Welch eine Hitze am letzten Freitag! Und dann ein Weihnachtsfest im Sommer. Genauso müssen sich die Australier fühlen, wenn sie Weihnachten feiern. Die großen Bäume im Garten vom Haus Sankt Martin am Autoberg boten aber allen Feiernden Schatten und auch die bereitgestellten kühlen Getränke machten das Fest mit dem Titel „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ äußerst angenehm. „Ja, es soll eine vor-weihnachtliche Feier sein“, sagt Einrichtungsleiter Klaus Störch „denn Wohnungslosigkeit und Armut gehen uns immer an, nicht nur im Advent und an Weihnachten. Darauf wollen wir aufmerksam machen!“ Klaus Störch war am Freitag ein wenig wehmütig zumute. Denn dieses war sein letztes Sommerfest als Einrichtungsleitung. Er danke allen Unterstützern der Wohnungslosenhilfe und versprach die Freundschaften und den Kontakt zu Hattersheim weiter zu pflegen. Auch betonte er noch einmal, dass gerade der Sommer eine schwierige Zeit für Wohnungslose sei, da man sich nicht einfach in kühlere Räume zurückziehen könne und bat die Zuhörenden stets sensibel und wachsam mit den Wohnungslosen umzugehen.
Zu einem richtigen Weihnachtsfest gehört das Lesen der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. Diese Aufgabe hatte Laura Henke übernommen. Diakon Jürgen Rottloff stimmte die Gäste anschließend mit einem christlichen Impuls auf den Tag ein. „Gott trägt die Menschen durch Höhen und Tiefen“, hieß es da, weiter habe Gott auch für Ausgestoßene Raum und eine helfende Hand. Diese Hilfe zeige sich im Haus Sankt Martin dadurch, dass man hier willkommen sei mit allen Nöten und immer ein offenes Ohr fände.
Staffelübergabe
Die Übergabe der Leitung des Hauses Sankt Martin ging dann schnell. Klaus Störch hatte ein Staffelholz mitgebracht und übergab es mit den besten Wünschen an Laura Henke. Diese stellte sich kurz vor. Sie sei Sozialarbeiterin und erst im Mai wegen der Liebe von Baden Baden nach Frankfurt gekommen, erzählte sie. Anfang Juni hat sie ihre Arbeit im Haus Sankt Martin aufgenommen. Bis jetzt gefalle es ihr sehr gut. „Ich komme nicht her, um alle Segel neu zu hissen“, versicherte sie. Sie wisse, dass sie ein großes Erbe antrete und wolle in ihrer Arbeit Tradition mit neuen Ideen verbinden. Wenn sie erzählt habe, dass sie bei der Wohnungslosenhilfe in Hattersheim anfinge, wussten die Zuhörer oft mit dem Ort nichts anzufangen. Sobald sie aber sagte, dass sie die Nachfolge von Klaus Störch antrete, wusste man sofort Bescheid. Weiter verriet Laura Henke, dass sie 26 Jahre alt sei und schon mit wohnungslosen Menschen gearbeitet habe. „Ich bin an Kunst interessiert, aber im Moment noch mehr musikaffin“. berichtete sie im Gespräch. Sie selbst spiele mehrere Instrumente und liebe es zu singen. Von ihrem Gesang gab sie später eine Kostprobe mit der Begleitung von Chris Savage.
Stadtverordnetenvorsteher Georg Reuter dankte Klaus Störch für seinen langjährigen Einsatz, der dazu geführt habe, dass das Haus Sankt Martin in Hattersheim so gut etabliert sei. Er erinnerte an die Anfangsschwierigkeiten als die Nachbarschaft sich gegen eine Einrichtung für Wohnungslose wehrte. Laura Henke bedachte er mit den besten Wünschen für eine erfolgreiche Tätigkeit.
Bescherung
Neben einem leckeren Essen - Grillwürstchen, Salate, Wassermelone, Kuchen - gab es auch eine Bescherung. Klaus Störch und Laura Henke überreichten den wohnungslosen oder von Armut betroffenen Menschen einen Rucksack aus recyceltem Material, gefüllt mit allerhand praktischen, fair gehandelten Dingen. Störch sprach seinen Dank an die Erste Stadträtin Heike Seibert und die Spender aus. Besonders ein Spender aus Okriftel, der anonym bleiben wolle, zeige sich bei den Sommer-Weihnachtsfesten immer sehr großzügig.
Das Haus Sankt Martin ist besonders
Schön war es, dass beim Sommer-Gartenfest alle Anwesenden genügend Zeit hatten miteinander ins Gespräch zu kommen. Mitarbeiter des Hauses Sankt Martin, ehrenamtliche Helfer, Mitglieder des Ausländerbeirats, Politiker, Künstler, die im Haus Sankt Martin ausstellen und auch Wohnungslose und Armutsbetroffene waren anwesend. So konnte man direkt mit den wohnungslosen Menschen ins Gespräch kommen und erfahren, was ihnen das Haus Stank Martin bedeutet. Andreas berichtete, dass er das Haus schon seit zwölf Jahren kenne. Nun habe er zum zweiten Mal seine Wohnung verloren. Er hob besonders das Vertrauen hervor, dass man in die Übernachtungsgäste setze. So werde das Haus nicht abgeschlossen, man könne abends noch einmal in den Park oder Garten gehen und eigenverantwortlich dafür sorgen, dass die Türe des Hauses zur Nacht geschlossen sei. Dieses sei ungewöhnlich, in den meisten Häusern gebe es eine Security. „Außerdem schätze ich die familiäre Atmosphäre. Falls kein Übernachtungsplatz vorhanden ist, so hilft man den Wohnungslosen, eine Alternative für die Nacht zu finden.“
Ellinor, die momentan eine Wohnung hat, schätzt den Respekt, den alle Menschen im Haus Sankt Martin erfahren. „Man gibt mir hier das Gefühl, ich bin ein ganz normaler Mensch, auch wenn ich momentan keine Wohnung habe“, erklärt sie. Sie kommt oft mit ihrem Mann zum Frühstück vorbei und freut sich über die Gesellschaft. Alex berichtete, dass man sich auch als Wohnungsloser um vieles kümmern müsse. Neben wertschätzenden Gesprächen sind für ihn die Möglichkeit zu Duschen und der Erhalt von frischer Kleidung im Haus Sankt Martin wichtig. „Denn auch als Wohnungsloser muss man nicht stinkend durch die Gegend ziehen.“
Alle sind sich einig, dass unter der Leitung von Klaus Störch eine ganz besondere Einrichtung entstanden ist. Sie sind zuversichtlich, dass Laura Henke, dieses Erbe gut weiterführen wird. Übrigens: Das Abschiedsfest für Klaus Störch wird am 25. September gefeiert.




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