Leserbrief

Zum Artikel „Deichrückverlegung geht voran", HS Nr. 21 vom 21. Mai

Noch im Frühjahr 2025 verkündet unser Bürgermeister auf einer BUND-Veranstaltung in der Eddersheimer Parkanlage am Main, dass er die vom Regierungspräsidium geplante und subventionierte Hochwasserschutzwand nicht möchte. Er braucht diese Wand nicht. Er entscheidet, ob diese Wand realisiert wird. Nach dem Motto: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ (Zitat Walter Ulbricht im Juni 1961). Knapp ein Jahr später ist Mauerbau 2.0 beschlossene Sache. Klaus Schindling hat den Planfeststellungsbeschluss zur Rückverlegung der kommunalen Maindeiche kürzlich freudig entgegen genommen. Die Mauer durch den Eddersheimer Park kommt. So geht Lokalpolitik heute. Wie bei den Großen. Einfach entscheiden und sich über das Begehren der anderen hinwegsetzen. Niemanden fragen. Betroffene Bürger schütteln mit dem Kopf und fragen sich: was soll das? Der Bürgermeister hat uns hintergangen. Demokratie geht anders.

Einige sagen: einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul. Ist doch gratis. Die Mauer kostet uns nichts. Was aber, wenn der Gaul in Wirklichkeit ein trojanisches Pferd ist? Das bringt dann Ärger und Unglück mit sich. Was nützt mir ein Geschenk, wenn es nicht meinen Vorstellungen entspricht und mir ggf. schadet. Ich muss ein Geschenk nicht annehmen und mir nicht aufzwingen lassen. Die von Eddersheimer Bürgern vorgeschlagene, viel sinnvollere Alternativmaßnahme zum Hochwasserschutz wurde nicht einmal ansatzweise in Betracht gezogen. Wieso auch, diese wird ja auch nicht subventioniert.

Andere sagen: die für den Mauerbau erforderliche Abholzung ist unverantwortlich. Es wird hierzu offensichtlich ein Kahlschlag im Park notwendig sein. Eine der heißesten Region Deutschlands wird noch heißer. Die natürliche Klimaanlage „Park“ wird radikal entsorgt. Nicht genug, dass Hattersheim ein Rechenzentrum nach dem anderen baut und die Abwärme in die Atmosphäre leitet. Nein, jetzt wird auch noch abgeholzt, um die wichtigste Erholungs- und Freizeitfläche in Eddersheim zu zerstören. Der Park ist danach tot und im Sommer ohne natürlichem Hitzeschutz nicht mehr zu gebrauchen. In Frankfurt ist im Jahr 2023 eine Gestaltungssatzung für Freiraum und Klima in Kraft getreten, um gegen die stetige Erwärmung in den Wohngebieten vorzugehen. In Hattersheim ist das Gegenteil der Fall. Hier wird schön aufgeheizt. 40 Grad Celsius im Schatten? Lächerlich, da geht noch mehr. Apropos: wo ist eigentlich das Klimaschutzkonzept der Stadt Hattersheim? Ach so, die schlechten Werte der Rechenzentren kann man nicht kompensieren? Das Konzept ist außerdem freiwillig? Hofheim und Flörsheim sind da transparenter. In Hattersheim ist inzwischen jede Hoffnung auf sinnvollen Klimaschutz verloren gegangen.

Der Baumbestand im Park dient übrigens auch als Schallschutz. Der Fluglärm wird durch die Abholzung sicherlich nicht weniger. Im Gegenteil: es wird lauter. Ausgerechnet jetzt, da die Flugrouten über Eddersheim ungünstig geändert wurden. Zudem kann man den Anwohnern der vorderen Reihen zur Uferstraße raten, eine Beweissicherung in Form einer fotografischen Dokumentation ihrer Gebäude durchzuführen. Man kann gespannt sein, welche Auswirkung der Anstau von unterirdischem Schichtenwasser, welches aus dem Vordertaunus hangabwärts Richtung Main verläuft, durch die Spundwand haben wird. Was passiert wohl, sollten die Bruch- und Naturstein-Fundamente der teilweise mehreren hundert Jahren alten Gebäude mit ihren stark sandanteiligen Fugen ausgewaschen und unterspült werden? Welche Schäden werden wohl durch die Erschütterungen der Baumaßnahmen an den Gebäuden entstehen? Wer zahlt später die Schäden im Streitfall? Die Stadt Hattersheim? Nein, sicher nicht, die hat dafür gerade kein Geld. Da wird auch eine unverschämte Grundsteuererhöhung mit einem Hebesatz von 850 Prozent nichts bringen. Vielleicht sollten die Bewohner am Eddersheimer Mainufer bereits jetzt ihre jeweiligen Versicherungen darüber informieren, dass möglicherweise Schäden durch geplante Baumaßnahmen zu erwarten sind. Man fragt sich: wurden tatsächlich alle Aspekte zum Mauerbau von den Planern berücksichtigt und individuell simuliert? Fragen über Fragen. Scheinbar egal. Der Bürgermeister hat uns hintergangen, das ungewollte Geschenk vom RP Darmstadt wurde angenommen und das trojanische Pferd wird in Kürze vorgefahren.

Dipl.-Ing. Urs Höhne

Interessengemeinschaft Main-Eddersheim





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