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Die neue Vielfalt einer alten Festtradition

Bischemer Kerb findet die Balance zwischen althergebrachten Aktivitäten und Angeboten für alle – Zuspruch vor den Bühnen

Auch die klassische Kerb mit Fahrgeschäften und Jahrmarktbuden hat bei der Bischemer Kerb weiter seinen Platz und sorgt abends für eindrucksvolle Beleuchtung.
(Foto:Gössl)

BISCHOFSHEIM (gus) – Tradition und Weiterentwicklung – diese Waage muss sich halten bei der Bischemer Kerb, wenn sie ihre Attraktivität auch bei den Jüngeren behalten will. Das ist den Verantwortlichen und Aktiven bei diesem Volksfest durch den Ausbau des Musikprogramms in den vergangenen Jahren recht gut gelungen – und wurde auch in diesem Jahr durch oft voll besetzte Steh- und Sitzplätze vor den drei Musikbühnen gedankt. Am Wochenende 1./2. September feierten die Bischemer und ihre zahlreichen Gäste aus der näheren und weiteren Umgebung so wieder ihr Straßenfest auf der Darmstädter Straße und den Seitenarmen Ginsheimer Straße und Weisenauergasse mit sehr gutem Zuspruch in den „Kernzeiten“.

Das Wetter spielte toll mit, verschonte die Besucher vor den Hitzegraden der vergangenen Woche, hielt aber auch die Schleusen geschlossen. Dass es nicht selbstverständlich ist, dass so ein Fest bis auf alle Ewigkeit im alten Stil funktioniert, zeigt, dass es auch dieses Jahr wieder Verluste bei der Vereinsbeteiligung zu beklagen gab – nicht alleine die ungünstige Entwicklung bei der Altersstruktur der Vereine, sondern auch die schwindende Bereitschaft der Mitglieder, sich an den Ständen zeitlich und mit der eigenen Arbeitskraft einzubringen, bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Angebote auf der Gasse.

Wie die Tradition erfolgreich hochgehalten werden kann und sogar durch tolle Aktionen ein Stückchen Wiederbelebung erfährt, war am Sonntagabend bei „den Wölfen“ in der Weisenauergasse zu erleben. Der Gesangverein Germania lud nach der erfolgreichen Premieren im Vorjahr wieder zur Huldigung zum Mitsingen animierender Evergreens ein und füllte bei „BischeMer singe“ das Zelt im Hof von Willi Wolf bis auf den letzten Platz. Die Hoffnung, dass sich so neue Interessenten am regelmäßigen Singen im Gesangverein finden lassen, möge sich in den kommenden Wochen erfüllen. Auch, dass dieser Stand trotz steigenden Alters der Aktiven weiter besteht, ist durch den hohen Aufwand bei Auf- und Abbau der Zelte nicht für immer garantiert.

Etwas weniger Zuspruch bei den Anbietern, als es schon mal war, fand diesmal der Künstlermarkt auf dem Damm, bei dem die Katholische Öffentliche Bücherei mit ihrem Flohmarkt den größten Raum einnahm. Die Qualität der dort angebotenen Waren, von Bildern über Schmuck, Dekoartikeln und Kleidung, wirkte dafür ausgesprochen hoch. In recht guter Verfassung befinden sich in Bischofsheim derzeit die Traditionen, die die Kerweborschen und Kerwemädcher hochhalten.

Der „Spass uff de Gass“ ist vor allem die Aufgabe dieser Traditionalisten, deren Programm am Sonntag in aller Frühe beginnt und auch einen ökumenischen Gottesdienst umfasst. Am Freitagabend hatten Altkerweborsch und Gemeinde gemeinsam im Rosengarten eine Veranstaltung zum Vorglühen organisiert. Die aktuellen Aktiven gestalteten dann wie gewohnt den Festauftakt am Samstagnachmittag, der diesmal nicht wie im Vorjahr bei starken Regengüssen unterging. Weiter zogen die Kerweborsch und -medscher am Sonntagmorgen zum „Weckruf“, am Mittag dann beim Kerweumzug zur Verkündung des Merkelspruchs durch Lars Seidel durch die Gassen und ließen später beim Stampes-Wettessen den Kartoffelbrei dampfen.

Dass so eine Kerb nicht nur von den Vereinen, sondern auch von den Planern in Gemeindeverwaltung und Polizei eine Menge Vorarbeit erfordert, war auf der Darmstädter Straße zu sehen, wo das Sicherheitskonzept deutlich anders gestaltet war als im Vorjahr, als Bauschuttcontainer potenzielle Angriffe auf die Festmeile etwa mit einem LKW durch einen Zickzackparcours verhindern sollten. Diesmal standen schwere Rammwürfel eines auf solche Gefahrenabwehr spezialisierten Unternehmens an den Zugängen und Zufahrten, das Ganze wirkte so etwas dezenter und gar ein wenig dekorativ.

Die drei Bühnen mit ihrem bunten Programm von nahezu 20 Bands an den drei Tagen bestimmten das Bild in den Gasse – dort, wo die Verstärker etwas hergaben, war die Ansammlung an Kerbebesuchern stets besonders hoch. Auf anderen Teilen des Festgeländes war deswegen nicht unbedingt weniger los, was zeigt, dass das Musikprogramm seine eigenen Gäste anzieht. Das soll der Weg sein in Bischofsheim, um das Fest gegen alle Unterhaltungs-Konkurrenz in der Region attraktiv im direkten Wortsinne zu erhalten – es scheint zu funktionieren.
 

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