Weihnachtsfeier im Sommer

Besonderes Fest im Haus Sankt Martin: Wohnungslosigkeit und Armut sind ganzjährige Probleme

Die „Weihnachtsfeier im Sommer“ war ein schönes Fest, welches viel Gelegenheit für gute Gespräche, aber auch zum Nachdenken gab. Von links nach rechts: Diakon Jürgen Rottloff, Ludger Engelhardt-Zühlsdorff, Heike Seibert, Torsten Gunnemann und Klaus Störch.
Die „Weihnachtsfeier im Sommer“ war ein schönes Fest, welches viel Gelegenheit für gute Gespräche, aber auch zum Nachdenken gab. Von links nach rechts: Diakon Jürgen Rottloff, Ludger Engelhardt-Zühlsdorff, Heike Seibert, Torsten Gunnemann und Klaus Störch.

Am 23. Juni hatte das Haus Sankt Martin am Autoberg, die Facheinrichtung für Wohnungslose des Caritasverbandes Main-Taunus e.V. in Hattersheim, zu einer „Weihnachtsfeier mit Bescherung“ eingeladen. Zu ungewöhnlicher Jahreszeit und bei ungewöhnlichen Temperaturen war das Apfelbäumchen im Garten hinter dem Haus mit goldenen Kugeln und Ketten geschmückt, Mitarbeiterin Steffi Eichler hatte Krippenfiguren samt einem kleinen Stall von zu Hause mitgebracht liebevoll darunter arrangiert.

Einrichtungsleiter Klaus Störch hieß alle willkommen und wies kurz darauf hin, dass nicht nur eine Geschenktüte auf alle Besucher des Hauses St. Martin wartete, sondern dass auch ein kleines, aber feines Buffet, unter anderem mit Fair Trade-Säften und anderen Leckereien – bereitgestellt von der Stadt Hattersheim - aber anstatt Gänsebraten jahreszeitentsprechend echte Thüringer Bratwürste oder Rindswürste vom Grill für alle Gäste bereitgestellt seien.

Und ziemlich genau so, wie Weihnachten auch „richtig“ im Haus Sankt Martin gefeiert wird, war der weitere Ablauf der Veranstaltung: Jürgen Rottloff, der Diakon der Gemeinde St. Martinus, gab zunächst einen geistlichen Impuls, in welchem er die Situation der Wohnungslosen, die ja selbst oft „auf dem Weg“ von einer Gemeinde zur anderen, nicht nur auf Schlafplatzsuche, sind, mit der Situation von Maria und Josef auf ihrem Weg nach Bethlehem verglich. „Maria und Josef waren auf dem Weg nach Bethlehem und sind an vielen Türen abgewiesen worden. Sie selbst sind auch 'auf dem Weg' von Gemeinde zu Gemeinde oder zu einem Schlafplatz und klopfen dabei auch beim Haus Sankt Martin an. Und das ist das Schöne am Haus Sankt Martin: hier werden sie nicht abgewiesen, egal warum sie herkommen, auch wenn sie mal nur reden wollen. Wenn wir uns an die Weihnachtsgeschichte halten, dann haben wir hier ja eigentlich jeden Tag ein bisschen Weihnachten“, stellte Rottloff fest. Klaus Störch las dann einer andächtig lauschenden Gruppe die Weihnachtsgeschichte nach Lukas (ks) vor. Er bekam dafür keinen Applaus – aber ein aus tiefem Herzen kommendes „Das war schön!“ war laut zu hören.

Torsten Gunnemann, scheidender Vorstand des Caritasverbandes Main-Taunus e.V., begrüßte nicht nur die „Familie“ des Hauses St. Martin, sondern ebenso viele Gäste und Freunde, die gerne zu dieser Feier eingeladen worden waren. „Unser Blick soll auch gerade jetzt auf arme und wohnungslose Menschen ausgerichtet sein, obdachlos sein ist im kalten Winter hart, mittlerweile aber auch im heißen Sommer. Deshalb möchten wir auch jetzt, mitten im Sommer, noch einmal besonders darauf aufmerksam machen. Wohnungslosigkeit und Armut gehen uns alle an. Und zwar an 365 Tagen im Jahr.“, sagte Gunnemann, „dabei stellt Wohnungslosigkeit vielleicht stellt die schlimmste Form der Armut in unserem Land dar. Aber auch wenn unser Fokus bei dieser Feier auf armen und wohnungslosen Menschen liegt, haben wir heute auch alle Freundinnen und Freunde unserer Facheinrichtung gerne dazu eingeladen, um ihnen für ihre Unterstützung zu danken.“ Gunnemann zieht es nun zum Caritasverband Hagen, er denkt jedoch an alle der über 30 Veranstaltungen, zu denen er im Haus Sankt Martin war, gerne zurück. „Hierher bin ich immer sehr gerne gekommen und ich werde dem Haus sicher auch weiter verbunden bleiben“, resümierte Gunnemann.

„Das war schon eine Überraschung“, lachte Heike Seibert, die als Erste Stadträtin von Hattersheim erst wenige Wochen im Amt ist, „eine Einladung zu einer Weihnachtsfeier im Sommer! Aber ich habe schon gemerkt: Hattersheim hat viele Besonderheiten.“ Sie bekräftigte, dass zu den bald 30.000 Einwohnern und Durchreisenden, die Hattersheim zu der lebenswerten Stadt machen, die sie ist, auch die Menschen gehören, die ins Haus St. Martin kommen. „Und ich hoffe, alle noch persönlich kennenzulernen“, sagte sie mit einem Blick auf die Bänke und Tische unter dem schönen Blätterdach im Garten des Hauses St. Martin, „ganz besonders freue ich mich auch auf die Kunstprojekte hier im Haus.“

Ludger Engelhardt-Zühlsdorff, der ab dem 1. Juli Vorstand des Caritasverbandes Main-Taunus sein wird, stellte sich im Hinblick auf den sich verbreitenden Würstchenduft, den Anblick des leckeren Buffets sowie die erwartete Bescherung kurzgehalten, aber mit sympathischen Worten, vor. Er bleibt auch weiter Vorstand des Caritasverbandes für den Bezirk Hochtaunus und kennt das Haus St. Martin schon lange aus seiner Arbeit dort. Engelhardt-Zühlsdorff zeigte sich begeistert von der Einrichtung, insbesondere von dem tollen Garten, in dem es sich im Sommer in schöner Atmosphäre so herrlich feiern und Zeit verbringen lässt. Als Festgast, der wunderbar aktiv zuhören kann, war er ein gefragter Ansprechpartner.

Die BesucherInnen des Hauses Sankt Martin freuten sich über die Aufmerksamkeit, die ihnen an diesem Tag „außer der Reihe“ geschenkt wurde und natürlich auch über die Geschenktütchen. An der Realität der Beschenkten orientiert, waren diese gefüllt mit Tabak, Blättchen und Feuerzeug sowie mit zehn Kaffeegutscheinen des Hauses St. Martin – ein anonymer Spender hatte dafür gesorgt, dass dazu auch noch fünf Euro in jeder Tüte zu finden waren. Mehr als 40 „sommerliche Weihnachtsgeschenke“ wurden an zufriedene Festgäste weitergegeben. Mit Worten wie „Sowas Feines!“ wurde auch die Bewirtung von allen Seiten sehr gelobt.

„Wir hatten durchweg positives Feedback“, freute sich Klaus Störch über die Resonanz, „Weihnachten ist halt auch im Sommer eine super Sache.“

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