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Restaurationsprojekt ist abgeschlossen

Kerweborsch tüftelten ein halbes Jahr lang am wiederentdeckten „Langholzwagen“

Steffen Willmann, Cornelia Engert, Harald Engert, Arno Schneider, Gerhard Astheimer, Andreas Fink, Ralf Engel, Tobias Engert, Martin Schwiertz, Markus Stöhr (v.l.) gehörten zu den Aktiven bei der Restauration des „Langholzwagens".
(Foto: privat)

BISCHOFSHEIM (pm) – Nach über einem halben Jahr und circa 900 Arbeitsstunden ist die Restauration des geschichtsträchtigen Langholzwagens, mit dem bis 1992 der Bischofsheimer Kerwebaum aus dem Wald geholt wurde, erfolgreich beendet.

Alles begann mit der alljährlichen Aktion „Sauberhaftes Bischofsheim“, an der die „Bischemer Kerweborsch“ zusammen mit dem Altkerweborschverein das zugeteilte Areal säuberten. Dabei wurde durch Zufall der genannte Langholzwagen im Gebüsch nahe der B43 gefunden. Sofort war klar, dass es sich hierbei um ein Kerwerelikt handelte, das so sehr die Geschichte der Bischofsheimer Kerb widerspiegelt wie kaum ein anderes und dieses unbedingt erhalten werden muss.

Nach kurzer Recherche stellte sich heraus, dass der Eigentümer des Wagens Herbert Stöhr ist und er diesen zur Restauration gerne überließ. Welch ein Geschenk. Nun schmiedeten die Kerweborsch einen Plan, wann, wie und wo dieser zu restaurieren sei. Nur eine Woche später wurde der alte Kerwebaumwagen unter Einsatz einer Motorsäge aus seinem grünen Gefängnis des Vergessens befreit und zunächst aus dem Gebüsch auf den Feldweg befördert. Leider hatten ihm sein Alter und der sich im Freien befindliche Stellplatz der vergangenen Jahrzehnte sehr zugesetzt. Der Drehkranz saß fest, ließ sich keinen Millimeter mehr bewegen und auch die Reifen hatten ihre besten Zeiten lange hinter sich gelassen. Kurz, eine Fahrt „ins Ort“ auf eigenen Rädern kam also nicht in Frage. 

Nach kurzer Überlegung und einem Telefongespräch konnte vom Brennholzhandel Jens Engert ein Traktor mit Greifarm sowie eine Rolle organisiert werden. Mit Hilfe dieses schweren Gerätes konnte der Wagen auf die Rolle geladen und in die Rheinstraße („Rhoigass“) gebracht werden. Dort, bei Familie Engert, fand sich der optimale Ort, um mit der Restauration zu beginnen.
Die erste Bestandsaufnahme ergab, dass neben dem festgerosteten Drehkranz und sämtlichen Schrauben, den defekten Reifen und nicht gängigen Achslagern, vor allem zwei Holzbalken sowie die gesamte Holzachse durch die Witterung der Jahre komplett verrottet waren. Auch die Bremsen waren nicht mehr gangbar.

So erfolgte zunächst die Demontage aller Teile. In tagelanger Arbeit, unzähligen Versuchen unter Zuhilfenahme von Brennern, Bremsenreiniger und Öl und natürlich viel Kraft gelang es dann schließlich auch, noch den Drehkranz zu lösen und die Lagerkugeln zu entfernen. Dann ließ sich endlich das Oberteil vom Untergestell lösen. (An dieser Stelle auch noch einen großen Dank an alle Nachbarn, die die hierdurch entstandene Lärmbelästigung ertragen haben).

Die Reifen wurden von den Felgen geschnitten, da diese eine untrennbare Verbindung mit den Felgen eingegangen waren. Nun konnte mit dem Reinigen und Abschleifen aller Metall- und Holzteile begonnen werden. Mittlerweile wurde auch schon die Kerb 2016 eingeläutet und die Tage gingen ins Land. Da es Brauch ist, dass sich zum Kerweumzug „bei Engerts in der Rhoigass“ viele Altkerweborsch einfinden, stieß das Restaurationsprojekt dort auf großes Interesse. 

So ergab es sich, dass nach der Kerb ein Treffen stattfand, bei welchem beschlossen wurde, dass die Kerweborsch des Jahrgangs 1985 die Überbleibsel ihrer immer noch bestehenden Kasse in die Restauration mit einfließen lassen. Auch ein neuer aktiver Unterstützer, Arno Schneider, kam hinzu. Auch der Altkerwerborschverein unterstützte das Projekt finanziell. 

Nachdem alle Teile gereinigt und geschliffen waren, wurden diese mit Rostumwandler gestrichen und grundiert. Mit viel Arbeit war auch das Reinigen und Wiedergangbarmachen der Bremsen verbunden.

Nun ging es an den schwierigsten Teil des Projektes, das Erneuern der Holzteile. Hierzu wurden zunächst auf dem Lagerplatz des Brennholzhandels Engert drei Eichenstämme ausgesucht, aus denen dann die benötigten Teile grob herausgeschnitten und in den Keller der „Rhoigass“ verbracht wurden. Mit dem Know-how und dem Gerätefundus von Harry Engert wurden diese dann weiter bearbeitet. Es wurde gesägt, gehobelt und ausgefräst, bis schließlich alles passte. 

Das Ergebnis war überragend, wie man nun am fertig restaurierten Wagen unschwer erkennen kann. Nun konnten alle Metallteile des Wagens endlich mit Hammerschlaglack gestrichen werden und dieser erhielt dadurch seine endgültige Farbe. Ebenfalls die alten sowie die neuen Holzbalken wurden mehrfach eingeölt und somit die Holzteile fertig vorbereitet.

Neue Reifen wurden bestellt und die Felgen sandgestrahlt und teilweise neu geschweißt. Danach wurden diese ebenfalls mit Rostumwandler gestrichen sowie grundiert und lackiert.

Mit Hilfe von Udo Bersch wurden die neuen Reifen aufgezogen und die Sprengringe montiert. Dies wäre ohne seine Hilfe vermutlich niemals möglich gewesen.

Da nun alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, wurde mit dem Zusammenbau begonnen, der nach einigen Komplikationen erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Hier nun noch einmal ein Dank an alle aktive Unterstützer und Spender. Alleine hätten wir oder der AKB-Verein die Restaurierung nie bezahlen oder durchführen können.

Unser Dank gilt: Jens, Tobias, Conny, Waltraud und Harald Engert, Herbert Stöhr, Brennholzhandel Engert, Udo Bersch, Gerhard Astheimer, Albert Leibner und Joachim Astheimer. 

Noch einen besonderen Dank an die Familie Engert, die über ein halbes Jahr die Arbeiten in ihren Hof, Keller und Garage ertrug und die Mitarbeiter immer bestens mit Kaffee oder selbst gebackenen Kuchen verwöhnte.

Aktiv restauriert wurde der Langholzwagen von Harald Engert, Andreas Fink, Steffen Willmann, Arno Schneider, Markus Stöhr, Martin Schwiertz und Ralf Engel.

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