deutschland lebende Amerikaner John Doyle, der Kabarettist Christoph Brüske sowie Sven Bensmann, der in der zweiten Hälfte des Abends die Zuschauerinnen und Zuschauer mit seiner Musik und seinem Wortwitz bestens unterhielt - gerne auch auf eigene Kosten. Der talentierte Niedersachse war sicher vielen auch schon dank seiner Auftritte im Fernsehen in Comedyformaten wie "NightWash" bekannt.
Durch den Abend führte einmal mehr der Comedian Peter Kunz, der nicht einfach nur schnörkellos durch den Abend moderierte, sondern seine Bühnenpräsenz stets nutzte, um auch selbst ein paar Gagsalven abzufeuern.
Sprachbarrieren und Homeoffice-Dramen
John Doyle stammt aus New Jersey und lebt seit 1999 in Deutschland. Und natürlich sind allein schon die vielen sprachlichen Spitzfindigkeiten, mit denen er sich nach seiner Auswanderung konfrontiert sah, eine veritable Fundgrube für Fettnäpfchen aller Art - und damit auch für aberwitzige Anekdoten, die er in seinem Bühnenprogramm verarbeitet. Zusätzlich zu seinem "Schicksal" als Amerikaner in Deutschland waren natürlich auch aktuelle Beobachtungen und Kuriositäten eine willkommene Inspirationsquelle für seinen Auftritt - und dabei drehte sich, wie könnte es anders sein, fast alles irgendwie um Corona. Gerade auch die Auswirkungen von permanentem Homeoffice auf eine 26-jährige Ehe sind eine pandemische Steilvorlage für einen begnadeten Stand-Up-Comedian wie John Doyle. Und natürlich ließ sich am schallenden Gelächter im Alten Posthof gut erkennen, wie viele dort in den überspitzten Erzählungen Teile ihres eigenen Alltags erkannten.
Eine Hymne für Hattersheim
Es war nicht zu übersehen: Im Vorfeld zu seinem Auftritt hatte Christoph Brüske seine Hausaufgaben in Sachen Hattersheim gemacht. Während er sich im Mittelteil seiner Performance überwiegend dem politischen Kabarett widmete und gnadenlos über die Unzulänglichkeiten der Kanzlerkandidat*innen vor der anstehenden Bundestagswahl schwadronierte, hieß er zu Beginn das Publikum in der "Klaus-Schindling-Arena" willkommen - und eroberte spätestens mit seinem Finale die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer: Zur Melodie von Sinatras "New York, New York" schmetterte er eine eigens umgetextete Hymne an die Stadt Hattersheim am Main in den Abendhimmel. Von der Lage an der A66 über die Geschichte der Sarotti-Schokoladenfabrik bis zum Rosarium fanden alle wichtigen städtischen Eckdaten ihre wohlverdiente Erwähnung, und dem Schlusssatz "Klein aber fein, Euer Hattersheim!" folgte ausgiebiger Applaus, der sich punktuell sogar zu stehenden Ovationen ausweitete.
Zwei weitere Open-Air-Überraschungsshows werden in dieser Saison noch folgen. Am 23. Juli und am 20. August heißt es im Alten Posthof wieder: Bühne frei für "Cabaret à la surprise"!


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