Protest gegen Lärm und Erschütterungen

Neubau Rechenzentrum am Friedhof: Großes Interesse an Infoveranstaltung der "Bürgerinitiative im Einsatz für Naturerhalt"

mpk

Am vergangenen Montag, 6. Juli, hatte die Bürgerinitiative im Einsatz für Naturerhalt e.V. (BiENe) in die Heddingheimer Straße zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Der Aufhänger: Die Arbeiten auf der Baustelle des Rechenzentrums-Neubaus "Frankfurt 5" am Hattersheimer Friedhof. Dort werden derzeit Pfahlgründungen mit der Ramm-Methode durchgeführt. "Diese Arbeiten generieren Emissionen in Form von Lärm und Erschütterungen", heißt es in der Ankündigung von BiENe. Dort wird auch darauf hingewiesen, dass man hierbei eine Gefahr für die dortigen Immobilien sieht: Die entstehenden Erschütterungen des Erdreichs können zu Rissbildungen führen, so die Bürgerinitiative. Man bemängelt, dass eine normalerweise vor den Bauarbeiten stattfindende Bestandssicherung an den Immobilien seitens der Bauherrschaft nicht vorgenommen wurde und die Anwohnerinnen und Anwohner darüber hinaus nicht vor Beginn der Arbeiten informiert wurden. Somit hatte man keine Möglichkeit, rechtzeitig selbst Bestandssicherungsmaßnahmen zu veranlassen.

Auf ihrer Homepage www.biene-hattersheim.de weist die Bürgerinitative schon seit Anfang Juni auf die Dauerbelastung für die Anwohnerschaft durch den Baulärm hin, als sich mehr und mehr Bürgerinnen und Bürger mit Hilferufen, Anfragen und Beschwerden an BiENe wendeten. Auch der Vorstand von BiENe selbst ist von den Auswirkungen der Bauarbeiten direkt betroffen und fühlt sich "von der Intensität der Bauarbeiten geradezu überfahren". Die starken Erschütterungen seien in den eigenen Wohnhäusern deutlich spürbar.

Die Informationen, welche die Mitglieder der Bürgerinitiative in den letzten Tagen und Wochen "durch unzählige Telefonate, E-Mails, Behördengespräche, Beschwerden und den ständigen Austausch mit Nachbarn und Betroffenen" in Erfahrung gebracht haben, werden auf der Homepage von BiENe gesammelt und zur Verfügung gestellt, da man nicht möchte, "dass jeder Betroffene denselben mühsamen Weg noch einmal alleine gehen muss." Gleichzeitig stellt man deutlich fest: "Eine kleine Bürgerinitiative kann und darf nicht die Aufgaben von Behörden, Bauherrn oder anderen Verantwortlichen übernehmen. Umso wichtiger ist es, dass wir als Nachbarschaft und Stadtgesellschaft zusammenstehen, Erfahrungen teilen, Missstände öffentlich machen und gemeinsam für unsere berechtigten Interessen eintreten." Hierbei sei man auf jegliche Art von Unterstützung angewiesen. Nur so könne man dafür sorgen, "dass die Sorgen und Belastungen der Betroffenen endlich ernst genommen werden!"

"Wir sind permanent dabei, die Optionen der betroffenen Anwohner auszuloten und uns wiederholt insbesondere an den Kreis (Amt Umwelt und Bauen) zu wenden", so Svenja Stöbbe, die 1. Vorsitzende von BiENe e.V. Die Informationen, die man auf diesem Wege erhält, seien leider "weiterhin vage bis ausweichend".

Auch mit der Kommunikation seitens NTT ist man nach wie vor unzufrieden. Einen Tag nach der BiENe-Infoveranstaltung jedoch, am 7. Juli, verteilte der Rechenzentrumsbetreiber NTT Data an die unmittelbaren Nachbarn des NTT-Rechenzentrums "Frankfurt 5" Einladungen für einen kurzfristig anberaumten "Austausch" am Donnerstag, 9. Juli, zu den dort laufenden Pfahlgründungsarbeiten, die dem Hattersheimer Stadtanzeiger vorliegen. In diesem Schreiben entschuldigt sich NTT dafür, dass man erst zwei Wochen zuvor die Nachbarinnen und Nachbarn schriftlich über die Arbeiten informiert habe, als diese längst liefen. Man möchte den Anwohnerinnen und Anwohnern nun die Möglichkeit geben, direkt mit NTT ins Gespräch zu kommen und "die aktuelle Situation gemeinsam einzuordnen".

Kritik übt BiENe auch an der Stadt Hattersheim am Main: In einer Pressemitteilung vom 3. Juli auf der städtischen Homepage ist davon die Rede, dass die Pfahlgründungsarbeiten auf der Baustelle des Rechenzentrumscampus FRA5 "seit Anfang der vergangenen Woche" stattfinden. Dies entspreche nicht der Wahrheit: Die Arbeiten laufen bereits seit dem 8. Juni abends bzw. durchgehend seit Dienstag, 9. Juni.

"Insgesamt haben an der Veranstaltung über 40 Personen teilgenommen - mit dem Vorstand der BiENe e.V. waren es um die 50 Personen", berichtet Svenja Stöbbe. "Es herrschte allgemeiner Konsens über die Unerträglichkeit der permanenten Belastung, die fehlende Vorankündigung mit der Möglichkeit, unabhängige Gutachter für Zustandsfeststellungen zu beauftragen, die fehlenden Ansprechpartner, das weitere Prozedere und der generelle Eindruck, hingehalten zu werden bzw. mundtot gemacht werden zu wollen."

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