Mitmachen, entdecken, kreativ sein

Im Nu waren alle Plätze ausgebucht bei der diesjährigen Kinderkulturwoche in Hattersheim am Main

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Was für ein Erfolg! Die Hattersheimer Eltern wissen genau, wieviel Spaß ihre Kinder bei der Kinderkulturwoche des Hattersheimer Kulturforums haben. Dass die jungen Menschen außerdem liebevoll betreut werden und jedes Mal etwas Neues lernen, ist selbstverständlich. In diesem Jahr wurden alle Rekorde gebrochen. Innerhalb von zweieinhalb Stunden waren alle Veranstaltungen ausverkauft. Lediglich für das Kindertheater ab 3 Jahren gab es noch Karten unter der Woche. Der Run auf die Tickets ist eine schöne Anerkennung für die Arbeit von Anastassia Tanopoulou, die die Kinderkulturwoche seit 2021 organisiert. Sie hat sich vorgenommen, jedes Mal noch unbekannte Workshops anzubieten, was ihr immer hervorragend gelingt. „Ich beginne mit den ersten Vorbereitungen schon im März“, erzählte sie. Sie betonte, dass sie sich bei der Organisation und der Durchführung der Woche immer auf ihre Kollegen verlassen kann, die ihr stets helfend zur Seite stehen. „So ein richtiges Motto hatten wir in diesem Jahr nicht“, berichtete sie. So fiel die Entscheidung auf: Mitmachen, entdecken und kreativ sein. Die Kinderkulturwoche fand vom 5. bis 9. Oktober, also in der ersten Woche der Herbstferien, statt.

Bewährtes und Neues

Für den Auftakt der Woche bot Jörg Weißbrodt, ein erfahrener Coach für Outdoor-Seminare, das Waldcamp für Kinder ab 8 Jahren an. 16 Kinder hatten das Glück, Karten für diese schon bewährte und überaus beliebte Veranstaltung zu bekommen. Mit von Weißbrodt bereitgestelltem Material und Funden aus der Umgebung bauten die Kinder ein schwimmfähiges Floß, das nach der Fertigstellung sofort ausprobiert wurde. Das Besondere an diesem Tag war das schöne, trockene Wetter und wie Anastassia Tanopoulou lachend sagte „dass wir mehr oder weniger trocken aus der Sache herausgekommen sind“. Außer einem nassen Fuß gab es keine größeren Berührungen mit dem Wasser.

Dienstags gab es gleich zwei Veranstaltungen, die im letzten Jahr nicht angeboten wurden: Der Besuch des Senders FFH, der den Kindern Einblicke darin gab, wie Radio gemacht wird und ein Besuch bei der Feuerwehr. 30 Kinder fuhren mit dem Bus zum FFH und staunten darüber, wie klein die Studios sind. Bei der Feuerwehr konnten die 15 Teilnehmer und Teilnehmerinnen viel über die Arbeit der Feuerwehrmänner und -frauen lernen. Ein Höhepunkt war die Fahrt im Drehleiterkorb hinauf in luftige Höhen.

Schokolade wird immer geliebt

Zum Schokoladenworkshop am Mittwoch kamen 31 Kinder ins Stadtmuseum. Ismael Bojorge aus Nicaragua (bekannt unter dem Begriff Kakaoliebe) hatte in der Vergangenheit die Schokoladenworkshops durchgeführt. Bojorge war im letzten Jahr nach Nicaragua zurückgekehrt und so war der diesjährige Workshop in der Kinderkulturwoche eine neue Erfahrung, sowohl für die Organisation wie auch für die Kinder. Die Leitung des Workshops hatten Irene Dietz und Petra Schefzyk vom Weltladen Darmstadt übernommen. Sie erklärten den Kindern alles über die Kakaoernte und die Schokoladenherstellung. Sie legten besonderen Wert darauf, dass ihre Zuhörer über die Problematik der Kinderarbeit bei der Kakaogewinnung informiert wurden. In einem Film sahen die Hattersheimer Kinder Jungen ihres Alters, die berichteten, dass sie nur kurz zur Schule gehen konnten. Als sie 10 Jahre alt waren, wurden sie von ihren Familien an die Plantagenbesitzer verkauft. Hier müssen sie alle Arbeit rund um die Kakaoernte erledigen. Auch der Umgang mit Chemikalien zum Pflanzenschutz gehört zu ihren Aufgaben. Schokolade haben die Kinderarbeiter oftmals nie gesehen oder probiert. Durch den Kauf von fair gehandelter Schokolade mit Siegel kann man hier in Deutschland einiges tun, um die Situation zu verbessern. Aber nicht nur die Theorie der Schokoladenherstellung wurde besprochen, nein, es wurde auch selbst Schokolade hergestellt. Was dabei fehlte, war das lange Rühren in der Conche, das die Schokolade cremig macht. So hielt sich die Begeisterung bei der Geschmacksprobe der selbst hergestellten Schokolade in Grenzen. Trotzdem waren sich die Kinder einig, dass es ein toller Vormittag war. Einige Geschmacksproben wurden mit nach Hause genommen.

Am Puls der Zeit

Brandneu war der 3D-Druck Workshop. Er wurde in der Hauptstraße 45 in Hattersheim durchgeführt. Dort hat seit November 2025 Svetlana Vetrova ihre Türen geöffnet und bietet im Rahmen der Young Engineers Kurse für Kinder ab 4 Jahren an. Vetrova ist Lehrerin für Mathematik und Informatik. Sie berichtete, dass sie, als sie nach Hattersheim gezogen ist, keinen Kita-Platz für ihren Sohn gefunden habe. So kam sie auf die Idee, sich mit den Young Engineers selbständig zu machen und ein Angebot für Kinder besonders in den MINT-Fächern zu bieten. (MINT bedeutet Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.) Gemeinsam mit ihren drei Mitarbeiterinnen ist Swetlana Vetrova recht erfolgreich. Auch Kindergeburtstagspartys, Camps oder Workshops kann man bei Young Egineers buchen. Mit drei Schulen besteht eine Kooperation. Hier werden nachmittags AGs von den Young Engineers angeboten.

Zur Durchführung des 3D-Druck Workshops waren mehrere Drucker angeschafft worden, um den Kindern die Technik nahezubringen. Yelena Litzinger erklärte die Theorie und zeigte den aufmerksamen Kindern, wie man die Drucker mit Hilfe von Laptops ansteuern kann. Anschließend konnte jede Teilnehmerin bzw. jeder Teilnehmer sich einen Schlüsselanhänger mit Buchstaben, die mit einem Klicksystem befestigt waren, zusammenstellen. Wegen des großen Zeitaufwands für den Druck, wurde auf einige schon im Voraus gedruckte Teile zurückgegriffen. Aber mindestens einen Buchstaben konnte sich jedes Kind selbst in der gewünschten Farbe drucken.

Geschicklichkeit, Tanzen, Theater

Petra Schall von KunterBunt brachte den Kindern das Trockenfilzen bei, das sie selbst liebt, da es ein altes Handwerk ist. Jedes Kind bekam einen Schwamm und eine Filznadel. Das Motiv konnte man sich aus von Petra Schall mitgebrachten Schablonen aussuchen. Alternativ konnte man selbst eine Schablone kreieren. Aus der Filzwolle wurden dann kleine Stückchen abgezupft, innerhalb der Schablone auf dem Schwamm verteilt und durch Auf- und Abbewegung der Nadel verfestigt. So entstanden im Laufe des Vormittags Dinos, Enten, Pferdeköpfe oder Herzen in unterschiedlichen Farben.

Den Abschluss des Programms bildete am Freitagvormittag der Hip-Hop Workshop von Marleen Leonhardt, der auch im letzten Jahr sehr erfolgreich war. Am Nachmittag gab es bei Nelis Nähatelier einen Kinder Nähkurs für Teilnehmer von 8 bis 14 Jahren. Die Kinder lernten hier auch erste Schritte an der Nähmaschine.

Kinder ab 3 Jahren konnten sich am Donnerstagnachmittag auf das Kindertheater freuen, das in diesem Jahr im Kutschersaal im Alten Posthof stattfand. Oft klingelte das mobile Telefon bei Anastassia Tanopoulou die sich kaum retten konnte vor Anmeldungen. So erlebten schließlich 85 Teilnehmer, wie es dem kleinen Drachen Furzipups ergeht, dem es nicht gelingt, Feuer zu speien. Dies macht ihn zunächst traurig bis er seine eigenen besonderen Fähigkeiten entdeckt.

Die Kinder verbrachten eine schöne Zeit bei der Kinderkulturwoche. Eins müsse unbedingt noch in die Zeitung, erklärten sie: Das Wort der Woche. Dieses lautet „illegal“. Bei der Busfahrt zum FFH fing plötzlich jemand an „illegal“ zu sagen. Dann griffen die Gruppen das Wort auf und es fiel immer wieder bei den Workshops. Warum? „Weil es Spaß macht und man die Ana damit ein bisschen ärgern kann“, lautete die Antwort. Anastassia Tanopoulou (Ana) nahm es mit Humor und spielte mit, wenn sie geneckt wurde. Schade, dass die Woche so schnell verging. „Aber ich habe schon Ideen für das nächste Jahr“, versicherte Anastassia Tanopoulou.

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