Frankfurt am Main und die Metropolregion Frankfurt RheinMain wurden zur World Design Capital 2026 ernannt. Unter dem Motto „Design for Democracy. Atmospheres for a better life“ werden 2026 nachhaltige Projekte realisiert, die zeigen, welche positiven Einflüsse Design auf Stadt und Gesellschaft haben können. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Orten, an denen Demokratie und Teilhabe erfahrbar werden.
Die Stadt Hattersheim am Main beteiligt sich im Rahmen der Veranstaltungsreihe zu „Orte der Demokratie“ mit dem Projekt „Hier, wo wir sind. Virtuelle Kunst um’s Eck!“ an der Initiative. Damit setzt die Stadt ein deutliches Zeichen für die Verbindung von historischer Verantwortung, kultureller Innovation und demokratischer Beteiligung.
Im Zentrum des Kunstprojektes wie der Veranstaltungsreihe steht die ehemalige Papier- und Cellulosefabrik/ PHRIX in Okriftel, welche über Jahrzehnte die Entwicklung Okriftels nachhaltig geprägt hat.
Digitale Kunst trifft auf Geschichte
Das Projekt „Hier wo wir sind. Virtuelle Kunst um’s Eck!“ bringt virtuelle Kunst an ausgewählte Orte der Region im Main-Taunus-Kreis und eröffnet neue Perspektiven auf öffentlichen Raum, Geschichte und gesellschaftliche Fragestellungen. Initiiert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und die Künstlerplattform WAVA,
legt das Projekt unter anderem einen besonderen Fokus auf digitale Kunst
als Medium der Teilhabe, da sie unabhängig von Ort, Zeit und Vorkenntnissen zugänglich ist und so räumliche, soziale und kulturelle Barrieren verringern kann.
Mit dem Gelände der ehemaligen Papier- und Cellulosefabrik/ PHRIX für die
Verortung des Kunstwerks wurde ein geschichtsträchtiger Ort ausgewählt, welcher eng mit Themen wie Ausgrenzung, Verfolgung und dem Einsatz für Demokratie verbunden ist. Die in Berlin lebende Künstlerin Alona Rodeh realisiert hierzu eine ortsspezifische Augmented-Reality-Installation, welche als digitales Erinnerungsbild auf die Geschichte der Fabrik und ihrer Gründerfamilie verweist.
Die Installation ist ausschließlich vor Ort über digitale Endgeräte erlebbar und verknüpft physische Stadträume mit digitalen Ebenen. Dadurch werden historische Bezüge sichtbar, neue Narrative geschaffen und die Wahrnehmung bekannter Orte erweitert.
„Mit diesem Projekt zeigen wir, dass öffentliche Räume nicht nur Orte des Erinnerns, sondern auch der aktiven Teilnahme sein können – digital, kreativ und für alle zugänglich“, betont Erste Stadträtin Heike Seibert. „Wir möchten alle Interessierten herzlich zur Eröffnung und Präsentation dieses besonderen Kunstwerkes einladen.“
Die Präsentation des Projektes findet am Freitag, 8. Mai, um 17 Uhr im Haus der Vereine/ Okriftel, Johann-Sebastian-Bach-Str. 1, statt. Der Abend beginnt mit einem offenen Get-together. Ab 18 Uhr wird das Projekt offiziell vorgestellt, gefolgt von einer kurzen Einführung in die Hintergründe der digitalen Kunstinstallation. Anschließend, gegen 19 Uhr, führt ein gemeinsamer Gang zur ehemaligen Papier- und Cellulosefabrik/ PHRIX, wo die Augmented-Reality-Installation direkt vor Ort erlebt werden kann.
Hinweis: Für das digitale Erlebnis werden ein Smartphone oder Tablet sowie Kopfhörer benötigt. Alle Teilnehmenden sollten vorab die kostenlose App des Künstlerkollektivs WAVA herunterladen (Informationen und Verlinkung unter: https://www.wava.ar/).
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos – jedoch ist eine Anmeldung bis zum 24. April beim KulturCenter Hattersheim, Am Markt 7, Telefon 06190/970312, E-Mail: kartenservice[at]kulturforum[dot]de, erforderlich.
Veranstaltungsreihe „Orte der Demokratie“
Ergänzend zum Kunstprojekt hat die Stadt Hattersheim am Main im inhaltlichen Kontext zur World Design Capital eine eigene Veranstaltungsreihe zu „Orten der Demokratie“ konzipiert. Im Frühjahr 2026 lädt sie zu vielfältigen Veranstaltungen rund um Geschichte, Bildung und Meinungsfreiheit ein und macht dabei deutlich, welche Rolle Archive, Museen und Bibliotheken als Räume demokratischer Teilhabe spielen.
Den Auftakt der Veranstaltungsreihe bildete am Freitag, 20. März ein erfolgreicher Aktionstag zum „Tag der Demokratiegeschichte“. Führungen durch das Stadtarchiv boten den Besucherinnen und Besuchern umfassende Einblicke in dessen Arbeit, ausgewählte Archivalien sowie seine Bedeutung für die demokratische Teilhabe. Eine Medienausstellung verbotener und verbrannter Bücher in der Stadtbücherei verdeutlichte eindrucksvoll, wie essenziell Meinungsfreiheit, Vielfalt und der freie Zugang zu Wissen für eine lebendige Demokratie sind.
Im weiteren Verlauf der Reihe lädt der Lokalhistoriker Bernd Caspari am 9. Mai von 11 bis 14 Uhr zu Führungen über das Gelände der ehemaligen Papier- und Cellulosefabrik/ PHRIX ein. Die Teilnehmenden erhalten hierbei einen anschaulichen Einblick in die Geschichte des traditionsreichen Industrieareals, seine Bedeutung für die Entwicklung Okriftels sowie Hinweise auf die Spuren, welche die Papier- und Zellstoffproduktion bis heute hinterlassen hat. Die Führungen eröffnen spannende Perspektiven auf Vergangenheit und Gegenwart des Ortes.
Als besonderes Highlight lädt das Stadtmuseum Hattersheim am 10. Mai um 14 Uhr ins Stadtmuseum zur Lesung „Verbrannte und verbotene Bücher – gestern und heute“ ein. Hattersheimerinnen und Hattersheimer lesen Texte aus Vergangenheit und Gegenwart, die verboten oder verbrannt wurden oder in einigen Ländern bis heute nicht frei zugänglich sind. Die Veranstaltung erinnert an die Bücherverbrennungen von 1933 und thematisiert zugleich die anhaltende Bedeutung von Literatur, freiem Denken und Meinungs-freiheit. Musikalisch begleitet wird die Lesung von Michael Zachcial von der Gruppe „Die Grenzgänger“, dessen Beiträge die Texte ergänzen und vertiefen.
Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildet eine Sonderführung durch die Abteilung Papier/ PHRIX, zu welcher der Hattersheimer Geschichtsverein 1985 e. V. am Internationalen Museumstag am 17. Mai um 11 Uhr einlädt. Die Führung beleuchtet ergänzend die wechsel-volle Geschichte der Fabrik, die Okriftel über Jahrzehnte geprägt hat, und macht das Museum als Ort des Erinnerns und Lernens lebendig. Im Anschluss an die Führung wird ein Film gezeigt, der den Besuch ehemaliger Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine in Okriftel im Jahr 2003 dokumentiert. Er erinnert an ihre damalige Reise und an die Begegnungen vor Ort.
Kulturdezernentin Heike Seibert erklärt: „Mit der Teilnahme an dem World Design Capital-Projekt und mit unserer Veranstaltungsreihe laden wir alle Bürgerinnen und Bürger ein, die Vielfalt unserer Geschichte und Kultur zu entdecken. Archive, Museen und Bibliotheken sind für uns lebendige Orte der Demokratie: Sie bewahren Wissen, ermöglichen freie Bildung und regen zum Nachdenken an. Die Führungen, die Lesung sowie die Ausstellung bieten spannende Einblicke und machen deutlich, wie wichtig Meinungsfreiheit, Vielfalt und Zugang zu Wissen für unser gemeinsames Miteinander sind.“
Detaillierte Informationen zu Zeiten, Treffpunkten und Anmeldemöglichkeiten der gesamten Veranstaltungsreihe finden Interessierte auch im Veranstaltungsflyer. Für Rückfragen zu den Veranstaltungen und Projekten steht Anja Pinkowsky (Telefon 06190/970142, E-Mail: anja.pinkowsky[at]hattersheim[dot]de) vom Referat Kultur gerne zur Verfügung.
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