In der kommenden Woche tagen erstmals nach den diesjährigen Kommunalwahlen wieder die Hattersheimer Ausschüsse. Bei diesen konstituierenden Sitzungen werden jeweils zu Beginn für den Ausschuss für Umwelt, Bauen und Verkehr, für den Haupt- und Finanzausschuss sowie den Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport die neuen Vorsitzenden und deren Stellvertreter gewählt.
Nach § 28 der Gemeindehaushaltsverordnung ist die Stadtverordnetenversammlung mehrmals jährlich über den Stand des Haushaltsvollzugs zu unterrichten. Zur aktuellen parlamentarischen Sitzungsrunde wurde nun der Erste Bericht zur Finanzlage der Stadt Hattersheim am Main 2026 vorgelegt, datiert auf den 1. Juni 2026. Der Bericht zählt zu den Tagesordnungspunkten, mit denen sich am kommenden Dienstag der Haupt- und Finanzausschuss beschäftigen wird.
Auffällig ist dabei, dass sich das einkalkulierte Defizit im ordentlichen Ergebnis von 9,65 Millionen Euro auf ein Minus von 18,45 Millionen Euro erheblich verschlechtert hat. Im Bericht werden die größten Veränderungen im Vergleich zu den vorherigen Veranschlagungen aufgelistet. So werde sich auf Basis der regionalisierten Maisteuerschätzung des hessischen Ministeriums der Finanzen der geplante Ansatz des Gemeindeanteils an der Einkommenssteuer voraussichtlich um 920.000 Euro auf 24,5 Mio. Euro verringern.
Ebenso wird sich der Ansatz der Gewerbesteuer voraussichtlich um 7 Mio. Euro verschlechtern. "Im Zusammenhang mit der am 18. März 2026 veröffentlichten Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung wird derzeit geprüft, ob künftig ein neuer Verteilungsschlüssel zur Berechnung der Gewerbesteuer eingeführt wird. Bislang orientiert sich die Zerlegung im Wesentlichen an den Arbeitslöhnen der Unternehmen. Zukünftig könnte ein stärker standortbezogener Verteilungsmaßstab eingeführt werden, damit Kommunen stärker von der Ansiedlung und dem Betrieb von Rechenzentren profitieren", wird im Bericht näher ausgeführt.
Konkrete Auswirkungen auf die Stadt Hattersheim am Main ließen sich derzeit jedoch noch nicht verlässlich abschätzen, weil bislang kein neuer Verteilungsschlüssel beschlossen wurde. "Außergewöhnliche Einmaleffekten", die in Vorjahren zu einem erhöhten Gewerbesteueraufkommen geführt hätten, ließen für das laufende Haushaltsjahr auf sich warten. Und Aussagen zu möglichen Nachveranlagungen oder gar Erstattungen für Vorjahre seien nur eingeschränkt möglich, da der Stadt keine belastbaren Erkenntnisse über die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung sowie die steuerlichen Veranlagungsgrundlagen der Unternehmen vorliegen.
Auch die Erträge der Grundsteuer B verringern sich gegenüber dem Ansatz um etwa 400.000 Euro auf nur noch 6,3 Mio. Euro, und in Sachen Schlüsselzuweisungen sei auf Grundlage der vorläufigen Festsetzung durch das Land Hessen mit Mindererträgen in Höhe von 1,46 Mio. Euro zu rechnen. Dieser Betrag könne sich noch minimal verändern, sobald die endgültige Festsetzung erfolgt.
Auch die Mieteinnahmen halten aktuell nicht mit dem ursprünglichen Ansatz für das Jahr 2026 Schritt: Das erwartete Ergebnis liegt nun nur noch bei 395.000 Euro anstelle von einst 681.000 Euro. Diese Mindereinnahmen bei den Mietkosten resultieren dem Bericht zufolge in erster Linie aus der nicht realisierten Vollbelegung der Stadthalle.
Während sich das außerordentliche Ergebnis um rund 4,8 Millionen Euro verbessern soll, verschlechtert sich das prognostizierte Jahresergebnis (ordentliches und außerordentliches Ergebnis) um etwa 4 Millionen Euro auf ein Minus von 12,46 Millionen.
Im Bereich des Finanzhaushalts verschlechtert sich der Finanzmittelfluss aus laufender Verwaltungstätigkeit gegenüber der Veranschlagung um etwa. 8,4 Mio. Euro auf rund 17,84 Mio. Euro. Damit sei die Finanzierung der ordentlichen Tilgung und der veranschlagten Investitionen nicht gesichert und müsse durch ungebundene Liquidität gedeckt werden.
Ausblick auf die zweite Jahreshälfte des laufenden Jahres
Der Bericht wagt auch eine Prognose für das bevorstehende zweite Halbjahr 2026 und hält fest: „Die Zeiten eines ausgeglichenen Kommunalhaushalt sind vorbei.“
Die Befürchtungen der letzten Jahre seien bereits 2025 eingetreten und treffen die Stadt Hattersheim am Main 2026 noch härter. Der rechnerische Haushaltsausgleich sei für das Jahr 2025 zwar noch gelungen - für 2026 sei dieser jedoch nicht sichergestellt.
Als Gründe hierfür werden die steigenden Personalkosten durch neue Tarifabschlüsse, die kontinuierliche Steigerung der durch das Land zugewiesenen Aufgaben ohne die dazugehörige Sicherstellung der Finanzierung und die stetig steigenden Preise in allen Bereichen genannt. Die Auswirkungen von Kriegen, Krisen und Katastrophen seien bis in die Kommunen hinein zu spüren. Und auch wenn die Gründe bekannt seien, gebe es keine Möglichkeit den laufend steigenden Aufwendungen entgegenzuwirken - mit Ausnahme der Selbstauferlegung eines immensen Sparzwangs. Und weiter dazu heißt es dazu im Bericht: "Ob dieser ausreichen wird, kann mit einem klaren 'Nein' beantwortet werden, da das gestiegene Defizit nicht aus höheren Ausgaben resultiert sondern hauptsächlich aus fehlenden Einnahmen."
Hier sei es von großer Bedeutung, auch die Einnahmequellen der Kommune kritisch zu betrachten und in Form einer Hebesatzsatzung frühzeitig zu reagieren und rechtssicher durchzuführen. Auch eine Anpassung der Gebühren müsse in Betracht gezogen werden. "Sollte sich dieser Trend in den nächsten Wochen weiterhin bewahrheiten und keine Besserung hinsichtlich eines Haushaltsausgleiches in Sicht sein, ist mit einem Nachtragshaushalt für 2026 zu rechnen."

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