„Er ist ein sehr hilfsbereiter Mensch, er kann nicht nein sagen, wenn ein Hilfsbedürftiger ihn anspricht, man kann sich zu 100 Prozent auf ihn verlassen, er ist herzlich und offen“, so wird Eberhard Roth von der Leiterin des Stadtteilbüros Christine Pfaff und von seiner Kollegin Rabia Malik beschrieben. Er habe keine Vorbehalte gegenüber Menschen und versuche, für jedes Problem Lösungen zu finden. Auch die Belange der Kinder habe er immer ernst genommen, berichten sie weiter. Eberhard Roths Art mit Menschen umzugehen habe entscheidend mitgeprägt, dass sich die Bewohner der Siedlung trauen, auch mit ihren schlimmsten Problemen beim Stadtteilbüro vorbeizukommen. Weiter ist es eine schöne Tradition geworden, dass jeden Tag etwa 30 Kinder beim Stadtteilbüro vorbeischauen, nicht weil sie Hilfe benötigen, sondern sich einen Keks abholen, den sie sich schmecken lassen.
Blick zurück
Eberhard Roth arbeitet seit 1. September 2004 im Stadtteilbüro. Vorher war er 12 Jahre lang bei dem Verein Abenteuerspielplatz Riederwald e.V. in der Abteilung Spielmobile beschäftigt. Er ist Diplom-Sozialpädagoge und hat in Berlin und Frankfurt studiert. Direkt nach dem Studium arbeitete er in einem Hort für behinderte Kinder. Eberhard Roth war also bestens ausgerüstet für die Stelle im Stadtteilbüro, die zur Hälfte Stadtteilmanagement, zur anderen Hälfte aufsuchende Kinder- und Jugendarbeit vorsah. Das Projekt „Soziale Stadt“, das die finanzielle Grundlage für das Stadtteilbüro sicherte, war zunächst auf 4 Jahre begrenzt. Durch den Einsatz der Stadt Hattersheim und der Hawobau wurde der Fortbestand gesichert und man konnte in diesem Jahr beim Frühlingsfest 25-jähriges Bestehen des „Erfolgsmodells“ feiern. „Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass ein Projekt so lange laufen wird; das ist hessenweit einmalig,“ freut sich Roth. So wurde für ihn aus seiner zeitlich begrenzten Stelle ein Job fürs Leben.
An den Beginn seiner Arbeit erinnert er sich gerne. Die Eröffnung des Südringtreffs im Oktober 2004 war die erste große Veranstaltung, die er miterlebt hat. Die Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen begann mit ersten Gesprächen auf der Wiese vor dem Haus, das dem Stadtteilbüro gegenüberliegt. Es gelang Roth schnell Vertrauen aufzubauen, sowohl bei den Kindern wie auch bei den Eltern. In den nun fast 22 Jahren seines Wirkens folgten viele Spielangebote und Unternehmungen mit den jungen Menschen. Ganz wichtig ist es Roth, zu betonen, dass alle Aktivitäten immer freiwillig waren. Es sei nicht gedacht gewesen, dass die Eltern die Kinder zur Betreuung „abgeben“, erklärte er. „Kinder und besonders Jugendliche erfahren meistens Erwachsene in der Rolle der Erzieher, die vorschreiben oder erlauben, was zu tun ist. Das wollte ich auf keinen Fall sein. Ich habe immer den jungen Menschen die Entscheidung selbst überlassen, was sie tun möchten.“ Eberhard Roth sah sich eher als unabhängiger Berater, der die Kinder mit Zuwendung und Aufmerksamkeit unterstützte. Diese Haltung gab den Jugendlichen die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren und zu merken, dass sie nicht fremdgesteuert sind. Das führte auch schon mal dazu, dass die jungen Leute plötzlich feststellten, dass sie doch keine Lust zu einer bestimmten Aktivität hatten und diese dann ausfiel. Das kam sehr selten vor und Eberhard Roth nahm es nicht persönlich.
So blickt er auf viele schöne Ausflüge und Aktivitäten mit den Kindern und Jugendlichen der Siedlung zurück. Es gab mehrere Städtereisen, eine davon nach Dresden. Fußball war immer schon ein interessantes Thema für Jungen, gemeinsam fuhr man nach Mainz zum Indoor-Fußball. Schön ist auch die Erinnerung an den Grillstand der Jugendlichen beim ersten Frühlingsfest in der Siedlung. Mit dem eingenommenen Geld wurde ein Ausflug zur Sommerrodelbahn gemacht. Im Sommer wurde im Schwarzbach am Okrifteler Wehr gebadet oder das Stadionschwimmbad besucht, im Winter in Langenhain Schlitten gefahren oder in der Eissporthalle in Frankfurt Schlittschuh gelaufen. Auch in den Schulferien wurde mit Unterstützung der Mütter, die oftmals ein warmes Essen bereitstellten, ein Programm für Kinder initiiert. Auf die Frage, woher er die Kraft für so viel Einsatz nehme, antwortet Roth spontan: „Es lohnt sich. Kinder sind der wichtigste Rohstoff, den wir haben.“ Außerdem habe er festgestellt, dass Kinder immer ehrlich seien. Er sei zudem beeindruckt von den Fähigkeiten der Heranwachsenden: „Kinder können alles, was sie wirklich wollen.“ Roth nahm auch die Rolle als Vermittler an, wenn es generationsübergreifend zu Konflikten kam, beispielsweise zwischen spielenden Kindern und ruhebedürftigen Erwachsenen.
Zukunftspläne
Wie sieht Eberhard Roth seine Zukunft? „Ich hätte es mir in den letzten Monaten gerne anders gewünscht. Es wäre schön gewesen, wenn auf meine Stelle eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger eingestellt worden wäre und ich sicher wäre, dass meine Arbeit so weitergehen wird, wie es die Menschen im Quartier verdienen.“ In der Tat ist die Art der Weiterführung der Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteilbüro noch nicht endgültig geklärt. Momentan finden Gespräche über interne Umstrukturierungen statt. Aber Eberhard Roth ist zuversichtlich, denn er weiß, dass „sich die Stadt Hattersheim immer bemüht hat, wenn sie Projekte für sinnvoll erachtet hat“.
Offiziell geht Eberhard Roth zum 1. August in Rente. Auf jeden Fall wird er den Kinder- und Jugendtag auf den Mainwiesen in Okriftel am 20. Juni noch mitgestalten. Dieser Termin steht schon seit langem fest. Seinen Familienurlaub verbringt er wie jedes Jahr in Frankreich am Atlantik auf einem Campingplatz. Danach will er erst mal schauen, was sich ergibt. Feste Pläne hat er noch nicht gemacht. „Ich fahre sehr gerne Kanu, auch allein“, erzählt er, „die Strecken nördliche Donau und auch die Oder würden mich reizen.“ Abgeneigt im Stadtteilbüro mal auszuhelfen ist er nicht. Und auch die schönen Feste im Quartier wird er sich nicht entgehen lassen, denn „die kann man ja auch als Privatmann besuchen“.
Das Abschiedsfest
Viele Feste hat Eberhard Roth während seiner Tätigkeit im Stadtteilbüro mitorganisiert. Meistens war er mit seinem Spieleanhänger präsent und hat für die Unterhaltung der Kinder gesorgt. Für den 12. Juni haben seine Kolleginnen ein Abschiedsfest für ihn vorbereitet. Es soll ganz in seinem Sinne stattfinden, denn er hat immer gesagt: „Wenn dort Reden gehalten werden, dann komme ich nicht. So eine Bratwurst und ein Bier, das wäre fein.“ Genau das wird die Gäste erwarten. Man kann sicher sein, dass sich sehr viele Menschen von Eberhard Roth verabschieden möchten und ihm für seinen Einsatz danken wollen. Live-Musik wird von den „Friday Nights“, einer Band, bei der Nachbarn aus dem Quartier mitspielen, geboten. Ab 16 Uhr geht es vor dem Stadtteilbüro in der Pregelstraße 1a los.



Kommentare