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Rhön-Freunde wollen feste Partnerschaft

Auszeichnung in Bischofsheim an der Rhön beim „Bischofsheim-Treffen“ am 4. und 5. Juni

Reinhard Bersch berichtet

BISCHOFSHEIM (vb) - Schon vor 1999, also auch schon vor dem Amtsantritt von Bürgermeister Reinhard Bersch, gab es Anfragen aus der Rhön, die beiden Kommunen namens Bischofsheim etwas näher zusammenzubringen.

Die Initiative startete die Fördergemeinschaft mit ihrem Vorsitzenden Harald Weidner, der Briefe nach Tauber-bischofsheim, Maintal-Bischofsheim, Zeil am Main-Bischofsheim, Gau-Bischofsheim und eben zu uns schickte. Vor 1999 war sogar schon eine Zusage gegeben worden, aber die avisierten Besucher, zum Teil aus dem Gemeindevorstand, fanden sich doch nicht ein.

Im August 1999 dann der Neustart, Dietmar Zaia, Reinhard Bersch und Gattin fuhren auf Einladung aus der Rhön zum Stadtfest und wurden von Harald Weidner (damals Mitglied im Magistrat) und Bürgermeister Armin Lommel begrüßt. Der Marktplatz mit dem Marktbrunnen war noch asphaltiert und das Messnerhaus fristete ein sehr vernachlässigtes Dasein. Auch der Stadtturm am Rentamt, rückwärtig an das Langhaus der katholischen Kirche angebaut, war für Besucher noch nicht zugänglich.

Genau aus diesen Gründen wurde 1993 die Fördergemeinschaft ins Leben gerufen, um besonders mit einem Stadtfest und anderen Aktivitäten Geld zu sammeln. Damit gelang es, verschiedene Projekte zu starten und zu unterstützen. Das Stadtfest schlug ein, und es kamen auch Spenden zusammen, indem Wetteinsätze für eine Wettfahrt, zwischen Pfarrer mit Fahrrad und Bürgermeister mit Inlinern, auf der nicht mehr genutzten Bahnstrecke getätigt wurden.

Zur Überraschung aller (niemandem) kamen damals beide gleichzeitig am Ziel an. In den Folgejahren konnte der Verein unter anderem die Ertüchtigung des Stadtturmes mitfinanzieren, und das renovierte Messnerhaus beherbergt heute die Tourist-Information.

Ein Dorferneuerungsprogramm mit Landesmitteln wurde Anfang des Jahrhunderts gestartet, der Marktplatz und viele Straßen darum herum neu gepflastert. Die gusseisernen Platten des Marktbrunnens wurden restauriert und der Brunnen an seinen ursprünglichen, heutigen Standort versetzt.

Ein sehr gelungenes Beispiel für die notwendige und fruchtbare Eigeninitiative der Geschäfts- und Wirtsleute ist die Renovierung eines schmalen Hauses, das von einem Verkaufskiosk in ein sehr schmuckes „Brotzeitstüberl“ umgebaut wurde. Die Besitzer erzählten vor Jahren einmal die Geschichte der totalen Entkernung und vom Wiederaufbau mit Balken und Brettern aus Altbeständen des ausführenden Schreiners. Viele Nachbarn schlossen sich an oder waren gleichzeitig am Werk, und so erscheint der Marktplatz wieder in einem gepflegten Bild mit schmucken Fassaden, teilweise mit Fachwerk.

Nach der Renovierung des Rentamts (mit einer kleinen Bühne im Obergeschoss) samt dem Innenhof, ist dies ein besonderer Anziehungspunkt als Weindorf am Stadtfest und für andere Gelegenheiten im Jahr.

Blumenwiesen mit tausendfachen Farben und Formen übersät, sind ein Anziehungspunkt für Wanderer und Naturliebhaber. Ausdrücklich dazu aufgefordert sind die Touristen, auf den Wegen und Stegen zu bleiben, um die besondere Flora und Fauna nicht unnötig zu stören.

Die verstärkte Nachfrage von Tagestouristen ist sicherlich durch die Anerkennung der Hochrhön als „UN - Biosphären-Reservat“ begründet. Bad Brückenau, Bad Neustadt und das Freilichtmuseum in Fladungen sind nicht weit entfernt und im November für ihren legendären Gänsebraten auch bei uns bekannt und beliebt.

Skifahren und Rodeln im Winter und ansonsten Wandern und besonders Moutain-Biking nehmen zu. Im „Land der offenen Ferne“ mit wunderschönen Aussichten auf die weite Landschaft sind besonders die Wasserkuppe (höchster Gipfel in Hessen) und der Kreuzberg (Bayern) bekannt. Dieser „Heilige Berg“ liegt in der Gemarkung der Stadt und die Beziehung zu den Benediktinermönchen und Laienbrüdern kann als sehr gut bezeichnet werden.

Dies haben sieben Bischofsheimer, zehn Gau-Bischofsheimer und diverse Freunde aus dem Rhönclub erfahren, als im Jahre 2006 die „Pfingst-Wanderung“ von Gau-Bischofsheim, über Bischofsheim, Frankfurt, Langenselbold und Bad Orb nach 173 Kilometer in der Rhön endete.

Die Bischemer (also wir) starteten die vorletzte Etappe in Jossa und kamen zusammen nach 20 Kilometern bis zum Würzburger Haus (Übernachtung) und am letzten Tag nach weiteren 20 Kilometern über die Kissinger Hütte zum Kreuzberg. Den herzlichen Empfang am 12. Juni mit Bruder Johannes-Matthias, dem Landrat des Kreises Rhön-Grabfeld und der Vorsitzenden des Rhönclubs haben die Teilnehmer noch in sehr guter Erinnerung.

Alle waren mit speziellen T-Shirts, mit dem Aufdruck „Bischofsheim on Tour“ und den vier Wappen versorgt worden und machten ein schönes Bild bei der Ankunft im Kloster Kreuzberg. Am zweiten Wandertag, 6. Juni, erlebte die Wandergruppe übrigens einen kleinen Empfang durch Bürgermeister Bersch, Mitglieder des Gemeindevorstandes und des Personalrats im Palazzo.

Die Mitarbeiter der Gemeinde haben schon zweimal Bischofsheim an der Rhön als Ziel für den Betriebsausflug gewählt und jeweils einen schönen und gut organisierten Tag im Kreise der Kollegen verbracht. Das Klosterbier, Holzofenbrot mit und ohne Kümmel, diverse Wurstsorten und lokale Obstbrände wurden im Gepäck mit nach Hause gebracht. Im Grußwort zu einem Stadtfest schreibt der Präsident des Bayerischen Landtags, Johann Böhm: „Schon der altgriechische Philosoph Demokrit hat gesagt: ’Ein Leben ohne Feste ist wie ein langer Weg ohne Einkehr’“. Wie wahr.

Nun, am 4. und 5. Juni, stand wieder einmal ein sogenanntes „Bischofsheim-Treffen“ auf dem Programm. In all den Jahren hatte Bürgermeister Reinhard Bersch mit verschiedenen Mitfahrern diese Treffen und die meisten Stadtfeste besucht. Und wie in den allermeisten Orten, in denen die Touristikbüros über die Besucher Buch führen, wurde auch hier genau gezählt. So kam es für ihn dann zur Auszeichnung am 4. Juni 2011 bei einem Empfang im Rentamt für „zehn Besuche in unserem staatlich anerkannten Luftkurort“ (sprich: zehn Aufenthalte).

Patrick Müller, Ortsbürgermeister in Gau-Bischofsheim, wurde für 20 Besuche geehrt. Kollege Udo Baumann musste sich entschuldigen und der stellvertretende Bürgermeister Egon Sturm überreichte außer den Urkunden eine Chronik der Stadt. Acht Bischemer und 16 Gau-Bischemer waren diesmal zum 4. Treffen dieser Art angereist.

Am späteren Nachmittag stand der Besuch der Holzschnitzerei und Töpferwerkstatt der Familie Warrings auf dem Programm. Den Ausklang erlebten alle beim Abendessen und bei Musik mit kräftigem (deftigem) Gesang in der Gaststätte Rhönlust.

Der Sonntag begann mit einer Wanderung durch Feld und Flur in den Stadtteil Frankenheim. Vorbei an prallen Wiesen und Feldrainen voller Blumen und Insekten führte der Weg zu Imker Armin Enders. Es war eine hervorragende Lehrstunde in Sachen Imkerei, mit vielen Informationen aus dem wissenschaftlichem Umgang mit der Zucht und aus dem Alltag der 20 Völker mit über 60.000 Bienen. Honig aus den verschiedenen Blütenständen wurde auf Butterbroten zum Versuchen angeboten und viele Gläser wechselten den Besitzer.

Zum Abschluss wurden noch Andenken ausgetauscht und Harald Weidner hatte für jede Gruppe (und für die neue Bürgermeisterin Ulrike Steinbach) jeweils einen Krug (Unikate) in der Töpferei Warrings herstellen lassen.

Gau-Bischofsheim hat vor einigen Jahren eine feste Partnerschaft mit der Rhön beschlossen und pflegt einen intensiven Austausch. Die Musikkapellen haben schon in Rheinhessen und auch bei uns zur Kerb aufgespielt, und auch darüber hinaus zieht es immer wieder Einwohner aus der Rhön links und recht des Rheins.

Die schon traditionelle Pfingst-Wanderwoche wurde 2010 in und um Bischofsheim organisiert. Ziele waren die Stadt Mainz, der Mittelrhein, der Kühkopf und das Hofgut Langenau. Die Woche hinterließ einen starken Eindruck und weitere Aktivitäten werden von den bisher Beteiligten gewünscht. Bischofsheim an der Rhön hat bereits ein schriftliches Angebot für die Aufnahme einer offiziellen Städtefreundschaft abgegeben. Ob dies angenommen wird und wie sich ein „Freundschaftsvertrag“ gestaltet, wird die Zukunft zeigen. Bürgermeister Baumann und besonders der Initiator Weidner würden sich freuen, wenn im nächsten Jahr wieder viele Freunde und Bekannte zu einem „Bischofsheim-Treffen“ zusammen finden würden.

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